Abhandlungen

- NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT,

xvım. Band.

0. Bot, Gare

1912

NÜRNBERG 1912. Druck von J. L. Stich. °

Abhandlungen

der

NATURHISTORISCHEN GESELESCHAFT

NÜRNBERG.

Enthaltend:

Professor Dr. August Heerwagen. Nekrolog (mit Bildnis).

Die Kultur als Hauptfeind der Natur. Von Dr. August Heerwagen. Ein Fund aus der Ruherten. Von Dr.S. von Forster

Über Erdpyramiden. Von Dr. Wilh. Graf zu Leiningen.

Über Fossilfunde. Von Dr. Ernst Stromer-München

Über re der Trias Frankens. Von Anton Handlirsch-

N a

s

ee Mollusken im fränkischen Jura. Von D. Geyer- Stuttgart.

NÜRNBERG 1909.

U.E. Sebald, Kgl. Bayer. Hofbuchdruckerei.

Dr. AUGUST HEERWAGEN

Zum Gedächtnis

an 5

Dr. August Heerwagen.

Dr. August Heerwagen war geboren am 4. Juni 1849 zu Bayreuth als jüngster Sohn des damaligen Gymnasialprofessors daselbst, späteren Oberstudienrats und Rektors am Melanchthongymnasium zu Nürnberg, Dr. Heinrich Heerwagen.

Er absolvierte das Gymnasium zu Nürnberg 1867 und widmete sic seiner innigen Neigung folgend, dem Studium der Naturwissenschaften in Erlangen, dann an der polytechnischen Hochschule in München und, nach bestandener Lehramtsprüfung, an der Universität Berlin. 1872 w er zum Reallehrer in Wunsiedel ernannt, wo er seinen eigenen Herd gründ An der Seite seiner Gattin, Wilhelmine geb. v. Ölhafen, erblühte ihm reiches häusliches Lebensglück. Schon in Wunsiedel entfaltete sich

> um im Jahre 1888 mit einer Arbeit über den „Kiefergaumenapparat e er an der Universität nn zu DESSEN, zur der Ei

nach vierwöchenichen: Krankheit: a aus dem Be i

ee

Dies der äußere Rahmen, in welchem sich das Leben des Teueren abspielte. Aber welch ein reiches, vielseitiges, in sich harmonisch ab- - geschlossenes Lebensbild wird von demselben umschlossen!

Einer Familie aus dem sagen- und sangesreichen Thüringen ent- sprossen, die aber seit langer Zeit im fränkischen Oberland mit seiner frischen, offenherzigen, arbeitsfreudigen Bevölkerung daheim war und ‚aufgewachsen unter der Obhut eines als Gelehrter und Jugendbildner gleich "bedeutenden Mannes von hohem Seelenadel, herangewachsen in unserem

. Nürnberg konnte sich Heerwagen’s trefflich veranlagte Persönlichkeit nach allen Seiten aufs Beste entfalten.

Ki Aus der ursprünglichen thüringischen Heimat seines Ge- .schlechts war ihm angeboren die innige Freude an Berg und Quell, e an Wald und Flur, vor allem an der buntgefiederten, leichtbeschwingten = Vo; ogelwelt, die er ganz besonders ins Herz geschlossen hatte; ferner das E ebhiafte Interesse für all die Sagen, Bräuche und Sitten, in welchen das 4 kindlich naive Naturempfinden des Volkes sich seinem feinsinnigen Ge- müt offenbarte. Aus der eigenen oberfränkischen Heimat, wo er die “nachhaltigen Eindrücke der ersten Lebensjahre erhielt, hatte er seine ober- _ fränkische offenherzige, bedürfnislose, gerade Art, die ihn so schön zierte. e Solche Charaktereigenschaften und eine nie ermüdende Arbeitskraft und : ‚Arbeitsfreude gewannen ihm gar schnell die Achtung seiner Kollegen, die . _ Liebe seiner Schüler, und es war nicht Phrase, sondern volle, aus tiefster 2 _ Seele kommende Wahrheit, wenn am Grabe Heerwagens bezeugt wurde: 4 er war ein ganzer Mann, ein Freund und gütiger Lehrer, ein liebens- 4 _ würdiger Kollege, ein edler Mensch gewesen. a

Welch eine Fülle gründlicher Kenntnisse dem Heimgegangenen eigen “war, davon hatten gar viele keine Ahnung, da der bescheidene Mann nie mit seinem Wissen prunkte. Er hatte nicht bloß durch anhaltenden ‚Fleiß gründliche Kenntnisse in ı englischer, spanischer und italienischer

En und mehrjährige Leiter der geographischen Sektion gewesen, war er völlig zu Hause. Sein Wissensdrang bestätigte sich ferner in kultur- ‘und kunstgeschichtlichen Studien. Bei all seinen Arbeiten erfüllte ihn aber ‚nicht das Streben, tote Kenntnisse aufzuspeichern, sondern vielmehr in ' das geheimnisvolle Leben und Weben der Natur ee vom klein- ‚sten un bis zum größten. i

Als unser Freund im Jahre 1883 der Gesellschaft beitrat, zeigte es sich sofort, daß sie an ihm nicht nur ein Mitglied, sondern einen sehr eifrigen Mitarbeiter gewonnen hatte. Die Vielseitigkeit und Gründlichkeit seiner Kenntnisse, die bei aller Festigkeit der eigenen Überzeugung stets bewiesene Achtung vor den Überzeugungen anderer, seine allem ehrgeizigen Streben abholde Anspruchslosigkeit gewannen binnen kurzer Frist das einmütige Vertrauen der Gesellschaft, die ihm bereits 1892 die Stelle eines I. Sekretärs übertrug und ihn drei Jahre später in einer kritisch beweg- ten Zeit zur Leitung ihrer Geschäfte berief. Nur widerstrebend folgte er diesem Rufe; aber er hat das Vertrauen im vollsten Maße gerechtfertigt. In kurzer Zeit gelang es ihm, die damals bestandenen Zwistigkeiten und Mißstände zu beseitigen, innerhalb der Gesellschaft die alte Eintracht: wiederherzustellen, ein harmonisches Zusammenarbeiten der in den ein- R: zelnen Sektionen tätigen Kräfte und deren feste Verbindung ‚mit der Muttergesellschaft zu sichern und durch vielfältige eigene Vorträge und 8 Referate in den Gesellschafts- und Sektionssitzungen anregend und för- & dernd zu wirken. Es ist ja in der Tat nichts Geringes, was ein Direktor = unserer Gesellschaft leisten muß: Neben der Vertretung nach außen, E... Leitung der inneren Verwaltung, der Erschließung neuer Finanzquellen für die allzeit notleidende Kasse, ist es die Pflege der Beziehungen zu Schwester- gesellschaften und gelehrten Mitarbeitern aller Länder, ist es ferner die eigene wissenschaftliche Mitarbeit, die Gewinnung neuer Mitglieder und noch so unendlich vieles andere mehr. Nun, dazu war Heerwagen in sonder- licher Weise geeignet. Seine Milde und Freundlichkeit führte ihm die Herzen zu; seine vielseitigen Beziehungen ermöglichten es ihm, auch 5 m

Pr

hatte, blieb er ihr doch bis ans Ende treu zugetan und betätigte lebendiges Interesse durch vielfache Referate und Vorträge, bis der seinem Wirken ein Ziel setzte.

Ihm, dem schlichten Ehrenmanne, der seine reichen Gaben und Kräfte. ) anspruchslos und freudig in den Dienst der Gesellschaft stellte, werden

ier ihn beseelte, in unserer Mitte lebendig erhalten als ein kräftiges Band essen Arbeiten, eingedenk eines eiceronischen Spruches, wie er

angenen findet: Omnes artes, quae ad humanitatem _ pertinent habent re

Wilhelm Rüdel.

Die Kultur als Hauptfeind der Natur.

VORTRAG

von

Die Kultur als Hauptfeind der Natur.

Vortrag gehalten am 26. nn 1904 in der Pe an zu Nürnberg n Professor Dr. August t He ag

Aıs ich einmal vor vielen Jahren an dieser Stelle ein paar Tiere vor- R legte, deren Existenz in gefährlicher Weise bedroht erscheint, zitierte ich _ den Ausspruch: „Die Kultur ist ein Feind der Natur‘ und stieß damit auf lebhaften Widerspruch von befreundeter Seite. Wenn ich jenen Satz in etwas

müssen, ich möchte vielmehr überhaupt erörtern, wie tief einschneidend die Kulturfortschritte der Menschheit wie die zunehmende Kultur des Bodens in fremden Ländern sowohl als in unserer eigenen Heimat in die natürlichen = Zustände eingreifen und welche Wandlungen des ursprünglichen Naturbildes sich daraus ergeben.

Carl Bolle, der bekannte Berliner Natur- und issatkündign klagt a in seiner poetischen Weise darüber, wie die hastig er Zeit die alte

re

„Noch gestern, sagte er, stand ein altersgrauer Wartturm, eine granitne Stadtmauer. Heute fällt uns ein, sie wieder einmal zu besichtigen; beide sind abgerissen. Die Rieseneiche, Zeuge längst verflossener Jahrhunderte, ' in gleicher Lage, ist umgehauen, seltener vom Sturm entwurzelt. Der mäch- tige Felsblock, den einst die Urflut auf Schollen von Gletschereis aus fer- nem Nordland herabwälzte, unter dem die Unterirdischen ihr Heim hatten Pulver hat ihn gesprengt, vielleicht der Ausbesserung einer neu zu pflastern- den Wegestrecke zuliebe. Jener Sumpf, in dem auf schwanker Moosdecke eine ganze Vegetation seltenster und schönster Moorpflanzen, den Kenner entzückend, zu finden waren er liegt ausgetrocknet vor uns. Von dem Utilitarismus der Gegenwart, von industrieller Hochflut, von der Not wach- sender Bedürfnisse bedroht, schwinden mehr und mehr die Wahrzeichen - und Symbole der Vergangenheit. Die Gewächse unserer Flora, die Tiere unserer Fauna sind in raschem Niedergang begriffen.“ : Wir gedenken mit bedrückenden Gefühlen des unabänderlichen Ge- setzes, daß die Naturvölker durch die ihnen aufgezwungene Kultur aufs _ _ empfindlichste geschädigt, ihrem unaufhaltsamen Rückgang, ihrer endlichen Aufhebung zugedrängt werden. Sie verschwinden vom Schauplatz auch da, wo nicht etwa mit Brutalität und Grausamkeit ihnen entgegengetreten wird. Wir brauchen nicht auf die Schandtaten der Spanier des 16. Jahr- hunderts zurückzugehen; auch unser modernes Europa wird seinen so viel gepriesenen humanitären Anschauungen nicht immer gerecht. Karl Noetzel rügt in einem Artikel „Zur Rassenfrage“ in der Zeitschrift „Gegenwart“ den Kulturhochmut der Europäer, welcher ein Verständnis für fremdrassige Denkungs- und Handlungsweise nicht aufkommen lasse. Das führt zu falscher Beurteilung und Behandlung, die nicht verdient ist und nicht vertragen wird. Zum Beweis dafür sei hier wörtlich mitgeteilt, was ein gewisser Herr von Bülow in einer älteren Nummer der Kolonialzeitung über die Bildungs- fähigkeit der Samoaner schreibt: „Samoanische Knaben, die es in den Alum- .naten der katholischen Mission auf der Insel Fotuna und Uea also außer Landes in den Studien recht weit gebracht hatten, brachen in dem kriti- schen Alter plötzlich die Studien ab, um mit einer Landestochter davon zu . gehen. Der einzige Weg, solche Vorkommnisse nach Möglichkeit zu ver- w hindern, ist die Erziehung von eingeborenen Kindern außer Landes, in einem

RE:

| ‚sogar in bezug auf spärliche Bekleidung. Besser gestalten sich die Aussichten für die Zivilisierung des weiblichen Teiles der Bevölkerung. Haben katho- > ‚lische Missionäre doch bereits wiederholt junge Sämoanerinnen zu ‚Nonnen :

BEI TE

erziehen können. Doch diese vereinzelten Ausnahmen wollen nichts bedeuten.

Im allgemeinen muß man die Frage, ob die Samoaner bildungsfähig seien, unter der Bedingung bejahen, daß die zu Bildenden zeitlebens von ihrer

Heimat ferngehalten werden.“

Ist das wirkliche Zivilisation? Nicht vielmehr raffinierte Grausam- keit? Gerade mit Rücksicht auf den heiteren, leichtlebigen Charakter des samoanischen Volkes.

Die Kolonisation erkennt als eine ihrer Hauptaufgaben die kulturelle. Über die moralische Berechtigung dazu, meint Hauptmann Hutter, ließe sich streiten, es läge hier wohl nichts anderes vor als die brutale Anwendung des Naturgesetzeg vom Recht des Stärkeren. Was wir kulturelle Aufgabe Br nennen, hat der Indianer Nordamerikas in eine andere Formel gekleidet: A

„Der Rauch vom Herdfeuer der Blaßgesichter tötet den roten Mann.“ F Die mitzubringende Entwicklung der Kulturrassen kann, wie Graf R Joachim v. Pfeil bemerkt, leider nur auf dem Weg der Zerstörung vor sich gehen. Die Völker Europas drängen nach außen, sie brauchen Raum, wo ihre latenten Kräfte nutzbringend sich entwickeln können, statt sich ver- nichtend gegen sich selbst zu richten. Br Wir können an dieser Tatsache nichts ändern und müssen es begreifen, ei wenn ein moderner Amerikaner, die durch den Untergang der Indianer be- wirkten Vorteile abwägend, ohne Bedauern voraussieht, wie im Verlauf % weniger Generationen die Wigwams der nach seiner Meinung sittenlosen, halbnackten Wilden durch neue Städte des Westens ersetzt werden, bevölkert von Millionen hochzivilisierter fleißiger Weißen, wie an Stelle der zahllosen er Büffel- und Antilopenherden, die einst über die Prärie hinzogen, reiche Herden amerikanischer Rinder und feinwolliger Schafe treten und die öden unfrucht- baren Flächen, welche mit kurzem Büffelgras, Sonnenblumen und stach- ligen Cacteen bedeckt waren, dereinst unter fleißigem Anbau von goldnen Ernten von Weizen und Mais strotzen. Wenige erhalten bleibende Namen. mögen dann die einzige Erinnerung an die roten Menschen bilden. i

5 Denken Sie an die Moros Neuseelands, die Araukaner des südlichen Chile, die Ainos der Insel Yezo, über sie alle sind, wie über die Indianer

Nordamerikas die Würfel gefallen, in statistisch berechenbarer Zeit werden sie der fortschreitenden Kultur zum Opfer gefallen sein. Eingeschleppte

N Ne

wichtiges psychisches Moment nicht zu übersehen. Sobald ein Natur-

volk mit einer ihm weit überlegenen Rasse, wie der weißen, in Kontakt kommt, und sieht, wie es von ihr trotz aller Anstrengung seiner Kräfte zu- rückgedrängt, in seinem Besitztum und Lebensgenuß geschmälert wird, und wie sogar die von den Eindringlingen mitgeführten Tiere und Pflanzen die heimischen verdrängen, so verfällt es allmählich in verzweifelte Resig- nation gegenüber dieser ihm unerklärlichen, fast unheimlichen Macht und das Gefühl, daß jedes Auflehnen gegen die Unterdrückung nutzlos ist, läßt es völlig erschlaffen. Dieses Versinken in Lethargie macht es dann noch rascher empfänglich für jedes moralische und körperliche Siechtum, die geistige „Depression“ öffnet die Eingangspforten für alle dahinraffenden - Krankheiten.

So wie die Ankunft einer höheren Rasse die Urbevölkerung aus ihrem angestammten Sitze vertreibt, so geschieht esauch mitden Tieren. Mitden Kolonisten kommen zufällig oder absichtlich, unbedacht oder planmäßig, Tiere aller Art ins Land. Es liegt ja nahe, daß die Ansiedler heimische Tiere, die ihnen lieb oder nützlich waren, aus der Heimat mit in die Fremde nehmen und dort einzubürgern suchen, soweit ihre Existenz mit der Beschaffenheit „der neuerworbenen Heimat vereinbar ist. Notwehr und Bedürfnis nötigen _

ihn zur Zurückdrängung und Vertilgung vorhandener schädlicher Tiere, aber selbst die nützlichen Haustiere der wilden Völker vermögen sich neben den eingeführten europäischen Haustieren nicht zu behaupten, un- merklich fallen auch sie dem Kampf ums Dasein zum Opfer. Indem sie ihre er Lebensbedingungen verlieren, müssen sie denjenigen Geschöpfen weichen, die der Mensch als ihm nützlich ansiedelt, soweit sie sich nicht etwa dem Menschen zu Trutz und Schaden in die neuen Verhältnisse zu fügen wissen. Altweltliche Haustiere haben sich als echte Kosmopoliten auch die neue 2 Welt zu eigen gemacht. Ist schon die absichtliche Verbreitung von Tieren unter Umständen ein höchst gefährliches Experiment, wie wir später sehen werden, so liegt noch eine viel größere Gefahr in der zufälligen Einschleppung von Schädlingen. Da dieselben ohne ihre heimatlichen Feinde in der neuen Heimat anlangen, beobachten wir häufig, daß dieselben hier eine viel ver- hängnisvollere Tätigkeit entfalten, als in ihrer alten Heimstätte. Die Ära der zufälligen Verbreitung von Tieren wie auch von Pflanzen begann mitder Entwicklung des Handels und wuchs damit. Am leichtesten vollzieht sich . ein Austausch von Arten zwischen Gegenden mit sehr ähnlichen Klima und übereinstimmenden Jahreszeiten, noch befördert durch Haufgken und

ER

Schnelligkeit der Verbindung. Am häufigsten ist deshalb der Austausch zwischen Europa und Nordamerika. Europäische Arten siedeln sich leichter in Amerika an und gedeihen dort, als umgekehrt. Amerika hat von etlichen 70 den Nutzpflanzen schädlichen Insekten, die es besitzt, etwa 30 aus Europa erhalten, während wir von Amerika eigentlich nur die Reblaus, den Colorado- käfer und die wollige Wurzellaus (Schizoneura lanigera) bekommen haben. Neuerdings berichtet Sajo über Lecanium robiniarum, die Schildlaus des Akazienbaumes, welche in Nordmexiko wohl infolge der seitens ihrer Schma- rotzer energisch ausgeübten Naturpolizei nur eine bescheidene Rolle spielt, - während sie in Zentral- und Südungarn, vom Druck ihrer neuweltlichen Feinde befreit, durch wimmelnde Unmassen der Schrecken der Akazienpflanzer wurde. Unbeabsichtigte Verbreitung fand der bei uns seltener werdende Schwammspinner (Ocneria dispar) in Amerika. Ein gewisser Trouvelet, der >“ sich mit dem Studium der seidenartigen, industriell verwertbaren Produkte der Insektenwelt abgab, nahm aus Frankreich einige Eipolster dieses Spinners mit und setzte die ausgekrochenen Raupen in seinem Garten auf einen Strauch, bedeckt mit einem Gazeschleier, um das Insekt weiter zu züchten. Ein Gewittersturm zerriß in einer Nacht das Gewebe und die entkommenen 4 Raupen verbreiteten sich nun rapid in den Anlagen seiner Heimat Mitford und über die übrigen Teile des Staates Massachusetts. Das massenhafte Auf- treten des Schwammspinners und seine weitere Ausbreitung veranlaßte

über die ganze Erde verbreitet absichtlicher Verbreitung ist die des Sandflohs. Derselbe wurde 1872 im Ballast eines von Rio de Janeiro kommenden Schiffes in Guinea ein- geschleppt und drang schnell erobernd vor. Schon 1875 fand ihn Pechuel- e Lösche 30 Seemeilen von der Küste entfernt, im November bereits 60 Meilen vom Meer am Kongo. Stanley beobachtete ihn schon 20 Seemeilen s von der Ostküste. Vor mehreren Jahren hat er die Durchquerung des =

Veränderungen, welche der Mensch in der Fauna Chiles bewirkt hat ä B: „Vor Ankunft der Spanier war das Guanaco das einzige Tier, aus dessen Wolle die Frauen Kleider verfertigten. Jetzt ist das leichter zu

züchtende Schaf an die Stelle ‚dieses Tieres gie Trugratte und 6

tzt

Rah ah Ar apa ar REEL

2 a a

RI: Se

aus Frankreich mit jungen Apfelbäumchen nach Valparaiso gelangt, sich

massenhaft im Land verbreitete, und verschiedene Schildlausarten, die

ebenfalls auf eingeführten Kulturpflanzen Eingang fanden. Schaben, Flöhe,

Wanzen, Stuben- und Stechfliegen sind dem Menschen nach Chile gefolgt ' und die Haustiere brachten ihre Parasiten mit.

!

In gleicher Weise verdankt Samoa der Zivilisation alle möglichen

schädlichen Errungenschaften. Nach Aussage der ersten Missionäre waren

Moskitos, Fliegen und ähnliches Ungeziefer den Samoanern früher unbekannt.

Jetzt werden sie dort recht unangenehm. Die Moskitos sind als Larven im

Wasser von Schiffen nach der Insel gelangt, die Fliegen haben sich erst

eingefunden, als der Viehstand der deutschen Plantagengesellschaft ge- schaffen war.

Schauinsland hat die wenig bekannte Insel Molokai, die Insel u der Aussätzigen, besucht mit ihrer Leprastation, wo etwa 1000 Leprakranke, von der Welt vollständig abgeschlossen, ihr elendes Dasein fristen. Im Laufe von höchstens 50 Jahren hat hier die ganze Natur der Insel durch denMenschen ein verändertes Aussehen erhalten. Während die alte havaiische Vogelfauna _ immer mehr im Schwinden begriffen ist, haben neueingeführte Arten sich ganz außerordentlich vermehrt, u. a. unser Sperling und vor allem der Meina-

‘führt, sich namentlich auf Oahu so vermehrt hat und ein so unverschämtes

Ei Wesen zur Schau trägt, daß man ihn trotz seines hübschen Äußeren ge-

° radezu haßt.

: Kein Land bietet aber wohl ein sprechenderes Bild von den Ver- änderungen seiner natürlichen Physiognomie durch die eindringende Kultur

Lage eine so außerordentlich eigentümliche Flora und Fauna birgt, daß beide seit der Entdeckung dieser Inseln die Aufmerksamkeit aller Forscher

Maori haben sie ausgerottet, die Europäer trafen bei ihrer Ankunft im 417. Jahrhundert keine solchen mehr vor und die Reste derselben bilden den Stolz des Museums zu Christchurch auf der Südinsel. Zu Cooks Zeiten ‚gab es auf Neuseeland an Säugetieren, abgesehen von Fledermäusen Ruf | ‚eine schwarze Ratte (Mus maorium) und den Maorihund. Erstere w

3

vogel (Airidotheres tristis), der erst vor wenigen Jahren aus Indien einge-

als Neuseeland, ein Gebiet, welches infolge seiner abgeschlossenen

auf sich zogen. Nirgends haben Akklimatisationsversuche so bemerkens-

I

!

en di RT Ba Nr a a A eh er Fra Be cha E EN a 7 2 nah ara en SE ne h + a an Ru ER A ET LLER a

ER ug a I u Eur Alle I

gleich unserer Hausratte von der eingeschleppten Wanderratte verdrängt, für den Maorihund schlug die Stunde der Vernichtung, als er die eingeführten Schafe angriff. Gegenwärtig fehlt auf Neuseeland kein Säugetier, das dem Menschen irgendwie Nutzen oder Vergnügen schaffte. Unsere Generation wird die letzte sein, welche die charakteristischen Formen der ursprüng- lichen Vogelfauna noch in ihrer Eigentümlichkeit zu Gesicht bekommt, gehören doch viele derselben schon jetzt zu den größten Seltenheiten. Schon Finsch klagt, daß man auf Neuseeland mehr den Gesang von Amseln, Stieg- litzen, Hänflingen höre, als den des Predigervogels und des Glockenvogels und war enttäuscht, den Vögeln seiner Heimat hier fast zahlreicher zu be- gegnen, als den erwarteten einheimischen. Das Roden der Urwälder seitens

der Ansiedler, die Wald- und Grasbrände, die eingeführten Ratten, Hunde ; und Katzen sind die Hauptursache des Schwindens der einheimischen Vögel, a

dazu der Mensch, der sie wegen ihres Schadens oder Nutzens oder als ge- schätzte Sammlungsobjekte dezimiert. Der Korimako oder Glockenvogel

(Anthornis melanura), der schon Cook durch seine Stimme entzückte, einst

dort gemein, ist durch die alle zugänglichen Vogelnester ausplündernde Wanderratte fast vollständig vernichtet, desgleichen die neuseeländisc

Wachtel (Coturnix Novae-Zeelandiae) eine der größten Seltenheiten unserer Se

Museen. Der sonderbare Kiwi ist nur mehr auf dicht bewaldete Gegenden der Südinsel beschränkt. Den einheimischen Falkenarten stellt man nach, weil sie Hühner rauben, dem Keapapagei der Südinsel, Nestor notabilis, weil er im Verein mit seinesgleichen mit mächtigem Schnabel die Schafe angreift, der Wekaratte als einem Eierdieb und Vogelräuber, der neusee- x

ländischen Scharbe, weil sie die eingesetzten Karpfen und Forellen fischt.

Stringops habroptilus, der flugunfähige schwere Kakapo, der seine Nester 2 unter Wurzeln und in hohlen Bäumen anlegt, wird samt seiner Brut leicht die Beute von Hunden und Katzen, fällt auch massenhaft den Vergnügungs- reisenden zum Opfer. Die Plünderung der Gärten und Felder veranlaßte auch förmliche Feldzüge gegen gewisse zu Millionen vermehrte Einwanderer, wie die Schweine und Kaninchen.

Auch die Pflanzenwelt eines fremden Landes bleibt mit dem Erscheinen des Kulturmenschen von Veränderungen nicht verschont. Der

vielfach hat der Mensch gedankenlos und in unerklärlicher Verblendung E: mit Feuer und Axt gegen den Wald gewüstet, bloß aus kurzsichtiger Gewinn- sucht. Fruchtbare blühende Länder sind dadurch in sonnenverbrannte Einöden verwandelt worden, und die Nachwelt muß die traurigen Folgen

büßen. Wenige Stämme sind die Reste der einst den ganzen Libanon be- deckenden Zedernwälder, an deren Vernichtung der Mangel jeder Wald- wirtschaft unter türkischer Herrschaft die Schuld trägt. Die Ausdehnung der Prärie zwischen dem antlantischen und pazifischen Waldgebiet nimmt von Jahr zu Jahr zu. Rodungen und Waldbrände, hervorgerufen durch Funken unbeaufsichtigter Lagerfeuer oder vorbeisausender Lokomotiven sind hier die Ursachen der Waldabnahme. Indem aber die Wälder den Stand der Gewässer ordnen, die Schroffheit der Temperaturwechsel mildern, dahin-

liche Folgen der Entwaldung. Unabsichtlich vermehrte der Mensch schon ' inalter Zeit den natürlichen Artenbestand der Flora durch die mit angebauten

Verkehr, namentlich der Eisenbahnverkehr, leistet der Einwanderung von Arten merklichen Vorschub. Was oft spezifisches Eigentum eines Landes scheint, ist Kulturimport. Eine entsetzliche Verarmung unserer Vegetation würde sich ergeben, dächte man sich plötzlich alle nicht einheimischen

Maßstab erfolgten erst seit der Entdeckung Amerikas. Die Geschichte der

Pflanzendecke über den Kopf. Unser Natternkopf hat sich in Amerika zu

gedeiht, das Getreide verdrängt und erstickt. Ähnlich sind Genista tinc

sausenden Winden sich entgegenstellen und die Feuchtigkeit des Bodens wie der Luft regulieren, sind Hochwassergefahr und Dürreperioden natür-

Pflanzen verschwinden, nicht bloß diejenigen, mit denen ein gesteigerter Weltverkehr immer reicher unsere Gärten und Anlagen schmückt, sondern e auch die nicht unbeträchtliche Zahl wildwachsender solcher Pflanzen. Die Zahl der in Deutschland handelsgärtnerisch verwendeten Bäume und Sträucher beträgt nach Drude zwischen 700 und 800, davon sind nur etwa 400 ursprünglich in Deutschland heimisch. Neueinführungen in größerem

Pflanzen unserer Kulturbestände ist ein Abbild der Geschichte der Kultur- 4 völker und ihrer Handelsbeziehungen. Asa Gray’s Handbuch der Botanik der nördlichen Vereinigten Staaten zählt 400 Arten auf, welche Amerika fremd waren. Rund 16 % der jetzigen nordamerikanischen Flora sind Ein- ä wanderer aus Europa. Solche einwandernde Pflanzen gedeihen oft auf fremden Boden in überschwenglicher Zahl und wachsen der ursprünglichen

einer Prachtpflanze, aber auch zu einem bös beleumdeten Unkraut entwickelt. Noch mehr die sogenannte „russische Distel“, Xanthium Spinosum, welche,

Getreide- oder Gartenpflanzen sich von selbst einfindenden Unkräuter, die 4 oft seit Jahrhunderten ansässig und eingebürgert sind. Der gesteigerte

N

in die Präriestaaten der Union mit Leinsaat eingewandert, hier ausgezeichnet e

_ Lebensbedürfnissen oder dem zur Mode gewordenen Sport unseres Kultur-

(Alca impennis), dem Wilhelm Blasius durch eine Geschichte seiner noch er vorhandenen Überreste ein Denkmal gesetzt hat*). ne

Ba 1 a Era al a ET a a tee gr RER Wnaan)

I

toria, Hieracium aurantiacum, Allium vineale und Piaropus crassipes, die

3 Wasserhyazinthe, auf amerikanischem Boden zur Plage geworden. Wir

"haben dagegen eigentlich nur ein einziges Unkraut von weitester Verbreitung aus Nordamerika erhalten, das Erigeron canadense, denn die Wasserpest ist auf ein bescheidenes Maß zurückgedrängt, Oenothera biennis ist mehr Zier- pflanze als Unkraut und Galinsoga parviflora ist südamerikanischer Abkunft. Ceanothus .thyrsiflorus, eine Rhamnee mit schön blauen Blütensträußen, um San Franzisko wachsend, mußte völlig fremden Weg- und Hecken- pflanzen Platz machen und wurde auf den Triften durch die ungemein wuchernde Mariendistel der Mittelmeerländer (Silybum Marianum) ver- drängt, ebenso der Wasserfarn Azolla caroliniana, welcher die Gewässer mit einer smaragdgrünen Decke versah, durch ein afrikanisches. Unkraut Cotula coronipifolia. Schon Darwin klagte bei seinem Besuch auf St. Helena über die großen Veränderungen des Pflanzenwuchses auf dieser Insel, deren Vegetation durch die vielen eingeführten Gewächse einen fast englischen Charakter angenommen habe. Von einheimischen Gewächsen (40 en- demische Phanerogamen) ist im Laufe der Zeit auch noch manches zugrunde gegangen. Pisacia rotundifolia, ein Baum, der noch in einem Exemplar bei Longwood stand, das letzte seiner Art, das 1897 einem Sturm zum Opfer fiel, ist nur noch in den Herbarien zu finden.

Nicht vergessen werden darf als traurige Folge des Kultureinflusses der mehr oder minder radikale Untergang alles freien Landes, der Gärten, | Plätze und Baumanlagen in den sich unheimlich ausbreitenden Großstädten.

“4

Wenn an und für sich die Kultur eines wilden Landes und die Ein- führung ‚unserer Haustiere in dasselbe eine Erschütterung des Gleichge- i wichtes im Tierleben zur Folge hat und die uralte Fauna des Landes dm Andrang der modernen Tierformen auf die Dauer nicht zu widerstehen ver- mag, so trägt doch noch mehr zum raschen Aussterben das systematisch Morden verschiedener Tierarten bei, die den so mannigfach gesteigerten A

ei |

lebens, dem Magen oder der Mode zum Opfer fallen.

Verschwunden durch die grausamen Abschlächtereien der Seefahrer | ist ein Tier, welches die Aufmerksamkeit der Naturforscher in hohem Maße erregt hat, der flugunfähige Geierfugl der Nordländer, der große Alk

) W. Blasius, Der Riesenalk. 1903.

Kein Vogel der Vereinigten Staaten war der Masse der Bevölke bekannter als die sogenannte „wilde Taube“, ein billiges und bege

vorhandenen Wandertauben in wenigen Jahren vernichtet, so daB sie nun an Orten, wo sie einst häufig waren, unbekannt sind. Die Aus- dehnung des Verkehrs, die Eisenbahnen und Telegraphen, haben wesentlich dazu beigetragen, denn sie ermöglichten es dem Menschen, die Tauben in einer Ausdehnung zu verfolgen, wie das zu Audubons Zeiten, der noch ihre mächtigen Züge beobachtet, nicht möglich war. Der Karolinensittich, der einzige Repräsentant seiner Familie in den Vereinigten Staaten, hatte einst eine ganz ausgedehnte Verbreitung von Florida hinauf bis nach Michigan und New - York. Mit der allgemeine ‚Besiedelung der von diesen Vögeln bewohnten Gegenden hat sich dere Zahl beständig immer mehr vermindert. Die Kultur verträgt sich nicht mi diesen Vögeln, ihre Tage sind gezählt. Nirgends macht sich eine auf die Zukunft keine Rücksicht nehmende Sorglosigkeit durch maßlose Verwüstung des Wildstandes mehr geltend als in Nordamerika. Die Verdrängung und Ausrottung des Bison wird mit Recht von Gronen die beschämende Geschichte einer mutwilligen und grausamen Ver- 'wüstung genannt. Es wurde gegen ihn ein förmlicher Vernichtungskampf geführt, wie gegen ein gemeinschädliches Raubtier. Schon 1800 war der Bison östlich vom Mississippi nirgends mehr zu finden. Die Prärien jenseits waren das gelobte Land der amerikanischen und englischen Sportsmen, deren Jagdzüge die Regierung durch Kavallerieeskorten gegen die Angriffe der Indianer schützen ließ. Der Protest der letzteren gegen die Massenvertilgung ihres hauptsächlichen Subsistenzmittels wurde absichtlich ignoriert, weil man mit dem Büffel auch den roten Mann vernichten wollte. Langkavel führt an der Hand von Quellen aus, wie in den einzelnen Staaten von Süden her mit diesem harmlosen Tier aufgeräumt wurde, nur der Haut oder der Zunge oder einzig des Sports wegen. Wo vor etwa 50 Jahren Millionen der Tiere weideten, ist jetzt gar nichts mehr vorhanden. Während der Prärie- büffel als wildes Tier so gut wie ausgerottet ist und nur noch künstlich gehegt wird, lebt er in Kanada im Süden des großen Sklavensees in einer sehr 3 ' schwer zugänglichen Gegend noch in einer als „Waldbison“ bezeichneten Spielart fort, aber auch dieser hat sich schon bedeutend vermindert. 2 n Dem Moostier wie dem Caribou, dem Wapiti wie dem Bergschaf und dem Moschusochsen droht das gleiche Schicksal des Verschwindens. er

In anderen Weltteilen begegnen wir übrigens derselben betrübenden Erscheinung. Die zugemessene Zeit gestattet nicht, davon eingehender zu sprechen und eine Liste der Opfer der Kultur, der in historischer Zeit aus-

ar BE En ZZ a Fan 4 05 Ba Alu et ı SE 208 20 10 ZEN SEE BEE An en ea Den N EN 2 ae I re 1 TR 1 N El a a a 3 ie Da ee Rn F En Hier) Eee GR EN a Bi N VCH a it Nr SEES di ! m Ä r 5 ED Be M RN « ef y 19

gestorbenen Tiere, Ihnen vorzulegen. Ich erinnere nur an das Borkentier, Stellers und den verwandten Lamantin Floridas, an die riesige Dronte von R Mauritius und den Solitär von Bourbon, denen die Riesenstrauße Mada- gaskars, darunter Aepyornis maximus, vorangegangen waren, endlich an die Riesenschildkröten der Galapagos und anderer Inseln, deren unerschöpfliche Fülle sie nicht vor dem Aussterben schützte. Indien darf sich rühmen, daß kein Vertreter seiner Tierwelt im 19. Jahrhundert, ja überhaupt in historischer‘ Zeit, ausgestorben ist, wenn auch die Verbreitung des indischen Löwen und des indischen Rhinoceros sehr stark eingeschränkt worden ist. Dagegen verschwinden namentlich in Südafrika diegroßen Jagdtiere in erschreckender Weise, auch im Norden des Erdteils leiden sie nicht wenig unter der Verfolgung. Vor 300 Jahren lebte das Flußpferd noch in den Kanälen des Nildeltas, Mitte vorigen Jahr- hunderts noch in Nubien, heute ist es weit über Chartum hinaus bis in die südlichsten Nilgegenden zurückgedrängt. Das Nashorn wird seiner Hörner 5 3% (es hat bekanntlich zwei) wegen verfolgt, die einen Handelsartikel von ziem- lichem Wert-bilden. Schillings zählte einmal auf seinen Jagdzügen in Deutsch- ostafrika auf kleinem Umkreis 22 Kadaver dieser Tiere, die von Erwerbs- jägern der Hörner beraubt und liegen gelassen waren. Kaplöwe und Hyäne haben nur in menschenleeren Gegenden ihr Wohngebiet behauptet. Der südafrikanische Blaubock, eine pferdegroße Antilope, ist schon seit 1799 ausgerottet, Bunt- und Bläßbock, Gnu und Zebra gehen mit raschen Schritten ihrer Austilgung entgegen. Die Quappas verschwanden im Kappland zwischen 1865 und 1870, am Oranjefluß, ihrem letzten Zufluchtsort, im Jahre 1873. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts traf man sie noch zu Tausenden. Ihre Ausrottung ist auf die Jagd nach ihren Fellen zurückzuführen, die Schuld trifft hier die biederen Buren, welche aus der Haut vortreffliche Mehl- Bi säcke fertigten. Und das war ein Tier, welches im Kulturleben seiner Heimat- x länder noch eine Rolle hätte spielen können, da es sich, jung eingefangen, zähmen ließ, widerstandsfähig gegen den Stich der Tsetsefliege war und vor- | aussichtlich eine Kreuzung mit dem Pferd eine für Afrika höchst schätzbare er Rasse ergeben haben würde. Was davon übrig ist, sind eine Anzahl aus- gestopfter Häute, Schädel und Skelette. ; In der Verfolgung eines der interessantesten Tiere, der jedes Ver teidigungsmittels entbehrenden Giraffe, sind Eingeborene wie Weiße nd gleich tätig. Noch zur Römerzeit war der schwarze Erdteil bis an das Mitte- meer von Elefanten belebt. Das Verschwinden derselben aus Lybien im 4. Jahrhundert mag schon durch massenhafte Verwendung bei den Spielen und Tierkämpfen zu Rom bedingt gewesen sein, aber auch schon die alten | Ägypter, Griechen und Römer haben den Stoßzähnen einen sehr hohen Wert

ET EEE RE ZET,

beigelegt. Seit undenklichen Zeiten wird daher den Elefanten in systematischer und gefährlicher Weise nachgestellt; selbst die friedfertigsten Volksstämme treten dem Elefanten wie den anderen Dickhäutern feindlich gegenüber, wegen des Schadens, den sie in den Pflanzungen anrichten. Bereits Ende des vorigen Jahrhunderts ist der Elefant in der Kapkolonie ausgerottet worden und in Natal befinden sich nach Angabe Alfred Kaisers nur noch einige durch Gouvernementsvorschriften geschützte Exemplare dieses Riesen- tieres. Das zusammenhängende Gebiet des Vorkommens reicht jetzt nur noch vom südlichen Wendekreis bis zum 13.0 n. Br. Man schätzt in der Jetzt- zeit das Gewicht des durchschnittlich pro Jahr nach Europa und Indien ausgeführten Elfenbeines auf zirka 774 000 kg. im Wert von nicht weniger

' als 15—20 Millionen Franken. Dazu mußten etwa 50 000 Elefanten erlegt

werden. Ein großer Teil des Elfenbeines ist indessen sogenanntes „totes‘“, aus früheren Zeiten stammend, im Boden aufgefunden. Für unsere Schutz-

gebiete läßt sich vorläufig nur eine stetige Abnahme der Elfenbeinausfuhr

feststellen. Den Känguruhsin Australien droht die Gefahr, ausgerottet zu werden, da man ihnen das Gras mißgönnt, welches die riesigen Schaf- herden am Leben zu erhalten bestimmt ist. Außerdem bringt auch eine amüsante Treibjagd auf diese Tiere Gewinn, da die Häute namentlich junger Tiere ein wertvolles Leder liefern. Auch nach Alligatorleder ist von seiten der Industrie so lebhafte Nachfrage, daß diese Tiere in der Union das Ziel eifriger Nachstellung bilden und in nicht allzuferner Zeit der Ausrottung anheimfallen werden. Für das Gebirgsland des Kaukasus konstatiert Radde gleichfalls die Einengung und Ausrottung der einheimischen Tierwelt durch die vordringende Kultur. Immer mehr schwinden die Wohnplätze des durch Großfürst Sergius gehegten Wisent in den schwerzugänglichen Hochtälern zusammen, im Quellgebiet des Kuban ist der Bestand auf 300—600 Stück zusammengeschmolzen. Eine Antilope, Gazella subgutturosa, die noch vor 30 Jahren bis in die Gegend von Tiflis vorkam und dort alle Winter auf den Markt Wildbret lieferte, ist von der Eisenbahn verscheucht, weit abwärts

. im Kurathal nach Osten verzogen und so nimmt noch manches andere seltene ' Tier dort ab.

Unsere Meeressäugetiere sind nach den Ausführungen

Palackys im Aussterben begriffen, namentlich die Walfische, die Riesen des

Ozeans, gehen der sicheren Vernichtung entgegen. Marschall gibt an, daß innerhalb 30 Jahren (1850—1880) nicht weniger als 292 744 dieser harm-

.„ losen Ungetüme getötet wurden, dabei bringen sie aber nie mehr als ein

junges, und das nicht alle Jahre, zur Welt. Der Bartenwalfang liefert immer schlechtere Resultate, und die Pottwale haben sich wenigstens auf die Hälfte, ® vielleicht bis auf ein Viertel ihrer Zahl vor 40 Jahren vermindert. Furchtbar

ln a a le a a r

tus 2 ae he % 7 Ya * Nr N

a na eh id Bu SRRRERNN RATE MEER. % n i

sind die Verwüstungen, welche die Robbenschläger anrichten. Lüdken erzählt, daß 1803 auf Unalaschka 800 000 Seehundsfelle angebracht worden seien, von denen man aber, man höre, um den Preis nicht zu drücken, 700 000 wieder verbrannte. Ähnlich verfuhr man mit den Seelöwen auf den Kergu- elen, und die Elefantenrobbe, welche noch in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr häufig war, ist gänzlich ausgerottet. Die Zahl der See- löwen an der kalifornischen Küste wurde auf etwa 30 000 geschätzt. Da sie angeblich den Lachsfang empfindlich schädigen sollten, was nachgewiesener- maßen unbegründet ist, wurde beschlossen, 10 000 von den Tieren abzu- schießen; die Zahl 30 000 ist aber wohl weit überschätzt und so dürfte ein so wildes Schlachten und Morden mit den Tieren zugleich enden.

Ganz besonders trifft das Los systematischer Vernichtung die pelz- Be tragenden Säugetiere und die zu Putzwerk tauglichen Vögel. In Sibirien geht die Ausrottung der Pelztiere mit solcher Schnelligkeit vor sich, daß in ganzen Gebieten die Pelztierjagd hat aufgegeben werden müssen. Das Aussterben des Seeotters ist bei der hohen Bewertung seines Pelzwerkes und der unvernünftigen Ausnützung der ergiebigen Jagdgründe in naher Zeit zu erwarten. Bewohnte Küsten meidend hat er sich auf de schwimmenden Tangmassen des offenen Meeres zurückgezogen. Hier mag er sein Dasein noch einige Zeit fristen, aber die Zeit, wo die Fischer der Aleuten hauptsächlich vom Seeotterfang leben konnten, ist längst vorüber. % Auch die für den Pelzhandel viel wichtigere Bärenrobbe nimmt, nachdem die zu ihrem Schutz getroffenen Maßnahmen nicht zum Ziel geführt haben, in erschreckender Weise ab, desgleichen der nordatlantische Seehund, dessen

befindlichen Speckschicht erfolgt. Die zierlichen Wollmäuse oder Chin- chillas der südamerikanischen Anden liefern ein so feines graues Pelzwerk, _ daß man daran ist, Schutzgesetze zu fordern, denn wenn die Mode sich nicht von diesem Pelzwerk abwendet, sind die Tiere dem Untergang geweih N, 1900 wurden gegen 695 000 Felle im Wert von 2 Millionen Piastern au geführt Die Anzahl der bei einer einzigen Versteigerung auf dem Markt ge- worfenen Pelze und Felle von solchen Tieren, deren Haare beispielsweise zur Pinselfabrikation verwendet werden, geht ins Ungeheuerliche. Von hochgeschätzter Seite sind mir statistische Angaben zur Verfügung gestellt worden, welche das in schreiender Weise bestätigen. Die Zeit gestattet . nicht darauf einzugehen und ich darf vielleicht die Bitte an meinen hoch

En Be a BT EN FR

Fr

verehrten Freund richten, ihnen einmal selbst darüber zu referieren, umso- mehr, als er nicht meiner Ansicht ist und eine vermehrte Einfuhr nicht der gesteigerten Nachfrage und Nachstellung, sondern der tatsächlichen Ver- mehrung der betreffenden Tiere zuschreibt.

London ist der Hauptmarkt für Vogelbälge und Federn für ganz Europa. Nach Hartlaub kamen bei einer 1887 daselbst abgehaltenen Auktion zur Versteigerung: 6000 Paradiesvögel, 5000 Lady Impeyfasanen, 360 000 assortierte indische Vogelbälge und 400 000 Kolibris. Händler haben sich in den Kolibriländern niedergelassen, um Massen von diesen Vögeln zu er- werben, und die Indianer lernten nur zu bald die Kunst des Fanges und der Konservierung. Nach Chernel wurden im Lauf von 25 Jahren 3000 Millionen Kolibris nach Europa ausgeführt. Vordermann sah in Makassar in mehreren

- Handelshäusern Kisten voll Vogelbälge, u. a. von’ Krontauben, die in Neu- guinea aufgekauft waren. Marabus, Reiher, Paradiesvögel, Häher, Pirole

_ und Pelikane müssen ihrer Federn halber ihr Leben in großer Zahl lassen. Letztere namentlich werden zur Mauserzeit aufs äußerste verfolgt und man

%

- fängt oft in einer Nacht 1000-2000 Stück, der grauen Federn an den Flügeln ' und der schwarzen Schwingen wegen. Die Vernichtung derSilberreiher - schreitet durch den von der herrschenden Mode veranlaßten Verbrauch der Schmuckfedern dieser Vögel unaufhaltsam fort. In Florida, Nord- und Süd- carolina, an den Mündungen der amerikanischen Flüsse, wo sie früher häufig waren, sind sie vollständig ausgerottet. Auch in ganz Europa und dem nörd-

lichen Afrika sind sie der Vernichtung preisgegeben, wenn nicht Gesetze zu

"ihrem Schutz erlassen werden. Die Verfolgung der Reiher bildet einen eigenen

Industriezweig, der in gewissen Gebieten einigen Unternehmern in der 2—3 Monate dauernden Jagdzeit reichsten Gewinn einbringt. Aber mancher

E Damenschmuck ist mit: Menschenleben erkauft, denn Gefahren aller Art drohen den Jägern, welche den Markt mit Reiherfedern versehen; die

meisten Opfer fordern die Miasmen der sumpfigen Aufenthaltsorte der Reiher. Möven und Seeschwalben werden zu tausenden als Hut-

schmuck verwendet. 1895 brachte nach der Deutschen Jägerzeitung eines _

der von der Petschora kommenden Dampfschiffe 192 Zentner. Flügel von Schneehühnern mit, die für den gleichen Zweck verarbeitet werden.

In unserem eigenen Vaterland vollzieht sich die Veränderung des

© Naturbildes in nicht geringem Umfang. Deutschland hat heute nur noch . den kleineren Teil derjenigen Säugetiere, die es einstmals bewohnten. Die

be Jagdtiere der Urbewohner unseres Landes a solche, die noch bis in das

reke er a ERE ae e ; Berg

späte Mittelalter die Wälder Deutschlands bevölkerten, sind heute ausge- storben, nicht bloß infolge veränderter klimatischer Bedingungen, sondern wohl wesentlich, mittelbar oder unmittelbar, infolge der Ausbreitung des Menschen und der damit vordringenden Kultur. Dadurch, daß sich der weit- aus größte Teil des Landes mit einer „Kultursteppe“ überzog, wurden zahl- reichen Geschöpfen die Existenzbedingungen entzogen und der Mensch be- schleunigte die Vernichtungsarbeit, indem er nicht nur die schädlichen Tiere ausrottete, sondern auch den Bestand auserlesener Jagdtiere in einer Weise lichtete, daß ihr Aussterben unvermeidlich blieb. Während das Mammuth, das wollhaarige Rhinoceros, der Höhlenbär, der gewaltige Riesenhirsch und der langhörnige Urstier ausgestorben sind, haben sich andere Tiere wohl aus den gleichen Ursachen aus unseren Gegenden zurückgezogen, wie das Renntier, auf welches sich Cäsars Beschreibung eines hirschartigen Tieres in der Hercynia silva bezieht, in den hohen Norden, das Elen, der „grimme Schelch“ des Nibelungenliedes, das sich nach Rußland, Finnland und Schweden zurückgezogen hat und in Ostpreußen im Ibenhorster Forst bei Memel noch in wenigen Exemplaren künstlich ezi

Wald in Lithauen und im Kaukasus sein Leben fristet. Der Biber, der in zahlreichen Flüssen seine kunstvollen Bauten ausgeführt hat, führt unter menschlichem Schutz noch ein kümmerliches Dasein an der Elbe bei Magdeburg. Von den Vögeln ist der Waldrapp total ver schwunden, der einst auch bei uns in Bayern auf hohen Felsen bei Passau ® und Kelheim vorkam. Bären, Luchse, Wölfe, selbst Edelhirsch und Wild- schwein haben eine große Beschränkung ihrer Standorte und in der Zahl der Individuen erfahren. Nur Schonung und Hegung schützt noch Steinbock und Gemse, das Reh und den Hasen, unsere Wald- und Feldhühner. Kröten, Nattern, Blindschleichen, Fledermäuse werden das Opfer unerzogenen Widerwillens oder des Aberglaubens. E

Die bedeutende Abnahme unserer Singvögel inde Neuzeit schiebt man gerne der eingewurzelten Leidenschaft des Vogelmordes der Südländer zu, gegen welche selbst internationale Vereinbarungen nicht anzukämpfen vermögen. Wie v. Berlepsch sich jüngst überzeugte, blüht der 'Vogelfang in Oberitalien heute noch wie vordem, ja er wird mit vermehrten und vervollkommneten Fangwerkzeugen noch intensiver betrieben, aber

en Fi n.e* Dr

ER

A

& ze

bemerkt als um Rudolstadt, und auf dem Thüringerwald wurde die Vogel-

ra Fe ea N

BE

stellerei fast nur zu kulinarischen Zwecken betrieben. Auf Helgoland wurden wenigstens früher in den Monaten August und September, wo der Zug be- ginnt, täglich 2—3000, also in einem Monat an 70 000 nützliche Sänger ge- fangen und in den verschiedenen Restaurationen der Insel verspeist. Nach Rohweder ist jetzt der Vogelzug über Helgoland oder besser gesagt die Zahl derjenigen Vögel, die sich dabei zur Rast auf der Insel niederlassen, ganz bedeutend zurückgegangen, man nimmt an, infolge einer Veränderung der

vorherrschenden Windrichtung und Anziehung der Vögel durch die stärkeren.

Leuchtfeuer der ostfriesischen Inseln. Den Rückgang im Ertrag des Vogel- fanges mögen nebenbei auch andere Umstände verschulden, das Verbot des Vogelfanges durch Personen unter 15 Jahren, die Verkleinerung des Fang- gebietes im. Oberland durch die Festungswerke, deren nächsteUmgebung nicht betreten werden darf und die Beunruhigung der Insel durch Flotten manöver etc. Der ganzen Ostseeküste entlang wird der Drosselfang mittelst Dohnen in großem Maßstab betrieben. Unsere herrlichsten Sänger fallen den trügerischen roten Beeren zum Opfer. 60 Prozent und mehr der gefangenen Drosseln sind aber Singdrosseln, während der eigentliche Krammetsvogel, die Wacholderdrossel, meist gänzlich fehlt. Noch immer werden in einzelnen Ländern, besserer Einsicht zum Trotz, Schußprämien für die Vertilgung

. nützlicher Raubvögel bewilligt. Hermann weist im Aquila mit Recht auf die .

Kalamität hin, daß von manchen ornithologischen Liebhabern ganze Serien _ gewisser Vogelarten gesammelt werden, ohne wissenschaftliche Ausnutzung zu erfahren, wie durch Händler große Vorräte an Eiern und Vogelbälgen für den Handel aufgestapelt werden. Es wäre aber eine völlige Verkennung der Tatsachen, wollte man die Hauptursache der Verminderung unserer Vogelwelt in der direkten Ver- folgung durch den Menschen allein suchen, noch weit mehr ist die Ursache

BERER

a,

der Abnahme unserer Vögel, namentlich der größeren Raubvögel, die :

unaufhaltsam fortschreitende Kultur, in der sie einen Feind ' besitzen, dem sie mit unabweisbarer Notwendigkeit weichen müssen, weil

- Liebe hat in bahnbrechender Weise für Ostthüringen den Wechsel im Bestand

dem Schluß, daß der Einfluß der vorschreitenden Kulturweise im Wald

stände so bedeutend überwiege, daß letztere nur als Nebenumstände von

günstige Gegenwirkungen für andere Arten im Gefolge haben.

erihnen die Existenz unmöglich macht. Alex. v. Homeyer war es, der zuerst en 5 3 darauf hingewiesen hat. Der bekannte Thüringer Geologe und Ornithologe

der Brutvögel auf seine natürlichen Ursachen hin untersucht und kommt zu und Feld, Wiesen- und Gartenland in seiner Wirksamkeit alle andern Um-

geringer Bedeutung zu betrachten sind. Dabei darf allerdings nicht vergessen e ‚werden, daß die manche Spezies verdrängenden Veränderungen natürliche

a

a IR

a

2 Der . wird durch die Entwässerung und Urbarmachung der

Abholzungen, überhaupt die moderne Waldwirtschaft, welche alle überständigen, ausgehöhlten Bäume aus dem Revier der Axt über- gibt und das Unterholz entfernt, bringt zahlreiche Vögel um ihre Zufluchts- stätten und beraubt die Höhlenbrüter zahlreicher Brutplätze. Das Ab- schlagen freistehender alter Bäume raubt den Bussarden und Eulen die hohen Warten, von denen aus sie die Felder überwacht haben. Die Spechte sind insbesondere an alte überständige Bäume gebunden, die ihnen Nahrung und Nisthöhlen bieten. Der Specht ist aber sehr vorsichtig bei Auswahl seines Nistplatzes, zimmert im Frühjahr wohl 4—8 Nisthöhlen und wählt schließlich die versteckteste aus, während die übrigen anderen Höhlenbrütern zugute kommen. So bedingt eine Auswanderung der Spechte zugleich ein Zurück- gehen anderer Vögel, wie der nützlichen Meisen, der Hohltauben, Mandel- krähen usw. 2 E

Im landwirtschaftlichen Betrieb ist eine vollkommene Veränderung eingetreten durch das Aufhören der Dreifelderwirtschaft, wodurch den Feldvögeln weniger gesicherte und geeignete Brutplätze ver- ; bleiben. Jede mögliche Bodenstrecke wird urbar gemacht, Viehweiden und Buschwerk mit bestandenen Ödländereien werden in Frucht- und Ackerland umgewandelt und damit der Brachpieper und der Triel vertrieben. Weil & man jedes Fleckchen ausnützen will, werden die Büsche an Wegen und Rainen, & Hecken zur Einfriedung der Felder gerodet, frei im Feld stehende alte Obst- bäume zu Brennholz verarbeitet. Dornhecken und Feldgebüsche aber, die der Landwirt für überflüssig hält, sind die Aufenthaltsorte und Geburts- stätten von Igeln, Wieseln, Spitzmäusen und. vielen insektenfressenden Vögeln, die nun vertrieben und ausgerottet sind. Indem nun diesen Ver- tilgern schädlichen Ungeziefers der Aufenthalt unmöglich gemacht wird, muß letzteres immer mehr überhand nehmen. Mäuseplagen und Frost- schäden in unseren Wäldern, wie Nonnenfraß etc. sind daher häufig, Kunst- produkte des Kulturmenschen. Die gesteigerte Ausnutzung des Graswuchses, das Abmähen der Raine und Abhänge im Herbst läßt von hochstengeligen ©

Sümpfen und Wiesen, Fluß- und Bachregulierungen unter Be- seitigung von Überschwemmungsflächen, Verminderung der Rohrdickichte durch Dammbauten, die Abmähung der Teichstreu, des für die Tiere nament- lich im ersten Frühjahr so notwendigen trockenen Schilfs sind die Ursachen des Seltenerwerdens oder Verschwindens vieler Sumpf- und Wasservögel, der Regenpfeifer und Wasserläufer, der schnepfen- und entenartigen hi

strecken immer mehr zurückgedrängt. Für den Kibitz, der schon genug von den Krähen als Nestplünderern und den Eiersuchern ‘zu leiden hat, welche ungeheuer viele Bruten zum Schaden für den Feld- und Wiesenbau zerstören, ist die Entfernung und Drainierung glücklicherweise nicht so nachteilig, da er auf trockenen Stellen brütet und sich auf den Acker- feldern ganz wohl fühlt, wenn nur flache Wiesengruben oder schilflose

Teichuferin der Nähe sind.

Die Verunreinigung der Gewässer durch Abgänge aus Fabriken und sonstige schmutzige Zuflüsse vertreiben zwei Zierden unserer

Vogelwelt, den Eisvogel und den Wasserstar, die beide schon als dekretierte

Feinde der Fischzüchter im Sonderinteresse derselben der Verfolgung unter-

liegen und ist zugleich die Hauptursache der Fischentvölkerung unserer

Wasserläufe.. Das Einebnen alter Steinbrüche, die Verwertung der

aus vom Feld gelesenen Steinen gebildeten Halden zur Abgrenzung der

Felder als Straßenmaterial rauben dem interessanten Steinschmätzer einen Bıutplatz nach dem andern. Die fortschreitende Bevölkerungszunahme, Erweiterung der Ortschaften, Ausdehnung der Industrie und des Eisenbahn- netzes, der zunehmende Lärm und Rauch vertreiben zahlreiche Vögel von ihren Heimstätten.

Buxbaum hat in Raunheim, einer Station der linksmainischen Ludwigsbahn Ermittlungen gepflogen bezüglich der durch die Tele- graphendrähte veranlaßten Opfer. Tausende von Vögeln stoßen sich an den Drähten zu Tod oder geraten verwundet in die Zähne und Klauen des Raubzeugs. Hart verfolgt sind alle Vögel dieser Gefahr ausgesetzt. Manche aber gefährdet schon die Art ihres Fluges, welche eine augenblick-

liche Änderung der Flugrichtung erschwert, wie die Stephühner und Wachteln,

elektrische Licht in Amerika unter den Zugvögeln anrichiet, : fol-; 3 es mit:

die gerade in der Höhe der Telegraphendrähte zu fliegen gewohnt sind. Steppenhühner sind massenweise dadurch zugrunde gegangen. Auch viele Sumpfvögel, die Lerchen und Pieper, welche zur Nachtzeit wandern, sowie die Segler bei ihren Spielen, fallen häufig zum Opfer. Nach Buxbaum sind

auf der 4 km langen Strecke Raunheim—Kelsterbach, wo sich eine Tele-. E graphenleitung mit 14 Drähten befindet, in einem Frühjahr über 500 Stück ° Staare, Drosseln, Lerchen, Ammern etc. tot aufgefunden worden und viele mögen sich außerdem beschädigt haben und vielleicht noch in den Wald

entkommen oder das Opfer von Katzen geworden sein. Ein sehr bedeutender

englischer Grund- und Jagdbesitzer hat, um seine Fasanen zu schützen, auf eigene Kosten eine durchlaufende Telegraphenlinie um die Grenze seiner

Besitzung herumverlegt. Gronen teilt über die Verwüstungen, welche das

ET TEN ae, A EB RA FE We en A NE N A a ee PR VO A h] Neu RE ON RD Air: ar A a a SE 3 Sr Br ar er ie RR

Per le ne ns ee ne Pr ig ' 17

„Eine gemischte und bunte Gesellschaft versammelt sich des Nachts hoch oben in der Luft bei den elektrischen Lichtern auf den Türmen und um- schwärmt die sie mit magischer Gewalt anziehenden Lichter. Ängstlich und halb betäubt schwirren die Vögel rund um den Lichtkreis, der ihnen die Nacht als Tag erkennen läßt, fliegen im Taumel mit voller Wucht gegen die Lampen und kommen den elektrischen Drähten zu nahe; in beiden Fällen ist es um sie geschehen. Die herabfallenden Vögel werden eine Beute lauernder Katzen oder in regnerischen Nächten in die Abzugskanäle gespült, so daß man verhältnismäßig nur ‚wenige Vogelleichen unter den Türmen findet. Gronen schätzt die Zahl der Opfer einer einzigen Nacht in einer größeren Stadt auf mindestens 1000. Nur auf den Sperling, der am ehesten zu ent- behren wäre, übt das Licht nicht die geringste Anziehungskraft aus, er will vernünftigerweise nachts seine Ruhe haben, er gehört nicht zu den ver- blendeten Nachtschwärmern.

Die Leuchttürme sind natürlich auch gefährliche Feinde der Zugvögel. Davon weiß Gaetke zu erzählen, der bekannte Vogelwart auf Helgoland. R. Blasius hat die Arten und Zahlen der an 40 deutschen Leucht- türmen im Zeitraum von 1885—1894 angeflogenen und umgekommenen Vögel zusammengestellt und dabei gefunden, daß nicht weniger als 700 Vogel- e arten, die nachts zu wandern pflegen, regelmäßig an die Leuchttürme anfliegn und dabei verunglücken. Die Zahl ergibt sich für diesen Zeitraum zu mindes- tens 12 737. Voran stehen die Lerchen und Staare. Es scheint nicht, daß sich die Zugvögel mit der Zeit an die Leuchttürme gewöhnen, denn es hat sich eine merkliche Verminderung der Opfer in den letzten Jahren nicht gezeigt.

Die meisten Tiere sind entschieden Kulturflüchter, verhalten sich derselben gegenüber durchaus ablehnend; für sie, die Unbeugsamen, gibt es keine Rettung, aber manche andere, namentlich kleine Vogelarten, ar sindkulturfreundlicheTiere, wissen sich oft in auffälliger Weise 3 den Verhältnissen, welche die Kultur geschaffen hat, anzubequemen, sie r

folgen dem Menschen und seinen Kulturbestrebungen. Genügsam und akkomodationsfähig ändern sie ihre Lebensgewohnheiten, lassen sich schließ- lich sogar zu Absonderlichkeiten veranlassen. - i

Die veränderte Bodenkultur trieb die Wildenten auf Bäume undn

Krähennester, der neue Forstbetrieb veranlaßt Meisen in Mauslöcher u _ bauen, lehrte Staare und andere Höhlenbrüter angebotene Nistkästen nm . Mehmen, treibt Waldkäuze in leere Raubvogelnester, die Dohlen von ihren Waldplätzen auf die Kirchtürme. Der Rohrsänger, Calamoherpe arundinacea, dessen Aufenthalts- ort sonst Rohrdickichte am Wasser bilden und dessen Nest im Rohr über dem Wasser steht, hat sich, nachdem diese Rohrdickichte am Main bei Frankfurt

nn an Hi a nannte ter 1 dm a - _ m, 2aaik Mc ae

| |

mer

durch Dammbauten sparsam geworden sind, und durch die Leinen der Schleppschiffe das Wasser in heftige Bewegung versetzt wird, in die benach- barten Gärten gezogen und das Rohr mit dem Gebüsch vertauscht. Er hat sich rings um die Promenaden verbreitet, ein Wechsel der Gewohnheit, welcher auch anderwärts beobachtet wurde und zu welchem er durch die Kulturverhältnisse gezwungen war, wollte er die Gegend nicht ganz ver- lassen. Ebenso nistet derselbe in der Karlsaue bei Kassel in einer ganzen Anzahl von Paaren im Gebüsch, nicht nur in der Nähe des Wassers, sondern auch an Örtlichkeiten, wo man nie einen „Rohrsänger‘“ vermuten sollte. Hier haben wir die Anbequemung an einen anderen Aufenthaltsort. Die samoanische Taube (Didunculus strigirostris) wurde früher, da sie auf dem Boden nistete, durch die Katzen fast ausgerottet, bis sie durch die Erfahrung lernte, ihr Nest auf Bäumen anzulegen und daselbst Nacht- ruhe zu halten; seitdem hat sich die Zahl allmählich wieder vermehrt. Die Ringeltaube schließt sich der Kultur an und brütet jetzt mehr als früher in Parkanlagen und Friedhöfen, z. B. von Paris, ja inmitten von Ort- schaften und Städten selbst in belebten Teilen. In Görlitz fand man ihr Nest sogar auf einer Dachrinne. Im Tiergarten zu Berlin suchen die Ringel- tauben in der Nähe der Spazierwege ihr Futter. Dort häben sich seit etwa 47 Jahren auch die Wildenten angesiedelt, zuerst nur in einzelnen Paaren, während jetzt die Gewässer dieses Parkes mit ungezählten Schaaren bedeckt sind, die wie zahme Enten aus dem Wasser herauskommen, um sich füttern zu lassen. Im Herbst und Winter beleben sie alle Wasserläufe Berlins. Auch in angrenzenden Parks, wie im Monbijoupark, im Mittelpunkt der Stadt, nisten sie. Ein fröhliches Vogelleben, hier durch die Kultur geschützt, nicht verdrängt, entwickelt sich zur Winterszeit auf der Alster bei Hamburg, wo viele Vögel ohne Sorge und Gefahr die kalte Jahreszeit in Ruhe verbringen. Hocke teilt Beobachtungen über den Nahrungswechsel ge- wisser Vögel in der Großstadt mit. Die Nebelkrähe lebt in Berlin Monate lang ausschließlich vom Fleisch der Sperlinge, auf welche sie ihren Raubzug beim Grauen des Morgens unternimmt. Steigt die Sonne höher und wirdes in den Straßen belebter, so ziehen sich die Krähen in die Gärten und Anlagen, um hier nach Vogelnestern zu spähen. Auch die Dohle soll in Berlin fast ”° rein fleischfressend geworden sein. Sagt man doch auch von der Amsel, sie sei mit ihrer Annäherung an den Menschen entartet. Während sie sonst das abgefallene Laub im Wald nach Larven und Käfern durchsuchte und mit dem kleinsten Fang zufrieden war, sucht sie jetzt auf den Höfen in Aschen- kästen nach Fleischabfällen. Man sagt, daß vor ihnen wie vor den Staaren auch junge Vögel nicht sicher wären. Sonst mit Mißtrauen dem Menschen ausweichend, haben sich Staare und Amseln an das Getriebe der Großstadt 4

er

e . geworden

A an BURN er n PER Pe ae E or

und den Lärm der Eisenbahnzüge gewöhnt und zeigen sich in den Gärten selbst der innersten Stadtteile. Auch Distant teilt Beispiele solchen Nahrungs- wechsels mit. Pferde wie Rinder gewöhnen sich sehr schnell an Fischnahrung. Die Shetlandponys sind gewohnt, mit Fischen ernährt zu werden. Eine Herde von 180 Stück, in die Vereinigten Staaten gebracht, verschmähte das gewöhnliche Pferdefutter, nur allmählich konnte man ihnen die Fleisch- kost wieder abgewöhnen, aber die Vorliebe erhielt sich selbst bei den Nach- kommen, die einen Fisch, den man ihnen darbot, begierig verzehrten. Auf den Galapagos leben die dort eingeführten Katzen auf den rauhen Lava- felsen der Küste von Krabben und Fischen, während sie sich auf Alaska von den überall umherliegenden Seehundresten nähren, was eine Verkürzung der Körper- und Schwanzlänge, Dickleibigkeit und völlige Veränderung der Stimme mit sich brachte. Vie] seltner ist der Übergang von Fleischkost zur Pflanzennahrung, was sich leicht durch die größeren Ansprüche erklären läßt, welche die letztere an den Verdauungsapparat erhebt. Doch ist in manchen Gegenden Amerikas die animalische Nahrung der eingeführten Hunde völlig in die vegetabilische übergegangen; in der Provinz Rio de Janeiro haben sie sich wie auch anderwärts so an Pflanzenkost gewöhnt, Gap sie nach Lang- kavel den Maultieren den Mais wegfraßen und die Zuch schädigten Als ein anderes Beispiel von Nahrungswechsel, zu welchem die Kultur nicht nötigte, wohl aber verführte, mag schließlich erwähnt werden, wieder Kea-Nestor (Nestor notabilis) Neuseelands aus einem fruchtfressenden Papagei ein echter Raubvogel geworden ist. Indem er an dem Fell und Fleisch geschlachteter Schafe picken lernte, welche um die Stationen und Höfe herumlagen, hat der Vogel tatsächlich die Kunst erworben, Schafe zu töten. Ja so sehr hat sich diese Fähigkeit bei ihm entwickelt, daß große Striche der Gebirgsgegenden im Innern der Südinsel nun für Schafe unbewohnbar sind. Er hat einen geschickten Anwalt gefunden, der mildernde Umstän für den Kea entdeckte. Auf Neuseeland wächst eine Verwandte des Edel- weiß, Raoulia eximia, von den englischen Ansiedlern das „vegetabilische Schaf‘ genannt, denn sie ist ganz mit weißer Wolle bedeckt und besitzt ein moospolsterartiges Wachstum. Von den Früchten dieser Pflanze soll sich der Kea genährt haben und nach Einführung der Schafe einem leicht- verständlichen Mißverständnis zum Opfer gefallen sein; er habe sich auf einen Hammel gesetzt, den er für seine gewohnte Nahrungspflanze hielt und vergeblich in der Wolle herumgehackt, um die süßen Samen zu finden, viel- leicht um so heftiger, als der vermeintliche Strauch Miene machte, davon zu laufen. Dabei fand er zum Ersatz für die gesunden Früchte wohl- schmeckendes Blut und Fett und sei so in aller Unschuld zum Raubvogel

BEN ea

Es dürfte noch am Platze sein, hier etwas von denMißerfolgen

"zu sprechen, welche der Kulturmensch bei Einführungen europäischer Tiere und Pflanzen in andere Erdteile zu verzeichnen hatte. Wichtig und interessant ist in dieser Beziehung eine Arbeit von Palmer, welche die Ge- fahren ‘der Einschleppung schädlicher Säugetiere und Vögel durch zahl- reiche Beispiele illustriert.

Noch im Anfang des 16. Jahrhunderts soll die Insel St. Helena mit B dichtem Wald bedeckt gewesen sein, heute wird sie als unfruchtbare felsige

Wüste beschrieben. Es waren die von den Portugiesen 1513 eingeführten Ziegen, welche ins Ungeheuerliche sich vermehrend, so schnell die Zerstörung der Wälder hervorbrachten. Am bekanntesten ist wohl die Geschichte mit dem Sperling. Nachdem die Ansiedler Australiens ihre schönen ein- heimischen Finkenarten aus Unverstand und Vorurteil stellenweise mit Waffen und Gift ausgerottet oder wenigstens arg vermindert hatten, suchten sie Abhilfe gegen die auftretende Insektenplage durch Einbürgerung des Sperlings. Mit Begeisterung aufgenommen, mußte er nach wenigen Jahr- zehnten wieder zur Ausrottung verurteilt werden, denn unter den günstigen klimatischen Verhältnissen hatte er sich zu Millionen vermehrt. Auch in Nordamerika, wohin die Ackerbauer unseren Spatz verpflanzten, verdrängte derselbe die schönen und nützlichen einheimischen Arten. Nachdem er den Mississippi, der eine Zeitlang eine Barre für seine Verbreitung zu sein schien,

überschritten hatte, rief man nicht nur nach Aufhebung der zu seinem Schutze :

erlassenen Gesetze, sondern verlangte Maßregeln zu seiner Vertilgung von

Bundes wegen. Das gleiche war in Algier, Tunis und um Buenos Ayres

der Fall.

Die Kaninchenplage Australiens ist ebenso bekannt. Bei Mel- bourne um 1864 in Freiheit gesetzt, hatten sich dieselben 1878 über Viktoria und den Murray hinaus ausgebreitet. Millionen wurden für ihre Vertilgung ausgegeben, Katzen und andere Raubtiere eingeführt, die in einigen Gegen- den noch zu einer größeren Plage heranreiften, als die Kaninchen, welche sie vernichten sollten. Dafür hat allerdings der Export von Kaninchen-

fellen und Kaninchenfleisch namentlich von Neuseeland immer größere ; vi

Dimensionen angenommen.

Die um 1727 aus Osten nach Europa eingedrungene Wanderratte ®°

ist durch den Schiffsverkehr wie nach allen anderen Weltteilen so auch nach Westindien verschleppt worden und hatte hier besonders die Zuckerplan-

tagen heimgesucht, die ihr einen vorzüglichen Schutz gewährten, und zwar

in einer solchen Ausdehnung, daß man sich entschloß, einen ihrer Haupt-

feinde, den indischen Mungo, Herpestes griseus, zu ihrer Vertilgung einzu- führen. Diese gelang auch bald in einer Weise, daß sich die Mungos nach

aa ee rl R

zierte den Tisch, natürlich nicht als Speise, wohl aber als Gegenstand be-

NE er

anderer Jagdbeute umsehen mußten. Sie wandten sich den Geflügelhöfen der dankbaren Plantagenbesitzer zu und verbreiteten sich bald, in schrecken- erregender Weise sich vermehrend, über das ganze Land der Insel Jamaika. Unter allen Nachteilen, die sich im Gefolge des Überhandnehmens der E marderartigen Raubtiere herausstellten, stand die Vernichtung zahlreicher insektenvertilgender Tiere obenan, indem sich namentlich die Zecken so ins ungeheuerliche vermehrten, daß sie zu einer großen Plage wurden. Mungos und Zecken blieben die überlebenden Sieger. Erst später ging wieder eine Wandlung vor sich, indem die Mungos selbst unter den Angriffen der Zecken zu leiden hatten und so allmählich ein neuer Gleichgewichtszustand sich herausentwickelte. T

Unsere harmlose Wasserkresse, welche man mit Mühe und Not in einigen Bächen Neuseelands angepflanzt hatte, hat sich in Kurzem | so sehr ausgebreitet, daß die Mündungen der Flüsse dadurch verstopft und Überschwemmungen veranlaßt wurden, welche Menschenleben kosteten und viel Eigentum zerstörten. Die Regierung verausgabte alljährlich viele tausend Pfund, um die zu üppige Wasserkresse in Schranken zu halten.

Auch die Weinrose hat in Australien gezeigt, in wie leichter und unerwarteter Weise das Naturgleichgewicht durch Einführung eines neuen an sich unverdächtigen Elements gestört werden kann. Als in einigen Ge- genden der Boden zum Ärger des Baum- und Schafzüchters mit wuchernden > Weinrosen förmlich überdeckt war, sollten Ziegenherden das Gestrüpp Ss wegfressen, aber statt daß die Ziegen die Hagebutten ausrotteten, war ds Rt Umgekehrte der Fall. Die die Hagebutten fressenden Ziegen gingen ein und & die Eingeweide derselben fand man mit steinartigen Haarballen erfüllt, er- rührend von dem die Innenwand der Früchte auskleidenden Filz.

Mit viel Humor wird über die Einführung der Distelin Australien na folgendes erzählt: „Vor vielen Jahren gerieten die schottischen Ansiedier 5 & der damals noch jungen Kolonie Viktoria in sehr bedeutende Aufregung, En weil die erste Distel, und zwar eine echt schottische, glücklich und wohl- behalten in Australien gelandet worden war. Für eine kurze Zeit wurde durch dieses Ereignis Handel und Wandel unterbrochen, sogar das Gold- fieber verflog. Die Kaufleute an der Börse wurden sentimental, die Makler kamen in wehmütige Stimmung bei der Vorstellung, daß die Pflanze, welche bekanntlich das schottische Nationalsymbol ist, nun auch in Australien blühen werde. Franzosen hätten sich in einem solchen Fall umarmt, die Schotten aber feierten das Ereignis durch ein großes Essen zu Ehren des Patrioten, der mit schweren Kosten und unendlicher Mühe die kostbare Pflanze zu ihnen gebracht. Das Gastmahl verlief herrlich und die Pflanze

geisterter Reden. Nach diesem Essen wurde die Distel in die australische : Erde verpflanzt und mit Freude nahmen die in der Gegend ansässigen Schotten wahr, daß sie prächtig gedieh. Und in der Tat, es wurde eine herr- liche Distel, die Stammutter einer großen Anzahl ähnlicher. Sie gedieh so prächtig, daß’ selbst ihre glühendsten Verehrer davon verblüfft wurden. Tausende und aber tausende von Äckern des besten Landes in Australien sind von der schottischen Distel bedeckt, die aller Anstrengungen der Farmer, sie wieder auszurotten, spottete. Die Gesetzgebung hat zahllose Pläne in Vorschlag gebracht und Tausende von Pfund Sterling verausgabt, um nur der Ausbreitung der Pflanze entgegenzutreten.

Wir sehen aus diesen Beispielen, wie vielfach der Mensch durch seinen Eingriff in die Natur Kalamitäten verschuldet, welchen gegenüber er machtlos dasteht, daß er häufig mit Entschiedenheit dagegen auftretend, andere noch schlimmere Übelstände heraufbeschwört. |

Was kann der Mensch tun, um die Schädigungen, welche die Kultur _ direkt und indirekt hervorruft, zu mildern, um dadurch entstehenden Übeln i vorzubeugen? Da sollen nun wie überall Gesetze helfen. Pflanzenschutz, Vogelschutz, Insektenschutz, Schutz der Naturdenkmäler, das sind LosungS- worte unserer Zeit.

Alle Tiere haben ein Recht zu leben, einen gebotsmäßigen Beruf in 4 der Natur und helfen, jedes in seiner Weise, das Gleichgewicht halten. _ Michelet sagt einmal, der Naturorganismus würde gestört sein, sobald nur eine einzige Fliegenart ausscheide. Eine Vorschrift des Buddha lautet: „Eine Thräne und ein Lächeln habe stets für alle lebenden Geschöpfe; den * . niedrigsten Wesen, welche auf der Erde und im Wasser geschaffen wurden, ver- sage nie einen Gedanken der Liebe!“ Das Christentum, pflegte dagegen En Schopenhauer zu sagen, hat die Tiere vergessen. Verständnis für die Tiere, Liebe zu den Tieren hielt er selbst für etwas Unchristliches, für etwas In- . disches. Unsere Tierschutzvereine in Ehren, ich nehme sie ausdrücklich aus,

aber sonst sind es im allgemeinen nicht Liebe und Mitleid, welche die moderne

Zeit zum Tierschutze veranlassen, sondern die Empfindung der Notwendig- | : keit eines solchen im eigenen Interesse. Insbesondere Tiere, die nützliche : Erträge liefern und denen durch uneingeschränkte Beutegier Vernichtung droht, müssen durch Maßregeln davor geschützt, es soll der rücksichtslosen 2 Ausrottungswut entgegengetreten werden. Die Jagdverordnungen für unsere : & deutschen Schutzgebiete sind, so heißt es, gegeben im Interesse der Wissen- schaft, um hiedurch einzelne selten gewordene Wildarten möglichst lange noch zu erhalten, ebenso heißt es darin: „wir haben die Pflicht, an die späteren Generationen zu denken und diesen die Möglichkeit zu erhalten, Anregung ; und Erholung bei Ausübung der afrikanischen Jagd auch in zukünftigen

ST ee

te

Zeiten zu finden.‘ In London ist zwischen den beteiligten Mächten ein Ab- kommen getroffen worden, eine große Anzahl von Tierarten in Afrika zu schützen, teils wegen ihrer Nützlichkeit, teils wegen ihrer Seltenheit und der Gefahr ihres Aussterbens. Dahin zielende Verordnungen wären von großem Nutzen, wenn sie sich in der Praxis in jeder Hinsicht durchführen ließen. Zunächst hat jeder, der auf größeres Wild ausziehen will, einen Jagd- schein zu lösen. Nirgends auf der Erde ist die Jagd so teuer als im ägyp- tischen Sudan. Der Jagdschein kostet allein über 500 M& Außerdem ist die Zahl der größeren Jagdtiere, die erlegt werden dürften, beschränkt, auch noch ein bedeutendes Schußgeld für solche zu erlegen (160 M. für einen Elefanten). Einzelne auf dem Aussterbeetat stehende Tiere dürfen gar nicht mehr ge- schossen werden, für andere sind bestimmte Schongebiete vorgeschrieben. i Wenn es aber mit Recht wieder erlaubt ist, bei Nahrungsmangel einer Kara- wane oder in Fällen von Lebensgefahr durch Angriff wilder Tiere auch ohne Jagdschein auf diese Tiere zu schießen, wo bleibt da die Kontrolle? In erster Linie handelt es sich um den Schutz der Elefanten. Die Gefahr der Aus- rottung ist hier um so größer, als die Weibchen nicht geschont zu werden pflegen, da das afrikanische Elefantenweibchen im Gegensatz zum indischen auch mit Stoßzähnen versehen ist. In Deutsch-Ostafrika sind diesbezügliche Vorschriften bereits durch Major v. Wißmann erlassen worden und Kamerun ist dem Beispiel gefolgt. Es wird indes noch lange dauern, bis.die Regierung so vollständig Herr im Lande ist, um etwaigen Jagdfreveln entschieden Einhalt zu tun. na

In Indien hat man, nachdem der Löwe in Gudscherat und Kutsch. verschwunden ist und nur mehr im-Wald von Gir in Kathiawar einen letzten ' Zufluchtsort besitzt, um seiner gänzlichen Ausrottung zuvorzukommen, die Löwenjagd auf 6 Jahre untersagt. Die Affen von Gibraltar bilden als ! einzige in der Freiheit lebende Kolonie dieser Tiere in Europa schon seit langer Zeit den Gegenstand eifriger Fürsorge und genießen den strengen Schutz der englischen Behörden. Der Rajah Brooke von Sarawak auf Borneo machte nach Kukenthal das Sammeln auf seinem Gebiet von seiner eigenen Erlaubnis abhängig, nachdem es vorgekommen war, daß fremde Sammler zu merkantilen Zwecken ein unerhörtes Morden unter der Säugetier- und Vogelwelt des Landes veranstaltet’ und eine wahre Verheerung unter den seltenen Pflanzenarten, besonders der Orchideen angerichtet hatten. Finsch empfiehlt der Reichsregierung auf das dringendste, der Ausrottung des Dugong, jenes merkwürdigen Säugetieres, das auch an den Küsten unseres ostafri- kanischen Schutzgebietes vorkommt, durch Schongesetze vorzubeugen.

Der hohe Wert des Pelzwerkes vom Blaufuchs (Vulpes lagopus) hat zur Gründung von Fuchszüchtereien auf einigen Inseln der Nordwestküste

3

von Amerika und einigen Aleuten, namentlich auf den Pribylowinseln im E Behringsmeer geführt, desgleichen will man aus demselben Grund der See- otter einige Inseln reserviert halten und die Russen haben ihr mit Erfolg einen Teil der Komandorinsel im Behringsmeer eingeräumt. Man will nun auch auf den Inseln des Alaska-Meeres solche Schonplätze anlegen, auf denen jede unberechtigte Jagd durch Wächter verhindert werden soll. Um der Abnahme der Seefische zu begegnen, hat man in Schottland bei Dunbar, später auch in Nordamerika regierungsseitig Seefischzüchtereien angelegt. Eine der ältesten und vielleicht bedeutendsten Einrichtungen dieser Art besitzt Norwegen in Flordwig in der Nähe von Bergen und Arendal. Die künstliche Züchtung des Alligators, der dem Aussterben nahe war, ist in Florida seines Leders wegen zu einem landwirtschaftlichen Industriezweig geworden. Man sammit die Eier, überwacht deren Auskommen und zieht die Jungen in kleinen geschützten Teichen und Buchten bei künstlicher Fütterung auf. E Um die Ausrottung seltener Insekten zu verhindern, haben sich in Leicester in England die Entomologen verbunden und suchen durch Fang-

mologischen Verein wurde die Frage aufgeworfen, ob man nicht in ähnlicher Weise vorgehen solle, aber alle praktischen Sammler waren darin einig, daB nicht das Sammeln, wohl aber die Fortschritte der Forstwirtschaft und des Ackerbaues in dieser Beziehung zu fürchten sind, wogegen man aber machtlos ist. F | Vogelschutz war schon im Mittelalter nicht unbekannt und der Fang gewisser Vögel mit strengsten Strafen geahndet. Aber mit Gesetzen wird wenig erreicht. Ein Hindernis wird immer Italien sein mit seinen angeerbten . Ansichten über Vogelfang und die zum Unglück nicht selten verschiedenen

wirksame Förderung des Vogelschutzes wird die Belehrung der Jugend, der Appell an ihr Menschlichkeitsgefühl, der Kampf gegen Vorurteil und Aberglauben, Herzlosigkeit und Eigennutz sein. Die verehrten Damen müssen auf den Vogelhutschmuck Verzicht leisten und die Einfuhr un- . zähliger kleiner Vögel durch die Modewarenhändler müßte endlich verhindert werden, wie dies in Nordamerika schon ‘seit ein paar Jahren der Fall ist. Wir sollten bei dem Vogelschutz uns nicht allein nach dem Maßstab der Nützlichkeit des Vogels richten, sondern vielmehr darauf bedacht sein, unsere heimische Vogelwelt in aller ihrer Vielseitigkeit zu erhalten. Paragraphen- weise Schutz- und Jagdgesetze sind nicht ausreichend. Haupterfordernis wäre möglichste Wiederherstellung der natürlichen Verhältnisse, eine künst- E Wiederschaffung der entzogenen Lebensbedingungen und dann über:

verbot für Sammler ihren Zweck zu erreichen. Auch in dem Berliner Ento-

Urteile der Gelehrten über Nützlichkeit und Schädlichkeit der Vögel. Eine

als 5 Frs.

lasse man die Natur sich selbst. Schaden und Nutzen aller Glieder der Schöpfung werden sich dann selbst kompensieren. Liebe sagt:

„Unsere Pflicht ist es, die Natur soviel als möglich unberührt zu lassen, so weit uns dies im fortwährenden Kampf ums Dasein und bei unserer Kultur möglich ist.“

So sind die Bemühungen des deutschen Vereins zum Schutz der - Vogelwelt hauptsächlich darauf gerichtet, bei allen Maßregeln der Landes- kultur, sowie bei jeder sich sonst darbietenden Gelegenheit eine Rücksicht- nahme auf die Erhaltung der vorhandenen Vogelbestände, sowie Gründung von Aufenthalts- und Brutstätten für unsere Vogelwelt anzustreben. Die Grundbesitzer, große wie kleine, sollen zur Erhaltung vorhandener und zur Anlegung neuer Gehölze, Gebüsche, Hecken usw. zu bestimmen gesucht, Anbringung von Nistkästen für Höhlenbrüter, Fütterung der Vögel im Winter und andere Maßregeln des -Vogelschutzes in Anregung gebracht werden. Die notwendige Abwehr gegenüber schädlichen Vögeln ist gestattet, nie aber werden Maßregeln gebilligt, welche darauf gerichtet sind, irgend eine Vogel- art in einer Gegend ganz auszurotten, das ist weder vom ethischen noch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus zu rechtfertigen. Es muß dabei auf die geringe Zahl der Adler und anderer Raubvögel, auf die bedeutende Ver- minderung der Reiher und Kormorane sowie anderer interessanter Vertreter unserer Ornis hingewiesen werden. Wo die Natur noch in ihrer Ursprüng- lichkeit wirkt, spielen auch solche Arten eine nützliche Rolle im Haushalt der Natur, auch zugunsten des Menschen. i

Unter den Vögeln, welche nur deshalb noch nicht von unserer Erde verschwunden sind, weil man sie gezähmt hat und züchtet, ist vor allem der Strauß zu nennen. Die Anzahl der in der Kapkolonie gehaltenen zahmen Vögel beträgt über 300 000. Auch in Algier und im französischen Sudan will man die Straußenzucht einführen und Forest hofft dann auf ein Wiederbelebung der Wüste Sahara mit Berberstraußen. Die erheblich Züchtungserfolge mit dem afrikanischen Strauß, welche im Jahre 1895 dem Kapland allein die Ausfuhr von 500 000 kg Federn im Wert von mehr als 400 Millionen Mark gestattet haben, während der Vogel selbst vor Aus- : rottung geschützt ist, haben Forest zu dem Vorschlag veranlaßt, eine ähnliche Züchtung und Schonung auch den Silberreihern angedeihen zu lassen In Tunis hat man bereits 1895 erfolgreiche Versuche der Domestikation an gestellt; der tunesische Züchter erhielt von jedem Vogel einen Ertrag von 35 Frs. Die Ernährung dieser Allesfresser, welche hier mit dem Fleisch ab- gestandener Tiere gefüttert werden, verursacht nur mäßige Ausgaben, man berechnet die mann Unterhaltungskosten per Vogel auf nicht non

Man sollte es nicht für möglich halten, daß sich auch ernste Stimmen gegen den Vogelschutz überhaupt erheben. „Schützet die Insekten und gebet den Vogelfang frei“, lautet ein Antrag von Giovanni Salvadori. Er will ihn damit begründen, daß insektenfressende Vögel bei der Nahrungs- auswahl eine größere Vorliebe für die nützlichen Insekten und verwandten Gliederfüßler, wie Spinnen etc. zeigen als für Schädlinge und versteigt sich zu dem Satz, daß die insektenfressenden Vögel im geraden Verhältnis zu den e schädlichen Insekten stehen, das heißt je mehr kleine Vögel in einer Gegend sind, desto mehr schädliche Insekten finden sich daselbst vor. Er hat wohl nicht viele Nachbeter gefunden.

Ich komme zum Baum- und Pflanzenschutz. Eswarder _ berühmte Tonbildner Bernard de Palissy, dessen Fayencen den Kunstkenner _ entzücken, zugleich ein trefflicher Naturforscher, der sich in früher Zeit über die unbedachte Waldverwüstung ausläßt. „Wenn ich den Wert der geringsten

Ei

mich über die große Dummheit der Menschen zu verwundern, welche heute anscheinend nur darauf bedacht sind, die schönen Wälder, welche ihre Vor- fahren so sorgfältig gehütet haben, zu fällen, zu verwüsten und zu zerreißen. Ich würde es keineswegs tadeln, daß man die Wälder niederschlägt, wenn man nachher wieder einen Teil anpflanzt, aber die Leute beunruhigen sich in keiner Weise über die Zeiten, die noch kommen sollen und ziehen nicht den großen Schaden in Betracht, welchen sie ihren Nachkommen für die Zukunft zufügen. Ich kann ein solches Vorgehen nicht genug verabscheuen und bin nicht imstande, es als einen bloßen Fehler zu bezeichnen, sondern als einen Fluch und ein Unglück für ganz. Frankreich.“ 3 Ich habe heute schon auf die Ausdehnung der Prärie in den Ver- einigten Staaten hingewiesen. Die geringe Fürsorge für die Erhaltung des

hörten zirka 48 Prozent des Waldes Holzhändlern und Spekulanten. Aber der. Staatswald ist erst recht allen Eingriffen preisgegeben, genießt nicht den Schutz wie bei uns. Fernow erklärt eine Erschöpfung der Nadelholzvorräte _ inzirka 50 Jahren für wahrscheinlich. Der Staat Nebraska führte 1871 einen gesetzlichen Baumfeiertag im April ein, an dem in allen Gemarkungen | Bäume in Hainen gesetzt werden sollen. Ebendort entstand um diese Zeit

‚der Verein der Baumfreunde, der sich die Pflanzung von Bäumen zum Ziel gesetzt und bis 1893 355 Millionen Obst- und Waldbäume gepflanzt hat. - Andere Staaten folgten. Man hat ferner in den Waldgebieten des Westens Waldreserven geschaffen, 29 an der Zahl, rund 15 Millionen Hektar, in 4 5 welchen eine vernünftige Regelung der Nutzung und vor allem Abstellung : der Waldbrände angestrebt wird.

| Baumbestände in Betracht ziehe‘, sagte er, „kann ich mich nicht enthalten,

Waldes ist hier zum großen Teil Folge der Eigentumsverhältnisse. 1885 ge-

griffene Baumarten, landschaftlich schöne Baumgruppen und Waldteile,

gestalt der Erde, die Denkmäler der Entwicklungsgeschichte der Natur der Nachwelt erhalten bleiben könnten. Wir dürfen es, sagt er, nicht so

FR ST ee PEN r e Ir RR nr Rn Ri 2 oh 1) 3 u won je) ; a een, GA 3 5

Es wird oft über die rücksichtslose Art des Sammelns gewisser Pflanzen in unseren Wäldern wie über die Ausplünderung der tropischen Wälder geklagt, und es würden sich Maßregeln zum Schutz in vielen Fällen emp- fehlen, aber hier wie dort liegt die größte Gefahr in den fundamentalen Ver- änderungen der Pflanzendecke des Bodens. So sind durch die Entwässerung der Moorstrecken und Umwandlung in Ackerland leider schon manche Pflanzen untergegangen, andere im Schwinden begriffen. Ber

Die im letzten Vierteljahrhundert im Gebirge angelegten Alpen- gärten, wie der oberhalb Martigny, 3 Stunden unter dem Hospiz des Gr. St. Bernhard von der Gesellschaft für Pflanzenschutz zu Genf angelegte Linnäa-Garten, haben nicht bloß den Charakter botanischer Gärten, sind = vielmehr zugleich Schutzstätten für seltenere oder mit Ausrottung bedrohte _ 5 Alpenpflanzen. Auch in Turin hat sich 1898 ein italienischer Verein zum ei Schutz der Alpenvegetation (Pro montibus) gebildet. Be;

Wie man seltene Tiere und Pflanzen vor gänzlicher Ausrottung u schützen bestrebt ist, so geht man jetzt daran, auch physiognomisch inter- essante Vegetationsbilder, deren Bestehen durch die Kultur bedroht ist, kommenden Geschlechtern zu erhalten, Baumindividuen von hohem Alter, ungewöhnlichen Größenverhältnissen oder abnormer Bildung, von geschicht- 2 licher oder kulturhistorischer Bedeutung, seltene oder im Schwinden be-

interessante Felspartien und andere Naturdenkmäler vor dem Zahn der Zivilisation zu schützen. Conwentz hat zuerst die Ideen einer planmäßigen Organisation der Naturdenkmalspflege gegeben, Einrichtungen zur Schonung landschaftlicher Eigentümlichkeiten in Vorschlag gebracht und angefangen, in seinem forstbotanischen Merkbuch eine Inventarisierung der beachtens- werten und zu schützenden urwüchsigen Sträucher, Bäume und Bestände im Königreich Preußen, zunächst in der Provinz Westpreußen, zu liefern. Ein darin aufgeführtes botanisches Unikum, vielleicht in ganz Deutschland, bildet eine Gruppe von über 1600 erwachsenen Eibenstämmen im Ziesbusch in der Oberförsterei Lindenbusch. Weber in Bremen hat in gleicher Weise die Erhaltung von Mooren und Haiden Norddeutschlands und die Wieder- herstellung von Naturwäldern angeregt. Der Oberlehrer Wetckamp in

weit kommen lassen, daß die Natur vollständig veınichtet wird. Ein Teil

halten werden.

Dazu ist es notwendig, gewisse Gebiete desselben zu reservieren, als „Staatsparks“, unantastbare Gebiete, Zufluchtsorte für die Flora und Fauna. Nordamerika ist uns in dieser Beziehung lange vorausgegangen. Es besitzt 5 Nationalparks. Der größte ist der Yellowstone-Park, ungefähr halb so groß wie Westfalen, der Yosemite-Park, ungefähr so groß wie Braun- schweig und der Sequoia-Park zur Erhaltung der Mammuthbäume, so groß wie das Hamburger Staatsgebiet. Es sind das Landgebiete, die der Be- bauung und sonstigen Kulturbehandlung gesetzlich entzogen sind, um auch späteren Generationen Beispiele gewisser von der Natur geschaffener Boden- formationen mit u tierischen und pflanzlichen Bewohnern unverändert zu überliefern.

Der Yellowstone-Park beherbergt eine unerschöpfliche Masse von

aufgestellt; Tragen von Schußwaffen, wie alles Schießen ist im Gebiet des Nationalparks verboten. Hier befindet sich auch die letzte Büffelherde der Union, etwa 200 Stück. Die größte Herde gefangener Bisons (259) be- findet sich im Besitz von Alards Erben in Montana, eine solche von 110 Tieren bei Jones Goodnight in Texas, aber bei diesen gefangenen Tieren zeigt sich

geboren werden. Bei den im wilden und halbwilden Zustand gehaltenen Tieren, z. B. der Alardschen Herde, hat sich diese bedrohliche Erscheinung Bi noch nicht gezeigt und auf letzterer Herde beruht zunächst die Hoffnung,

= fortgesetzte Inzucht ist ebenfalls eine Ursache der steten Verminderung solcher gehegter Tiere. Besonders die in der litauischen Wisentkolonie des

Tatsache bei, daß Inzuchtsverhältnisse das Erlöschen von Tierformen herbei- führen können. Sie treten ein und nehmen an Ausdehnung immer mehr zu,

langsam zum Aussterben der betreffenden Kolonieen. Corbina hat seinen

sind darin zirka 4000 wilde Tiere untergebracht. Im Washingtoner National-

® Waldtal untergebracht, die sich völlig wohl fühlt und schon an den Besuch

unseres Vaterlandes soll in der urprünglich naturwüchsigen Form er- k

Wild, u. a. mindestens 25 000 Stück Wapiti. Eigene Wärter sind zum Schutz

e . als schwarzer Punkt der Erfahrung, daß viel weniger Weibchen als Männchen

daß sich daß Aussterben der Art noch einige Zeit wird hinhalten lassen. Die Bialowiezer Waldes gesammelten Erfahrungen tragen zur Feststellung der

wenn eine Tierart durch irgend eine Ursache so selten geworden ist, daß sie auf engbegrenzte und weit voneinander geschiedene Gebiete beschränkt ist. Diese Einengung auch in Hinsicht auf den sexuellen Verkehr führt ganz

x eine Oberfläche von 17 000 Hektar umfassenden Blue Mountain Forest-Park - in New-Hampshire der Erhaltung aussterbender Tierarten gewidmet; &8

| park ist eine Biberkolonie in einem von einem Flüßchen durchschnittenen :

der Menschen einigermaßen gewöhnt hat, so daß das Publikum vielleicht‘ |

NEE:

ai

2

bald die Tiere aus angemessener Entfernung in ihrem täglichen Leben und Treiben wird beobachten dürfen. In ähnlicher Weise ließen sich wohl auch die Biber der Rhone erhalten und ebenso die der Elbe zwischen Magdeburg und Wittenberg durch Darbietung einiger für sie reservierter Heimstätten. #

In Nordrhodesia hat man den östlich vom Meerufer gelegenen Meru- sumpf als „Wildfreistätte‘‘ erklärt, wo es nur mit ganz besonderer Erlaubnis gestattet ist, jagdbare Tiere zu schießen. Diese ausgezeichnete Maßregel 3 wird hoffentlich mit dazu beitragen, die Elefanten und andere große Säuge-- tiere vor völliger Ausrottung zu bewahren, da gerade dieser Bezirk von eng- lischen Sportsmen häufig heimgesucht wird. 5

Schon 1866 faßte das wissenschaftliche Institut von Auckland den x Beschluß, eine Hege- und Pflegestätte für einheimische neuseeländische Vögel zu gründen, und zwar auf der Insel Hauturn (Little Barrier-Inse) im Golf von Hauraki. Desgleichen beabsichtigte das Gouvernement von Neuseeland eine kleine nahegelegene Insel, welche die Vertreter der neusee- ländischen Fauna in einer Mannigfaltigkeit beherbergt, wie sie sonst nicht mehr angetroffen wird, zu erwerben und aus derselben eine Schutzstätte zur Erhaltung des wissenschaftlich so interessanten Tier-und Pflanzenlebens Neuseelands zu machen.

Carus Sternes Lieblingsgedanke war es, etwa auf einer der unbe- wohnten Inseln des Galapagosarchipels der Tierwelt durch Verbot der Tötung einen Freibrief auszustellen, ihr damit die Überzeugung von der Gefährlich- keit des Menschen zu benehmen und die Zutraulichkeit wieder einzuflößen, welche die an einsamen Gestaden des Südpolargebietes landenden Seeleute einst so anmutete, der Nachwelt das Bild des Naturfriedens zu erhalten, der dort einst herrschte, wo der Mensch den ihm von der Natur aufgezwun- genen Kampf gegen seine Mitwelt noch nicht begonnen hatte. v

Was wird, wollen wir uns zum Schlusse fragen, das Ende der fort- gesetzten Eingriffe der Kultur in den komplizierten Mechanismus der Natur _ sein? Noch sind wir nicht so weit, daß alles freie Naturleben erstickt wäre, noch ist die Zeit einer gleichartigen vom Menschen regulierten Fauna von Haustieren nicht herangekommen; aber sind auch in anderen Erdteilen die Gebiete freien Pflanzen- und Tierlebens noch überwiegend, so bilden sie doch mehr und mehr verschwindende Inseln inmitten der vom Menschen kultivierten Gebiete. Mehr und mehr wird die ursprüngliche Pflanzendecke durch Kulturgewächse verdrängt, in kürzerer oder längerer Frist wird es in Europa wie in der übrigen Kulturwelt keine freilebenden Tiere mehr geben, nur was der Mensch schützt und hegt, wird erhalten bleiben. Staatlich konzessioniert und beaufsichtigt, polizeilich numeriert und registriert, wie die Bäume im Forst, die Tabakpflanzen im Feld, werden sparsame Vertreter

lauter ertönende Mahnung: „Rettet in der elften Stunde, was zu retten ist, |

einer höheren Tierwelt, von der Gnade des Menschen in seine Zwecke hinein- £ gezwängt, ihr Dasein fristen. Seine mächtige Hand greift hemmend ein in i den Kampf, den sie untereinander führen im Drang des Hungers und der : Liebe. Nur die kleinen und kleinsten Lebewesen, die sich dem Einfluß des Menschen mehr zu entziehen vermögen, werden sich fortdauernder größerer Ausbreitung erfreuen und fruchtloser Gegenwehr spottend fortfahren, vom Menschen und seiner Arbeit zu leben. Immer wilder muß sich der Kampf | der auf unserem Erdball zusammengedrängten Menschheit untereinander gestalten. Erschlaffende und degenerierende Überkultur trägt den Keim der Zerstörung in sich selbst, die allgewaltige Natur verlangt gebieterisch ihr Recht und die Rückkehr zu einfacheren Lebensformen. Eine lebenskräftigere weil natürlichere Menschheit wird einmal unsere europäische Kultur in Staub und Asche sinken lassen und vergessen machen. Wir wissen nicht, was für ein andersartiges Geschlecht einst die Trümmer unserer heutigen europäischen Kulturstätten zutage fördern und der Frage nach deren Ent- wicklung und Untergang nachspüren wird. 4

Das Schreckgespenst der gelben Gefahr, die immer dringender und

was in der Natur und im Volke von Natürlichem noch übrig ist!“ sie be- deuten nichts anderes als die instinktive Ahnung einer solchen drohenden fernen Zukunft. Wie unsere Altertumsmuseen es sich zur Aufgabe machen, das zu bergen, was die Kultur früherer Zeiten geschaffen, so sind unsere natur- historischen Museen berufen, das zu sammeln und zu schützen, was unsere Kultur vernichtet hat oder vernichten will. Bergen doch auch unsere Samm- : lungen so manches Stück, was vielleicht in ein paar Jahrzehnten schon nicht mehr zu beschaffen ist. Auch unsere Naturhistorische Gesellschaft wird es nicht unterlassen, an der Verhütung und Milderung der Kulturschäden werk- tätig Anteil zu nehmen und wir dürfen es mit besonderer Freude begrüßen, daß mit der Registrierung merkwürdiger Baumindividuen unseres Reichs- waldes von kundiger Seite damit ein Anfang gemacht wurde. ; Im übrigen müssen wir uns ja bescheiden: den natürlichen Lauf der Dinge aufzuhalten haben wir nicht Macht. Ildvıx Set „Alles fließt“, nichts ist ewig, außer dem Prinzip des Wechsels. Das stete Werden und Ver- gehen ist eben das Charakteristische des Lebens. ;

Ein Fund aus der Ruherten

Dr. S. von FORSTER.

Aus der Sektion für Anthropologie u.Urgeschichte :: der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg ::

Ein Fund aus der Ruherten

von Dr. S. von Forster.

In die in losen Zwischenräumen erschienenen Veröffentlichungen des Fundmaterials der Sektion für Anthropologie und Urgeschichte ist eine längere Zeitpause eingeschaltet gewesen. Der Arbeit von L. Wunder vom Jahre 1904 „Vorgeschichtliche Denkmäler in der Umgebung Nürnberg III“ in dem XV. Band der Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft folgte im Jahre 1907 als letzte eine vom Verfasser für die Festschrift zum XXI. Deutschen Geo- graphentag niedergeschriebene Abhandlung über die Besiedlung des Nürnberger Landes in urgeschichtlicher Zeit.

In den letzten Jahren war die Tätigkeit der Sektion auf dem Grabfeld eine sehr umfangreiche geworden. Eine Umschau über das dabei gewonnene Fundinventar hat die Erkenntnis gezeitigt, daß die Niederschrift darüber zeitraubende und umständliche Vorarbeiten erheischt und zu einer größeren Sammelarbeit sich verdichten und anwachsen muß. Die bei den Grabungen in neuerer Zeit eingeführten vervollkommneten Methoden haben ergeben, daß auf dem Wege feinerer topographischer Untersuchung neue Gedanken und treffen- dere Merkmale über die Anlage des Grabbaues wie für die chrono- logischen Werte und den Formenkreis des Grabinventars gewonnen werden können als bisher. Diese auf solcher Grundlage begonnene und sich weiter spinnende Tendenz der Forschung war die Ursache der literarischen Ruhestellung der Sektion.

Daß von der Sektion eine weitgreifende Arbeit mit dem Spaten geleistet werden konnte, dem kam ein glücklicher Umstand zu gute. Es war dem lebhaften Interesse und gütigen Entgegenkommen der Naturhistorischen Gesellschaft, voran seines Direktors Herrn Dr. m W. Bernett, und der Mitarbeit des Sekretärs der Gesellschaft Here K. Hörmann zu danken, daß eine größere Anzahl gefährdeter und der Zerstörung anheimfallender Gräber in Angriff genommen werden konnte. Herr Hörmann hat es verstanden, durch verfeinerte Methoden

ER 3 FT Ah BE u ER SA u Fresh EAST Be ee

a a a aa ae u NE. s I 2

ITEM

in den topographischen Bestimmungen und Aufnahmen der Auf- schichtung der Gräber und Lagerung des Fundmaterials Leistungen herauszubringen, welche geradezu vorbildlich genannt werden dürfen. Dasselbe Prädikat verdient die Grabung in-der Ruherten. Sie wurde vom 19. bis 22. Oktober 1908 durchgeführt.

Das Motiv der Veröffentlichung dieser Grabung hat der Fund eines Stückes des Grabinventares, einer Nadel mit einer kleeblattförmigen Kopfplatte abgegeben, deren Beschreibung länger hinauszuschieben nicht angezeigt war. Diese Gewandnadel ist für den Formenkreis der frühen Bronzezeit des Frankenlandes ein Novum.

Der Fundort ‚„Ruherten‘“ liegt südöstlich des klimatischen Kurortes Rupprechtstegen in der Steuergemeinde Enzendorf. Die nordöstliche Ecke dieses Ackerfeldes bildet die Fundstelle, südlich davon liegen zwei weitere frühbronzezeitliche Grabhügel. Schon im Frühjahr 1894 wurde daselbst von dem Besitzer des Ackerfeldes, Herrn Bürgermeister Deinzer, eine Randaxt gefunden, welche der hier berichteten kongruent ist. Diese Randaxt ist beschrieben und abgebildet von L. Wunder in dem XI. Band der Abhandlungen der

desselben Typus und einen vom Finder als sogenannter „‚Pfannenstiel“ bezeichneten Gegenstand nahm der jetzige Besitzer, Herr Ortsführer Johann Deinzer, im Frühjahr 1908 aus der Fundstelle. Der „Pfannen- stiel‘“ war nach Aussage des Finders der im Grabe liegenden Gewand- nadel mit Kleeblattkopfplatte sehr ähnlich. Herrn Deinzer wird für die Erlaubnis zur Grabung und für Überlassung der Funde Dank ausgesprochen. r Der Bericht über den Verlauf der Grabung folgt dem von Herrn Hörmann verfaßten Messungs- und Grabungsprotokoll. Aus diesen beiden Niederschriften, wie aus dem Profil und Grundriß . des Grabes, sind die Größen-, Tiefen- und Breitenverhältnisse, die ganze Topographie des Grabbaues und die topographische Lagerung ‚der Grabbeigaben klar zu erkennen und genau abzulesen.

Vermessung der Bodenoberfläche Entfernung 85m 7/m 6m 5m 4m 3m 2m im 0m Nord

een 13. ARE 3: Eee a 72: 08 44 34 Straße

Der Nullpunkt ist zum Zweck der Vermessung um 20cm überhöht (die Zahlen bei West, Süd, Ost bedeuten Centimeter unter dem Nullpunkt).

Naturhistorischen Gesellschaft. Eine zweite, viel kleinere Randaxt

0 er Süd 20.102.321 : 7205. :28...-90:.:00 5 Ost = 6, a 0.

} e

Be...

Mr Fr ae

Fig. 1. Die Fundstelle zu Beginn der Grabung.

rt

DieLagedesGrabesist einesehreigenartige Fig.1. Ander Nordseite. desselben befinden sich mehrere aufrecht stehende, bewegliche Dolomit- felsgesteine von etwas über 2 Meter Höhe. Diese sind von einer Menge kleiner, kopfgroßer Stücke umlagert, zwischen welchen Gesträuche wuchern. Im Osten begrenzt die Grabungsstelle ein in Nord-Süd- richtung verlaufender Feldweg, jenseits desselben erhebt sich eine Anhöhe bis zu 4 Meter Höhe, die gegen Nord als senkrechte Dolomit- wand abfällt, südwestlich als zerklüftetes Gestein sich fortsetzt und in das stark ansteigende Gelände übergeht. Im West am Horizont Burg Hohenstein. Der geologische Horizont ist im Protokoll ge- kennzeichnet: Malm, Juraplateau, Höhe des Frankendolomites, Weißjura =.

Von einem Hügelbau sind keine äußeren Merkmale zu erkennen.

Grabungsprotokoll a”

Nr. Winkel Entfrn. Tiefe Tiefe unt. unt.Om. d. Oberfl. ab 264° 740c 132c 45cein Knochen, ein Eisennagel _ = - ÖOberflächenfunde: Eisenring, Nägel, Hufeisen.VerstreuteScherben, Kohle

c 220 470 70 40 Eisennagel 240 560 127 70 Kohlenfleck 20 cm lang und breit. Neue Topfscherbe. _ 222 480 110 50 Kohlenfleck. Mit vorigem in Zu- sammenhang. Steine darüber. Entwickelt sich zu 2 cm Stärke, aber schütter. _ 270 800 _ 70 kleine grün glasierte Scherbe. d 275 450 140 45 Knochen und Scherbe. e 30 410 50 20 Ferse. f 285 469 132 62 Auf Felsen Scherbe, Randstück. 1.2 220? 280? _ Fundstelle der beiden Randäxte. 3-8 230 355 109 20 Bronzen. Dabei eine Scherbe und ein Stück Kohle. _ 160 240 150 260 9.1 60 Brandfleck, tief gehend; darin ein rot gebrannter Dolomitstein. _ 247 200 90 40 Gefäßfragmente, s. Photo. In15cm

: Tiefe darunter Kohlenstückchen.

Die Fundstelle ist in einer Tiefe von 20—25 cm wahrscheinlich durch Feldarbeiten gestört. Steine sind herausgenommen und weg-

Mn. „nendähe PR ||

West 87 am 6m 5m 4m 3m 2m im Ö am om 3m Ost on | | | | | | | Feldweg e Ey |) e am 4,7 1,50 1,50

Profil

een | GE a EN lt.

Fig. 2. Die abgegrabene Fundstelle.

>E

edge

getragen. In 50 cm Tiefe sind die Steine unregelmäßig. An sie lehnen sich nach allen Seiten Felstrümmer an. Brandschichten fehlen. Dagegen sind vereinzelte Kohlenreste nachzuweisen. So

ah

Gra 95 = Felsen unter der Oberfläche

7

Grundriß

finden sich 50—60 cm unter der Oberfläche an der Peripherie zwischen den tiefliegenden Felsgesteinen fleckartige Züge von Kohle im Boden und in diesen Kohlenflecken einige rotgebrannte Dolomitsteine. Der Felsuntergrund bildet das Fundament des Grabbaues, dessen Anlage der Regelmäßigkeit entbehrt, weil diese durch die darüber hinweg- gehende Pflugschar zerstört und die Steindeckung verloren worden ist. iTiE.:2.)

Das Grabinventar setzt sich zusammen:

41. aus Metallfunden: a) Gewandnadel aus Bronze mit kleeblatt- ähnlicher Kopfplatte; b) Randaxt aus Bronze; c) Gewandnadel aus Bronze mit abgeplattetem, kugeligem, durchbohrtem Kopf; d) vier Bronzegravier- und Bronzepunzestiften. (Fig. 3.)

2. aus keramischen Bruchstücken und

3. tierischen Skelettresten.

50

Die Nadel mit kleeblattförmiger Kopfplatte (Fig. 3) ist voll- kommen erhalten, aus einer hochprozentigen kupfer- und sehr zinn- armen Bronze gearbeitet, mit schöner Patina überzogen. Die ganze Länge derselben ist 21 cm. Sie ist am oberen Ende auf der Rückseite zu einer 3 mm im Durchmesser betragenden Rolle mit leichter Schwei- fung der Rollenränder aufgearbeitet. Die Einrollung ist fest mit dem

?

Fig. 3

Boden der Kopfplatte verbunden. Die Kopfplatte setzt sich zusammen aus zwei seitlichen kleeblattähnlichen Flügeln, von denen der rechte 2 cm, der linke 1,8 cm lang ist. Die Breite des Blattes mißt 1,8 cm. Das obere Kleeblatt ist umgeformt in eine 6mm breite und 18mm lange Bandleiste, die am oberen Ende mit der Einrollung endigt. Das dritte Kleeblatt nach unten ist ampullenförmig gestaltet in einer Breite von 12 mm. Es endet mit einem langsam abklingenden kon- kaven Bogen von 1 cm Länge in den Nadelschaft, welcher 15,5 cm

lang und in ganz feiner Spitze ausgezogen ist. Die Platte liegt mit

der Längsaxe der Nadel in gleicher Ebene. Der obere vordere Rand des

Kopfplattenendes ist zur Einrollung umgebogen. Die Vorderseite der Kopfplatte ist punktförmig ziseliert. Die Ausarbeitung der Verzierung an beiden Seiten der Bandleiste besteht aus zwei vierzehnmal punk- tierten Linien und zwischen diesen eine mittlere Linie mit 16 Punkten. Unter dieser senkrechten Linienführung ist ein Ornament in Bogen- führung parallel zu den Kleeblatträndern in horizontaler Richtung aus 23 Punkten zusammengefügt, welches in der Mitte der Kleeblatt- ränder ausklingt. Auf dem unteren ampullenartig ausgezogenen Blatt sind zwei Randlinien zu je 14 Kanieken und Rn Mittelleisten- ornamentmit15Punkten in vertikalerRi t. Darüberliegt wagrecht velautann in Bogknform ausgeführt eine aus 30 Punkten zusammengestellte Linie, welche wie am oberen Blattrand in der Mitte des Blattes aufhört. Auf der Vorderseite der Platte, beinahe in der Mitte der seitlichen Kleeblattflügel, 16 mm von der Mittel- linie der Platte entfernt, sind auf beiden Blättern 2 kleine, seichte, kreisförmige Buckelverzierungen, 2 mm im Durchmesser, 2 mm seicht eingepunzt; der Buckel des linken Blattes ist von 9, der des rechten Blattes von 10 eingravierten Punkten umsäumt. Die Entfernung der einzelnen Punkte von einander beträgt 0,5—1,0 mm an allen orna- mentierten Punktlinien.

Die Randaxt aus Bronze (Fig. 3) ist 16,8 cm lang, von schmaler

Form. Die Ränder der Fläche sind auf beiden Seiten wenig auf- geworfen. Die Axtklinge ist nach der Mitte der Klinge verjüngt, an beiden Seiten zu 2 cm konkav gebogen. Die gerundete Bahn hat italischen Ausschnitt (Lissauer Typenkarte S. 542, Varietät der Bahn c), die Breite des Bogens der Schneide ist 6,5 cm (Lissauer Typenkarte, Varietät der Schneide S. 543 D). Die Breite der Bahn beträgt 1,9 cm. Die Randaxt zeigt rein süddeutschen Typus. Gewandnadel aus Bronze (Fig. 3) mit durchbohrtem Hals und Kopf 12 cm lang. Die Nadel hat einen kugeligen, abgeplatteten Kopf, welcher in der Mitte im Längsoval durchbohrt ist. Die Durch- bohrung endet am Halsteil der Nadel. Kopf, Hals und Schaft sind mit konzentrischen Ringen verziert. 8,2 cm des Nadelschaftes bis zur Spitze sind nicht ornamentiert.

Von den 4 Bronzegravier- und Punzstiften ist der eine (Fig. 3)

9,8 cm lang, nach einer Seite stark spitz zulaufend, in 4,2 cm Länge

in der Mitte anschwellend, das andere Ende ist abgestumpft, ein

2

BE DER, LTE ANTENNEN Ba en Arhiiin 2 ER NBiS > ES aa a ha Er BE

EEE LE

zweiter (Fig. 3), 6,8 cm lang, ist nach einer Seite nadelförmig zu- gespitzt, nach der andern stumpf auslaufend, sehr dünn und zierlich in der Mitte mit leichter, vierkantiger Anschwellung. Bronzepunz- stift (Fig. 3), 7,5 cm lang, mit einem 4 cm langen Schaft, vierkantig von der Mitte an bis an das nicht sehr spitze Ende. Der vierte Bronze- stift (Fig. 3) ist 5,5 cm lang, nach beiden Seiten am Ende zugespitzt, in der Mitte mit einer doppelkantigen Auftreibung, dünn.

Die Keramik des Grabes besteht nur aus kleinen Bruchstücken, welche Schlüsse auf bestimmte u. > BEUSPEFTIEH Beigaben nicht zulassen. Einzelne mittelalt f verstreut. Die Farbe der bronzezeitlichen keramischen Fragmente ist entweder grauschwarz oder rötlich gelb, auch gelblich braun. Unter den 5 in Fig. 4 abgebildeten Bruchstücken ist ein dickes, bräunlich-gelbes Stück mit einer. senkrechten Strichverzierung (Fig. 4), ein schwärz- liches Randstück mit bauchigem Rand und breitem, abgesetztem Hals, ein Randstück von grauer Farbe mit schmalem Rand und verjüngtem Hals, ein kleines Bruchstück mit schmalem Rand ohne Halsteil.

Fig. 4

Skeletteile von Menschen fehlen ganz. Zerstreut in verschie- denen Tiefen legen kleine Bruchstücke von tierischen Skelettresten darunter Ziegenzähne und Schweinsferse.

Epikritisch betrachtet beansprucht das frühbronzezeitliche Brand- grab in der Ruherten unser volles Interesse, weil es die seltene Er- scheinung zeigt, daß in einer sehr glücklichen Lösung der felsige Boden zum Fundament der Grabkammer verwendet und darauf, wenn auch die Regelmäßigkeit der Konstruktion nicht deutlich er-

Ye re er furieen

Br,

kennbar war, der Grabbau errichtet wurde. Von den Beigaben dürfen die versch edenen Größen von Randäxten süddeutschen Types in einem Grabe für unseren frühbronzezeitlichen Kulturkreis als Selten- heit erkannt werden. Das hervorragendste Stück des Grabinventars, welches im Zusammenhalt mit dem übrigen Bronzeinhalt chrono- logisch der Bronzezeitstufe Montelius I.—II. eingereiht werden muß, ist die Nadel mit der kleeblattartigen Kopfplatte. Bei der Eigenart der technischen Durchführung übernimmt hier die Rollenbildung die Be- stimmung, einem Faden oder einer Schnur als Öse zu dienen, welche das Tragen der Gewandfalte besorgte. Diese Nadelart ist im Formen- kreis frühbronzezeitlicher Gräber gut bekannt, für unsere archäologische Zone ist sie vollkommen neu. Sie hat in Böhmen, Schlesien und Hessen ihre Vertreter. Die Ruherten-Nadel bildet eine Variante des Types, welcher sich an die böhmische und schlesische Art anschließt, jedoch in Formgebung und Ornamentik nicht mit diesem sich deckt. Einer Mitteilung des K. Konservators, Herrn Dr. Reinecke-München, verdanke ich die Kenntnis des Vorkommens desselben Types in dem Fund von Spätzlin bei Friedberg in Oberhessen, ein Fund, der noch nicht publiziert ist. Das Wissenswerte der Variante der Ruherten-Nadel besteht darin, daß das obere der Kleeblätter in eine bandförmige Leiste umgeformt und mit der Einrollung versehen, das untere ampullenförmig ausgezogen ist. Auch die Gravierung der Kopfplatte ist originär. Die Ruherten-Nadel ist eine wertvolle _ und künstlerische Arbeit, wenn sie auch kleine technische Mängel zeigt, distanzielle Unterschiede der Entfernung der feinen, punkt- förmigen Ornamentierungen, Ungleichheit in der Tiefe der Punzung der Punkte, Fehler in der unregelmäßigen Form der Bogenführung der Punktlinien.

Diese neue Variante halte ich in ihrer Fortbildung und Weiter- entwicklung schon bekannter Typen nach der dekorativen Seite hin für sehr beachtenswert. Sie vereinigt in sich sehr glücklich die Grund- sätze der Zweckmäßigkeit und Schönheit und kann als brauchbarer, praktischer Benützungsgegenstand, wie als ein dekoratives Schmuck- stück gelten. Die künstlerische Formgebung ist der Natur glücklich ab- gelauscht und derselben harmonisch angeschlossen. Der dekorative Schmuck, die Linienführung der Ornamente zeigt natürliches, künst- lerisches Empfinden, indemsie den Eindruck der zarten Form der Kopf- platte nicht aufdringlich stört und ihre Wirkung für den Beschauer _ nicht erstickt. Die Künstlerhand, welche der Nadel Form und Schmuck

gab, hat damit einen bedeutenden Fortschritt der ihr verwandten Formen erreicht. Die Ruherten-Variante ist den Rollnadeln mit dekorativer Entwicklung der Kopfplatte zum Schmuckstück zuzu- zählen, wiesie aus dem Wallis, Schlesien, Hessen, Böhmen bekannt sind. Lissauer schließt den typologischen Zusammenhang dieser Gruppen zueinander aus. Er glaubt, daß die Entwicklung dieser Formen aus der allgemein verbreiteten und langlebigen Rollnadel an verschiedenen Punkten und zu verschiedenen Zeiten sich selbständig vollzogen habe, so in der Schweiz, in Ungarn, in Böhmen, im Kaukasus. Dieser Anschauung kommt der Fund in der Ruherten zu Hilfe, der typologisch in seiner Gesamtheit betrachtet, mit frühbronzezeitlichen Funden in Schlesien, Hessen, der Schweiz nichts gemeinsames hat. Die Provenienz der Ruhertener Variante muß aus dem böhmischen Formenkreis abgeleitet werden, der mit den frühbronzezeitlichen Typen der archäologischen Zone des Frankenlandes und der Oberpfalz in Verwandtschaft steht, eine Verwandtschaft, deren genaue Beziehungen und Kongruenzerscheinungen für uns fränkische Archäologen immer bestimmter und klarer heraustreten.

[3 =

Von

"Dr. WILH. GRAF ZU LEININGEN.

Über Erdpyramiden. Hierzu die Tafeln I und 2.

Von Dr. Wilh. Graf zu Leiningen, Privatdozent an der Kgl. Universität Münc

Eine auffallende Oberflächenerscheinung, welche hauptsächlich Ge- “. birgsländer darbieten, sind die Erdpyramiden; soweit Tirol in Frage kommt, findet man solche Brenneraufwärts schon kurz nach Innsbruck in den Glazialschottern an der Brennerstraße gegenüber der Station Patsch, ferner im Pustertale, im Eisaktale südwestlich von Schabs, vor allem um Bozen (am Ritten, im Eggentale usw.) und Meran (bei Schloß Tirol usw.), endlich im Cembratal bei Segonzano. "Zahlreiche Vorkommen, auch außerhalb Br Tirol, erwähnt Kittler (siehe unten!).

Das Wesen der Erdpyramiden und ihre Entstehung ist längst er- forscht; Charles Lyell war es, der als erster eine wenn auch nicht ganz zutreffende Erklärung von der Entstehung der Erdpyramiden im Gebiete des Finsterbaches (am Ritten) gab; er wird von den Geologen und Geographen in der Folge oft zitiert (Principles of Geology), dann aber war es vor allem Ratzel, der in seinem Aufsatze „Über die Entstehung der Erdpyramiden“ (Jahresb. der Geog. Ges. in München 1877/79, 6. Heft) diesen Gegenstand so ausführlich behandelte, daß schon in seiner Abhand- lung so ziemlich alles Grundlegende enthalten war. Der gleiche Forscher beschreibt die Erdpyramiden auch in seinem Werke „Die Erde“ und gibt sehr gute Abbildungen von solchen. Nach ihm hat Kittler die um- fassendste Arbeit über diesen Gegenstand geliefert (Über die geographische Verbreitung der Erdpyramiden, Münch. geogr. Studien 3. Stück).

Sigm. Günther (Sitzungsber. der K. B. Ak.d. W. math.-phys. Klasse Bd. 32 und 34) befaßt sich ebenfalls eingehend mit diesen Pro- blemen. Die genannten Autoren teilen auch die gesamte Literatur mit, weshalb ich davon absehe, die zahlreichen Publikationen zu erwähnen. Aus neuerer Zeit möchte ich noch einen Artikelvon Ludw. W. Günther (Reclams-Universum 25. Jahrg. Heft 50) mit guten Abbildungen und einer

schematischen Darstellung der Entstehung von Erdpyramiden erwähnen. E Ich will nun aus alten und neuen und meinen eigenen Beobachtungen haupt- 2

sächlich das Gesetzmäßige hervorheben und muß im übrigen auf ° die Literatur verweisen. | # Hier schicke ich gleich voraus, daß die Bezeichnung „Erdpyramide“ en Sammelname für solche Gebilde ist. Häufiger ist die Form des Kegels und abgestumpften Kegels, die der Pyramide und abgestumpften Pyramide ist seltener anzutreffen.

ne Sn a

Die höchsten Erdpyramiden werden immer da anzutreffen sein, wo diluviale Ablagerungen vorhanden sind, denn solche füllen selbst sehr tiefe Täler aus, während in der Regel weder Gehängeschutt und ; noch weniger gewachsener (Verwitterungs-) Boden die bedeutende Mächtigkeit wie jene erreicht; damit können auch Erdpyramiden, welche sich aus beiden letzteren Bildungen herausmodellieren, nicht die Höhe erlangen, wie solche,

die aus den mächtigen Glazialschottern, Blocklehm und ähnlichen Talaus- - füllungen hervorgegangen sind. Jedoch sind die Erdpyramiden keineswegs an Diluvialablagerungen gebunden. Kittler führt zahlreiche Vorkommen, insbesondere auch außereuropäische an, bei denen Erdpyramiden aus Kon- ' glomeraten und Breccien, Gehängeschutt, al ee Laterit, Tuffen usw. entstanden sind. Wenn sich nun in leicht umbildungsfähiges Material, wiein den Moränen- schutt am Ritten, der als „Blocklehm“ anzusprechen ist, Wasserläufe ein- graben, auch nur periodisch gefüllte Adern kleinster Dimension, und diese Rinnsale kulissenartige Vorsprünge aus dem erodierten Gelände heraus- arbeiten, so können aus diesen schmalen Erdwänden, besonders wenn sie oben in einen scharfen Grat auslaufen, endlich durch fortdauernde ' Niederschlags- und Erosionswirkungen eine ganze Reihe kegel- oder pyra- midenförmiger Gebilde, in der Regel Erdpyramiden genannt, hervorgehen. Das Zustandekommen einer Kulisse, sei dieselbe auch noch so kurz, ist Vorbedingung für die Ausbildung von Erdpyramiden. (Hierzu die schema- tische Darstellung von Ludw. W. Gürther am Schlusse dieser Abhandlung.)

Weniger ist hierbei die mechanische Kraft der fallenden Regentropfen als die erodierende Gewalt der abrinnenden Niederschlagswässer tätig. Doch kann durch die Fallkraft der Regentropfen viel Kleinarbeit geleistet werden, z. B.. das Abbröckeln kleiner Erdteilchen. Die chemische Wirkung der in den Meteorwässern r gelösten Kohlensäure usw. tritt ebenfalls in den Hintergrund. f

Das Material, aus dem Erdpyramiden von größerer Form und Anger Dauer hervorgehen, muß zwar einen festen Zusammenha

ME TEEN

ieh te Den Zn

TE 1 2 a ge on, ER

BE ER ET r J 2. rt 59

u a area aan a) BZ Aush nah _ Fun

u ling u Sun as an Bun ne an Tanz > use die Hain ou

haben, aber damit auch eine verhältnismäßig leichte Zerfällbarkeit durch fallendes und fließendes Wasser verbinden. Verwitterungsböden, vor allem solche-mit einem reichen Tongehalt, also auch Blocklehm, sind Bi: zur Ausbildung von Erdpyramiden geeignet, nicht aber anstehende Gesteine. Selbst nicht aus weichen Gesteinen, leicht verwitternden Sandsteinen, Kreide (wie sie z. B. auf Rügen vorkommt), noch weniger aus Kalk oder Dolomit können so feine, zarte Gebilde hervorgehen wie aus tonigem Material oder Sand- und Kiesablagerungen mit tonigem Zement; eine gewisse Verwandt- schaft mit den Erdpyramiden haben allerdings die Wissover Klinken (aus der Kreideformation Rügens entstanden) oder die Felstürme der Dolo- miten usw. Auch die merkwürdigen Formen des „Büßerschnees“ sind in verwandtschaftliche Beziehungen zu den Erdpyramiden gebracht worden (Brakebusch u. a. von S. Günther zitiert). En Eine vorhergehende oder von vorneherein bestehende Zerklüftung

(die z. B. im Blocklehm des norddeutschen Flachlandes oft genug wahr- nehmbar ist, teils durch Eisdruck, teils durch das Schwinden der nach der Eiszeit mehr und mehr austrocknenden Tonpartikel des Bodens hervor- = gerufen) begünstigt die Erosion natürlich bedeutend, ist aber für das Zu- standekommen von Erdpyramiden nicht notwendig, bei dem Vorkommen am Ritten auch nicht wahrnehmbar.

Die Auflösung der Kulissen in einzelne Teile tritt bei den (im Gegen- satz zu festen Gesteinen) verhältnismäßig leicht angreifbaren Schuttmassen (auch ohne präexistierende Zerklüftung) mit Hilfe der Atmosphärilien und der Erosion gar bald ein und aus den Erdwänden wittern einzelne mehr oder minder der Pyramiden- und Kegelform ähnliche Gebilde heraus. An- schaulicher als durch irgend welche Erklärung wird diese Tatsache durch eine von Herrn K. K. Forstinspektionskommissär, Ingenieur Dr. Stiny (Innsbruck) aufgenommene Ansicht eines steilen Bruchhanges mit Ero- sionsfurchen. Die kulissenartigen Vorsprünge in den Schottern des Syl- vesterbaches bei Toblach zeigen ausgesprochene Neigung zur Entstehung von Erdpyramiden (siehe die Abbildung 2 auf Tafel 1.)

Man kann auch am Ritten sehr gut verfolgen, wie aus den groben Gebilden der größeren Pyramiden einzelne Säulen und Kegel herausmodel- liert werden. Ich habe Kittlers Aufnahme einer re vom Finsterbach (Ritten) aus dem Jahre 1897 oder früher stammend mit meinen Aufnahmen (1907) verglichen, und schon in dieser für geologische Verhältnisse gewiß kurzen Zeit sind massige Pfeiler in ein Haufwerk von Kegeln und Pyramiden aufgelöst worden, in den Gruppen haben sich also die Individuen vermehrt. Nicht nur das, die Gruppen selbst sind zahl-

%

' reicher geworden, dadurch daß in den Einrissen seitlich neue Kulissen ent- standen sind, die dann wieder in Pyramiden zergliedert wurden.

Die Zerfällbarkeit des Materials besteht also ohne Zweifel; aber auch die andere Bedingung für das Zustandekommen der Erdpyra- miden ist vorhanden, eine gewisse Bindigkeit, ein Zusammenhalten der Erdmassen, denn in lockerem Erdreich wäre in dieser Zeit durch 1 Zusammensturz und Nachrutsch nur ein Absinken des ganzen Hanges erfolgt. R

Jede einzelne Erdpyramide spitzt sich immer mehr zu und wird dann

um so höher erscheinen, je tiefer die ablaufenden Wässer an ihrem Fuße in die Erdmassen einschneiden. Die Kegel und Säulen können um so höher

und um so dünner werden, je stärker der Zusammenhalt der Bodenbestand- teile ist, aus denen sie hervorgehen. Endlich aber, wenn die Belastung der unteren Teile der verhältnismäßig dünnen Kegel zu groß wird oder Unterspülung stattfindet, müssen diese zusammenbrechen und ihre Trümmer werden insbesondere an Steilhängen bald fortgeschwemmt. Erdkegel,

welche von einem Blocke bedeckt sind, der auf ihnen liegen geblieben war, |

als sie aus Moränen oder aus Schutt hervorwuchsen, werden Dank diesem

Schutze gegen Niederschläge älter werden und damit eine Höhe annehmen,

die ohne eine Bedachung nicht erreicht werden kann. In letzterem Falle werden sich die ablaufenden Wässer am Fuße der Kegel zwar auch tiefer insdas Schuttmaterial hineingraben, die Kegel auf diese Weise erhöhend, aber von oben her wirken die Niederschläge abtragend und die Höhe ver- mindernd. Den gleichen Schirm wie Decksteine gegen die Gewalt des E fallenden Regens gewährt Rasen oder ein Baum, der auf ihnen. wurzelt.

-

Nach den bisherigen Ausführungen gibt es also 2Typen von Erdpyramiden, solche mit einem Deckstein, welche ein pilzförmiges Aussehen haben, und solche ohne Schutz, von zucker- hutförmiger Ausbildung; zur Ausbildung von Erdpyramiden sind En Decksteine, wie schon Ratzel ausdrücklich hervorhebt, nicht not- . wendig, denn auch ohne daß sich Steine auf oder in der Moräne vorfinden E (welche die gedeckten Stellen von vorneherein und auch später gegen den Angriff der Atmosphärilien schützen, während zwischen den Steinen die 2 Erosion angreift), werden in den Moränen und im Schuttmaterial Einschnitte und Zerklüftungen hervorgerufen, die zur Ausbildung von Erdpyramiden führen können. Gleichgültig für die endliche Form der Erdpyramiden | ‘sind Decksteine, aufsitzende Bäume und Rasenstücke allerdings nicht. Indem das Wasser an den Rändern der Steine, an den Wurzeln und Rasen- _ decken abrinnt, wird es der darunter entstehenden Pyramide natürlich die

_Umrißform des Deckmaterials aufprägen; es werden regelmäßig Beziehungen zwischen der Form des der Erdpyramide auflagernden Objektes und dem Verlaufe der Einrisse, die durch das ablaufende Wasser hervorgerufen werden, zu beobachten sein.

Die Erdpyramiden mit Deckstein sind in Tirol meist nur im Block- lehm verbreitet; in den Schottern, z. B. gegenüber Patsch, fehlen solche;

übrigens entbehrt selbst im Blocklehmgebiet am Ritten die Mehrzahl von .

Erdpyramiden eines Decksteins, denn die Geschiebeführung ist dort eine durchaus ungleichartige und lokal fehlen Geschiebe oft ganz.

Im allgemeinen sind Erdpyramiden, welche einen Deckstein besitzen, stets die schlankeren, falls aus dem betreffenden Schutt überhaupt schlanke Gebilde entstehen können. Aus grobem Schotter, der viele nuß- faust- kopfgroße Rollsteine enthält, wie dies in fluvioglazialen Gebilden häufig der Fall ist, werden niemals schlanke, hohe und zierliche Erdpyramiden hervorgehen, wie wir sie im Blocklehmgebiet des Rittens sehen. Man kann dort einzelne mit 30 m Höhe, ziemlich zahlreiche mit 12 m Höhe treffen, 6—8 m ist die Durchschnittshöhe. An der Basis beträgt der Durchmesser

dabei oft nur 1-2 m. Kittler erwähnt sogar Erdpyramiden von 100 .

und 180 m Höhe, welche in den Kordilleren beobachtet wurden. Wo aber Schutt und Geröllschichten von Sandlagen durchzogen werden, wie das anderweitig (Patsch, Pustertal etc.) der Fall ist, da wittern solche Schichten

leicht aus und verursachen den völligen oder teilweisen Zusammensturz Fe dieser viel plumperen Gebilde; besonders wenn kopfgroße Steine, wie sie in =

Glazial- und Flußterrassenschottern nicht selten sind, herausbrechen, stürzt

nur allzuleicht der darüberhängende Schutt nach. Dies gilt gerade für

die Erdpyramiden gegenüber von Patsch, welche kein so kräftiges Binde- mittel wie die am Ritten besitzen; dort trifft man neben halbfertigen Erd- pfeilern, die erst aus der Schottermasse erodiert werden, und neben stumpfen, zuckerhutförmigen Gebilden auch mehrfach die Form des abgestutzten

(in den oberen Teilen zusammengestürzten) Pyramide. Die Wechsellage- B

rung von Kies und Sand, grobem und feinem Geröll tritt bei diesen deut- lich hervor; auch eine von Kittler abgebildete, aus Glazialschutt be-

stehende Doppelpyramide (von Gödnach-Görtschach im Pustertale), welche eigentlich mehr die Vorphase zu typischen Erdpyramiden darstellt, ist schon, ee bevor sie dieses leztere Stadium erreichte, Mitte der 90er Jahre gelegentlich

eines längeren Regens eingestürzt. (Mitteilung von Herrn Dr 3 ti ny). In Sanden kann zwar mitunter durch Kalkausscheidungen wenigstens

einigermaßen die Form konserviert werden, indem die Sand- und Kiesteile etwas zusammenbacken, aber von großer Bedeutung ist dieses Schutzmittel

‚Schon wegen seiner chemischen Angreifbarkeit nur selten.

EIS

Mai A ET A re Fee u a

GREEN

Ich habe mir seinerzeit bei der Besichtigung der Erdpyramiden gegen- über Patsch keine Notizen gemacht. Nachdem dieses Vorkommen bisher nicht genügend geschildert wurde, mag es mir gestattet sein, hier die geolo- gischen Verhältnisse darzulegen und ein Profil der dortigen Schichten bei- zugeben, beides von Herrn Dr. Stiny mir auf meine Bitte gütigst über- mittelt.

„Diese Erdpyramiden sind am schönsten ausgebildet am sogen. Burg- stall (896 m), einem schmalen Rücken zwischen Sillfluß und Rutzbach, und zwar auf der Ostseite; ähnliche, jedoch lange nicht so typische Bildungen, sieht man auf der Westabdachung des Burgstalls, sowie in jenem Graben, der etwas nördlich von der Stephansbrücke in den Rutzbach mündet.

ZUSRLOfIr Tond 1:

Grundmoräne des Burgstall

Stausande u. Schotter, horizontal gelagert.

Verfestigte Bank in den Schottern.

Interglazialer Mur- schutt.

Phyllit.

Feinsand.

Die Erdpfeiler sind aus Terrassensanden und Schottern herauspräpa- riert, die nur eine verschwindend kleine Menge von Lehmbeimischung ent- halten; diese genügt gerade um die Steilwände stellenweise mit einem, aus den abfließenden Regenwässern abgelagerten dünnen Häutchen zu überziehen; ungefähr in halber Höhe streicht eine etwas besser verfestigte Schotterschicht durch, welche die Schutzkappe mancher Pfeiler, deren größte 5—10 m mittleren Durchmesser besitzen, bildet. Die Unterlage der Stauschotter bildet vom Kilometer 14 bis etwa 9,7 der Brennerstraße ® ein feiner glimmerreicher Wellsand, bei Kilometer 9,7 bis ungefähr 9,4 interglazialer Murschutt, bei Kilometer 9 eine Grundmoräne, die auch Blaas (Geolog. Führer von Tirol S. 408) erwähnt. Zu unterst steht überall Phyllit an. Eine Haube von undurchlässigem Grundmoränenmaterial E bedeckt die Terrassenschotter, welche infolgedessen sehr trocken sind und # die een Formen lange erhalten“. Siehe die Profile! 4

sd EEE TE u ir, ee NEE NR ENTE ee EHRE NR SEO a ee a EBENE ER Be a Peg ran 3 ee re BT TE a y ME R ENTER AER HR u a BREHLINE f 63 $ i t ß &

Ihre stärkste Verbreitun g haben aus den schon angeführten Gründen die Erdpyramiden an den Abhängen von Erosions-

tälern im Glazialschutt. Je steiler die Abhänge sind (am »

Ritten bei Lengmoos 40—50°) und je mehr sich die Niederschläge auf eine

bestimmte Jahreszeit häufen (Schneeschmelze, Kittler schreibt den Herbstregen für die Bozener Gegend eine große Bedeutung zu), um so schärfer schneiden die Tagwässer in den Boden ein und arbeiten unter solchen Umständen vielmehr erodierend als gleichmäßig über das Jahr verteilte Niederschlagsmengen; gerade in Wildbachgebieten und im Süden ist dies der Fall, darum treffen wir dort auch so viele und hohe Erd- kulissen und Erdpyramiden. Vegetation, welche gegen Erosion einiger- maßen schützen könnte, fehlt an solchen Steilhängen entweder ganz oder

weist durch vorhergehende Murgänge schon bedeutende Lücken auf. Je

größer der Neigungswinkel der Gehänge ist, um so schneller schaffen herunter-

rinnende Gewässer abbröckelnden oder heruntergeschwemmten Schutt '

zwischen den Kulissen und Pyramiden hinweg; hierdurch wird der Fuß der Erdpyramiden frei gehalten, ja auch noch nach unten verlängert, und SO wirkt die Erosion gewissermaßen auch noch von unten her fördernd auf

die Entstehung der Erdpyramiden. Aber inder Talsohle von Wasser-

läufen werden Erdpyramiden selbstverständlich nicht zustande kommen, wenn die betreffenden Rinnsale auch nur zeitweise reichlich Wasser führen,

was z. B. gerade für Südtirol zutrifft. An den Abhängen schreitet die Bil- i

dung der Pyramiden und Pfeiler gegen die Hänge hin vorwärts und findet a auch heute noch in unveränderter Weise wie früher statt. Abhänge sind

aber an und für sich nicht die Voraussetzung des Weiterschreitens der Erd- Pyramidenbildung; hat diese einmal an einem Abbruch der Schutt- oder Moränenmassen begonnen, so erstreckt sie sich weiter, auch wenn im Hinter- lande ein völlig ebenes Plateau liegt; dann liegen die Gipfelpunkte stein- bedeckter Erdpyramiden so ziemlich in einer Horizontalebene, vorausge- setzt, daß die Geschiebeführung ebenfalls horizontal angeordnet ist. Zucker- hutartige Erdpyramiden werden aber, auch wenn sie aus einem völlig ebenen

Plateau hervorgehen, auf der Seite der jüngsten (aber niedersten) Gebilde

mit den Gipfeln noch in die Ebene der Plateaus reichen; die älteren aber, welche talwärts liegen, können, obwohl sie nach Maßgabe der Zeit, die seit 2 . Beginn ihrer Entstehung verstrichen, am meisten aus der Grundmasse herauserodiert sind, nicht mehr an die Luftlinie des Plateauhorizontes reichen, da gerade die älteren durch Niederschläge und Verwitterung von oben .

her an Substanz verlieren und so relativ niederer werden.

Das Fortschreiten der Erosion (und Pyramidenbildung) gegen .

den Talhang hin, entgegen der Gefällsrichtung der abfließenden Gew:

RER

er

and en a er ee

N 3 2 KA Er a Ei

Sa ee

und Einrisse in die Plateaus kann natürlich wirtschaftliche Schäden nach. E

sich ziehen. Wälder und Wege, auch Ortschaften, können gefährdet werden. Um die Weiterverbreitung zu verhindern, gibt es ein einfaches Mittel, welches

ich an einer Stelle oberhalb der Erdpyramiden am linken Ufer des Finster- baches angewendet fand. Es führt dort hart am Rande der mit einigen Hundert Erdpyramiden besetzten Schlucht ein Weg vorbei; um ein weiteres Ausbuchten des Absturzes gegen den Weg und die Felder hintanzuhalten war gerade über dem Rande des Abhanges ein niederes, langes Bretter- dach errichtet worden; da Tagwässer, welche erodieren könnten, an dieser Stelle in die Schlucht nicht einmünden, erfüllt es völlig seinen Zweck und schützt die Steilwand gegen die Kraft des fallenden Regens. Dort ist auch

_ ein Stillstand in der Entstehung von Erdpyramiden eingetreten.

Die Menge und Verteilung der Geschiebe, welche

im Blocklehm usw. enthalten sind, wird entscheidend für die Form und

Größe der Erdpyramiden. Liegen die Geschiebe alle mehr in einer Hori- zontalebene nach Art der sogen. Geschiebepflaster, so werden. die pilzför- migen Erdpyramiden alle ziemlich gleich hoch sein; sonst, wenn sie regellos in der Moräne verteilt sind, wittern verschieden hohe Erdpyramiden heraus, auch tragen einzelne in ihren unteren Teilen noch kleinere derartige Ge- bilde, die sich ihnen wie Stützpfeiler angliedern.

! Wenn man auch, insbesondere bei Signat (am Ritten), Erdpyramiden von auffallender Höhe einzeln oder nur ganz wenige davon beisammen- stehend finden kann, so ist es doch die Regel, daß sie in Gruppen, meist in lang auseinander gezogenem Truppe, dastehen, wie dies ja auch ihrer Entstehung aus Kulissen entspricht. In den unteren Teilen sind die Kegel miteinander verwachsen. Zwischen den Gruppen schneiden tiefere Ero-

- sionsfurchen ein, in denen sich gleichwie auf den Talsohlen von Gebirgs-

bächen wegen allzustarker Erosionswirkung abfließender Gewässer Erd-

pyramiden nicht halten können. (Siehe Abb. 1 auf Tafel 1.)

Sind sehr viele Geschiebe regellos in der Moräne verteilt, so können sich keine schlanken Kegel herausbilden, es werden dann durch Erosion aus der Moräne Gebilde nach der Art der geologischen Orgeln entstehen, wie wirsie von der Nagelfluhez. B. im Isartale kennen, derbe, pfeilerartige Vor- sprünge, mehr oder minder kanneliert, aus denen viele Felsstücke herausragen.

Erdpyramiden, von denen der Deckstein absinkt, gehen von der pilz- förmigen Ausformung in die Zuckerhutgestalt über und erhalten sich auch nach Verlust des Decksteins noch lange. Mangeln Geschiebe größerer Art

F zur se NEN.

EEE FE ee Se N

in der Moräne, so entstehen von vorneherein nur zuckerhutförmige Erd- pyramiden, näher oder weiter von einander entfernt; ihre Höhe richtet sich nach der Differenz zwischen Erosion am Fuße und Abtrag am Gipfel.

he en

ee a ix

En TR RN RE TRE EHEE En EEH TN DER age RS. Te Re PR \ II 1 REES Y ® a N are un eu en E BRGABRRETSRO Ee cp ARTE fi ! i RB: x ; 4

Es ist, wie angedeutet, keineswegs gleichgültig, welches Material es ist, das die gröberen Sandteilchen, den Gruß und die Blöcke in den Erd- pfeilern und Kegeln zusammenhält. Hat zwar schon sehr feiner Sand eine geringe Kohäreszenz, so ist das in höherem Grade der Fall bei der Gegen- { wart von Tonpartikeln in der Grundmasse. Die Bozener Erdpyramiden sind bekannt wegen ihrer Schlankheit und Dauerhaftigkeit. Manche der- selben haben unter ihrem Decksteine eine Dicke von nur 30 cm und sind dabei sehr hoch, 12, ja 15 m und noch mehr. Daß sie tatsächlich sehr fest Sind, dafür mag als Beweis dienen, daß auf eine derselben mit einer Krupp- Schen Gebirgsartilleriekanone geschossen wurde, ohne daß die Pyramide h dadurch Schaden gelitten hätte. Auch Ratzel weist schon darauf hin, daß man beim Klettern im Gebiete der Erdpyramiden am Ritten dem Schutt- boden mehr trauen darf als es sonst für Bergsteiger geraten wäre. Ich wollte auch einmal das Material, aus dem Bozener Pyramiden hervorge- gangen sind, Blocklehm aus der Grundmoräne des diluvialen Eisakgletschers, untersuchen; es war nicht möglich von einer Erdpyramide ohne weiteres Erdreich wegzunehmen, sondern es bedurfte dazu kräftiger Schläge mit dem Gesteinshammer. Die mechanische Analyse (durch Sieben und Schlämmen), zu der ein halbes Kilo lufttrockenen Lehmes ange were $ wurde, ergab folgende Resultate:

Auf 100 gr lufttrockener Substanz berechnet ergaben sich Bodenteile N von einer Größe 2

über 6mm 8,52 gr

a ER: Hu e ie. 1,53 » a ı..8 3 4

ER 1,85,

2.5 731 »

0,5 12,12 unter 0,5 58, 95 ”„ darin 35,72 gr Rohton ne 99,34 % x Das Material unter 0,5 mm enthält also 60,5 % Rohton, wobei hie

dieses Blocklehmes herrscht. Außerdem ist eine Erdpyramide leicht im- Stande auch das ganze Quantum selbst stärkerer Niederschläge aufzusaugen, ohne daß an der Außenseite viel Wasser abrinnt und damit eine Abschwemmung von Substanz stattfindet. Es ist ge e

daß leichtere bis mittlere Niederschläge überhaupt gar keine zerstörende Kraft auf die Erdpyramiden ausüben. Nur am Fuße derselben wird die Summe von abrinnenden Gewässern je nach ihrer Menge entweder weiter erodieren und damit die Länge der Erdpyramiden vergrößern, oder aber, wenn die Wassermengen zu groß werden, durch Unterwaschung eine Ge- fährdung herbeiführen.

Ich kann mich hier den Ausführungen Ratzels, der sagt, daB ö „jedes Stückchen dieses Schuttes in Berührung mit auch nur wenig Wasser sogleich in Brei zerfließt“, nicht anschließen, denn selbst lose Schutt- brocken vermögen viel Wasser aufzunehmen ohne dabei zu zerbröckeln; es ist also gerade das Gegenteil der Fall, zum Glück für den Fortbestand dieser Naturdenkmäler. Es ist zu vermuten, daß Ratzel vielleicht ganz kleine Stückchen des Moränenschuttes damit gemeint hat; ich versetzte. mit Hilfe einer Bürette ein hühnereigroßes Stück aus einer Erdpyramide am Ritten stammend, allmählich tropfenweise (wie dies ja auch bei Nieder-

schlägen ähnlich geschieht) mit Wasser und konnte bis zu 10 Gewichts- prozenten Wasser zuführen, ohne daß ein Zerfall eintrat. Ich wiederholte das, nachdem das Stück immer wieder ausgetrocknet war, etwa 10 Mal, ohne daß auch nur die Oberfläche in ihrer körnigen Struktur irgendwie Einbuße erlitten hätte. Massive Stücke des Moränenmaterials, also auch Erdpyramiden, können natürlich ohne Schaden zu nehmen eine prozentual | größere Wasserzufuhr vertragen.

Der besprochene feine, fleischrot gefärbte Tonschlamm ent- stammt ursprünglich dem Grödnersandstein, sowie der verwitterten Grund- masse des Quarzporphyrs. Beide Gesteine können sowohl schon an pri- märer Lagerstätte oder auch erst in die Moräne verschleppt verwittert sein. Der so entstandene äußerst feine Ton wird heute noch sowohl aus den betreffenden verwitternden Gesteinen als auch aus den Moränen, teil- weise natürlich auch aus den Erdpyramiden ausgeschlämmt. Die Gewässer, welche vom Guntschna und vom Rittenplateau herunterkommen, sind während der Schneeschmelze und nach heftigen Niederschlägen stark rot von solchem Schlamme gefärbt; er gelangt dann in beckenartigen Ver tiefungen zur Ruhe. Beim Austrocknen schwindet er stark, reißt und rollt sich wie trocknende Leimplatten zusammen. Am stärksten war diese Aus ' schlämmung während und nach der Vereisung, und hierauf ist die Ent- a stehung der Tonlager bei Siebeneich (diese sollen mindestens 18 m mächtig sein) und Eppan zurückzuführen!).

1) Hierüber und über die Bodenverhältnisse um Bozen siehe Naturw. Zeit- 4 schrift f. Land- und Forstwirtschaft 1907 Heft 10: „Reiseskizzen aus dem Süden“ vom Verfasser.

EHER

Daß es tatsächlich die Anschüttungen einer eiszeitlichen Vergletscherung sind, aus denen die um Bozen undjMeran anzu- treffenden Erdpyramiden hervorgegangen sind, beweisen die . Gesteine, welche man dort antrifft. In der Grundmoräne, welche das Tal des Finster- bachs und Katzenbachs, letzterer ebenfalls in das Rittenplatteau einschnei- dend, ausfüllt, findet man Tonalit (aus dem Brixenermassiv), Phyllit und Glimmerschiefer, sowie Quarzlinsen aus diesen Gesteinen stammend usw., alles durch den Eisakgletscher herbeigeschafft. Hauptsächlich bestehen die Geschiebe aber aus Quarzporphyr, welche der Gletscher auf seinem Wege aus der Bozener Porphyrdecke selbst aufgenommen hat. Um Meran (Schloß Tirol) sind es vor allem zentralalpine Gesteine aller Art, aus denen die Moräne hervorgegangen ist. Im übrigen findet man überall zahlreiche = Gletscherschliffe und gekritzte Geschiebe als Beweis für die glaziale. Ent- stehung des Schuttmaterials. Auch die gerundeten Formen einzelner Por- phyrberge zeugen von gewaltigen Gletscherwirkungen. Alle vorhin genannten Gestzinsarten können auch als Decksteine dienen. Manche davon Sm gegen 2 m lang und breit, dementsprechend gewichtig; so schwer belastete Pyramiden brechen am ehesten zusammen, indes sind die Decksteine meist viel kleiner, vermögen aber dennoch ihre Pyramide gegen Niederschläge E von oben her genügend zu schützen. Nicht uninteressant dürfte es sein, daß bei Erdpyramiden anderer Gegenden, welche aus vulkanischen Tuffen hervorgegangensind, Auswürflinge, sogen. vulkanische „Bomben“, als Decksteine dienen können.

Es ist einzusehen, daß Erdpyramiden aus einem Material, das viel Rohton enthält, besonders freistehende, hochragende schlanke Säulen, durch Frost wenig zu leiden haben; solche zarte Gebilde, von denen. man glauben möchte, daß ihnen die Sprengkraft des gefrierenden Wassers am ehesten schaden könnte, trocknen nach Niederschlägen leicht wieder völlig aus, zumal ja in den Tälern lebhafte Fallwinde eine erhöhte Luft- zirkulation hervorrufen und damit kann ihnen auch der Frost wenig anhaben.

Daß der Lehm tatsächlich rasch und vollkommen austrocknet, dafür spricht der Umstand, daß das Stück, welches zur Ermittlung der Wider- standsfähigkeit des Tones gegen Durchnässung mit Wasser tränkte, wieder das gleiche Gewicht wie vor der Benetzung aufwies, wenn es auch nur einen Tag frei an der Luft lag. a

Bei Erdpyramiden, welche aus grobem, kiesigem Schottermaterial mit Sandzwischenlagen bestehen, wird die Gewalt des Windes eine Rolle spielen, indem Sandteilchen, welche außen am Körper der Erdpyramiden

ee 5*

liegen, leicht weggeblasen werden und der Wind so das Zerstörungswerk der Atmosphärilien fördern hilft. Aber bei Erdpyramiden mit starkem Bindemittel kommt die Windwirkung wenig oder gar nicht in Betracht, denn außen sind diese Gebilde oft mit einem tonigem Kitt, der alle Sand- und Steinteilchen umhüllt und festhält, überzogen, sodaß auch Sturmwinde nur wenig Material entführen können’).

Erwähnen möchte ich noch den fast absoluten Mangel an Ve- getation im Gebiete der Erdpyramiden selbst. Mit Ausnahme von Bäumen auf den Gipfeln der Pyramiden, Flechten und Moosen, die man auf Felsen trifft, und einigen von den Abhängen heruntergesunkenen Bäumen fehlt an und zwischen den Erdpyramiden fast jegliche Flora. Es ist das begreiflich; ein Standort für Pflanzen bedarf einer gewissen Ruhe. Trotz der großen BR Stabilität der Bozener Erdpyramiden ist aber auch dort diese Voraus- setzung, wie schon angedeutet, nicht genügend gegeben. Einmal seiner

der geringen Niederschläge schwer wieder mit siner Pflanzendecke?). Um - alte, vereinzelt stehende Erdpyramiden, welche als letzter Rest ehemals großer Gruppen übrig geblieben sind, hat sich jedoch wieder Kiefernwald angesiedelt, so z.B. bei Signat. Es haben also die Erdpyramiden auch vonder organogenen Verwitterung (Sprengkraft und Kohlen- säureausscheidung der Wurzeln usw.) nicht viel zu leiden. Einemraschen Zerfall sind die Erdpyramiden nur dann ausgesetzt, wenn ihr Fuß vom Wasser unterspült wird, besonders falls sie in ihren unteren Teilen wasserführende Schichten enthalten*); beides gilt besonders für Erdpyramiden im Schottergebiete. Auch wenn große Steine durch Herausbrechen eine Lücke hervorrufen, stürzen die Pyramid.n leicht ein. Im allgemeinen sind diese Naturdenkmäler demnach von verhältnis- mäßig langer Dauer und, wo der Mensch sie nicht mutwillig zerstört, keines weiteren Schutzes bedürftig, ja es entstehen immer wieder neue und gar mancheVorkommen sind gegenwärtig noch im ersten Sta- dium der ‚Neubildung begriffen.

P) Eher wirkt der Wind bei der Eee ehndE mit, in dem er Schutt, der sich

phärilien zurück.

_ angeführten Grunde auch sicher in wenigen Menschenaltern ein zweiter Karst entstehen. 4)

zerstörend wirken können

Vegetation beraubter Boden überzieht sich in dieser Gegend schon wegen

sonst zwischen den Erdpyramiden anhäufen würde, hinwegführt; doch tritt die Wirkung des Windes natürlich bedeutend hinter die der Erosion und der Atmos

3) Bei der unglaublich sorglosen Waldwirtschaft in Südtirol wird dort aus dem

Herr Dr. Stiny schreibt mir diesbezüglich, daB gerade an der Grenze \

SPERT SEN,

zwischen dem dichteren, wasserundurchlässigen Moränenmaterial und den darüber lagernden durchlässigen Schottern die zu Tage tretenden Sickerwässer sehr stark

EFT

Das durch steil abfallende Felswände AB, A’B’ gebil- dete Tal ist mit Schotter- material oder durch Block- lehm ausgefüllt. CD ein Erosionsgraben, in den

Tätigkeit Kulissen schaffen, welche dann allmählich in längliche Gruppen von Erdpyramiden aufgelöst werden, indem der Grat der Kulissen durch Erosion

zergliedert wird.

Schematische Darstellung der Entstehung von Erdpyra- miden nach Dr. Ludwig W. Günther (Heidelberg) aus Reklams Universum.

E

Schematische Darstellung verschiedener Typen von Erdpyramiden,

(gez. vom Verfasser).

Gruppe 1 entspricht dem Vorkommen bei km 9 und 9,6 an der Brennerstraße (siehe die RR Er Schutzdecke en Kegel bildet eine verfestigte Schicht von Glazialschot

Gruppe 2 vom gleichen Ars; Er einige fertige Pyramiden, rechts solche in Bildung er, Schichten a Schotter und Sand treten deutlich hervo

Gruppe 3 Eine einzelne Be? hohe und schlanke Erdpyramide bei Signat (am

itten bei Bozen).

Gruppe 4 unge, kleiner Erdpyramiden mit Deckstein an eine größere

ruppe

Gruppe 5 Erdpyramiden, welche sich der Zuckerhutform nähern, links wieder eine Angliederung von kleineren Pfeilern, durch Blöcke in der Moräne hervorgerufen

Gruppe 6 Typische Ausbildung von Erdpyramiden, wie sie aus einer Moräne hervorgehen, welche im Gegensatze zu Gruppe 5 sehr viele, z. Zt. au ch sehr große Geschiebeblöcke führt.

Die Abbildungen 3 und 4 auf Tafel 2 sind mir vom Verlage. des „Universum“ in entgegenkommender Weise überlassen worden.

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XVIIl. Bd.

Tafel 1.

Abb. 1, Erdpyramidengruppe am linken Ufer des Finsterbachs bei Klobenstein (nach Aufnahme des Verfassers).

Abb. 2. Steiler Bruchhang mit Neigung zur Erdpyramidenbildung.

Zwischen den Erosionsfurchen sind kulissenartige Vorsprünge stehen

geblieben, welche sich in Erdpyramiden aufzulösen beginnen. Sylvester- bach bei Toblach (Aufnahme von Herrn Dr. ]. Stiny).

Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XVIIl. Ba. Tatel 2

R > BB

gap O,Bl

ke in Prien ar

( Abb. 3. Erdpyramiden am Ritten bei Klobenstein, aus der Grundmoräne entstanden. Im Hintergrunde hat die Pyramidenbildung erst begonnen.

Phot. F, Gratl, I

Ge 4. Erdpyramiden ohne Deckstein (zuckerhutartiger Typus) von Steinegg am linken er des Eisak, aus Porphyrschutt hervorgegangen, der keine grösseren Blöcke enthält.

Über Fossilfunde

im Rhät und im unteren Lias bei Altdorf in Mittelfranken r von Dr. Ernst Stromer, München.

Die obere Trias und der untere Lias ist in Mittelfranken so fossilarm, daß es sich lohnt, einige Funde zu erörtern, die ich im Laufe vieler Jahre in der Altdorfer Gegend machte und die ich der paläontologischen Staats- : sammlung in München schenkte. Auch bei Altdorf ist das Hangende und Liegende des Rhät, der unterste Lias und der rote Zanclodonletten, fast fossilleer. Es gelang mir nur, in der Breccie des letzteren bei Birnthon vor zwanzig Jahren ein 'Bruchstück eines großen Saurierknochens, wohl eines Beckenteiles eines Dinosauriers, zu finden und in den obersten Lagen des höchstens 21/3 m mächtigen Liassandsteines an mehreren Orten Gry- phaea arcuata und unbestimmbare rostig verwitterte Belemnitenreste, so- wie einmal unterhalb Schwarzenbachs eine Rhynchonella zu sammeln.

Es ist damit die marine Natur des dickbankigen, infolge seines Eisen- gehaltes bräunlich verwitternden Sandsteines, der infolge seiner Härte viel- fach als Terrassenrand und als oberste Stufe an kleinen Wasserfällen auf- geschlossen ist, auch für die Altdorfer Gegend bestätigt. Der gelblichweiße Rhätsandstein, der gegen ihn in all den zahlreichen Profilen, die ich auf- nahm, ziemlich scharf absetzt, ließ mich nur an zwei Orten bestimmbare Fossilien finden, vor allem Pflanzen, die Herr Professor Potonie in Berlin zu bestimmen die Güte hatte und einen Schabenflügel, den Herr Prof. Rothpletz in München zuerst erkannte und den Herr Dr. lirsch im Folgenden beschreibt. Bi

Die Fundplätze liegen am Oberende der Teufelskirche bei Grünsberg.

Und des gleichfalls schluchtartigen Teiles des Teufelsgrabens zwischen

Pretalmühle und Rasch; jedesmal dort, wo der kleine Bach über den Sand- steinrand des unteren Lias herabstürzt und wo wohl auf Schwefelkies oder Kohlen Stollen angelegt sind, die Lang in seiner Geschichte der Land-

‚stadt Altdorf als viele Jahrhunderte alt und auch Baier in seiner lief ‚St@pNla norica, Altdorf 1758 Seite 94, als aufgegeben erwähnt. |

In der Teufelskirche folgt unter dem vorspringenden Rande des harten braunen Liassandsteines: andstein oben gelb, unten weiß mit gelben Rostflecken, leicht verwitternd, 0,27—0,35 m 2. Sandstein hellbraun, mittelgrob, leicht verwitternd, 0,15 m. Sandstein weiß und hellgelb mit gelben Streifen, unten gröber, mit Pyritknollen und verkohlten wagrecht liegenden Baumstämmen, 2,5 m zirka, ganz unten 5 cm, etwas schiefrig, weich und mit kohligen Teilchen. 4. Schiefer sandigmergelig, dunkel mit weißen Glimmerschüppchen, voll Pflanzenhäcksel, unten mehr sandig; am Wasserfall bis zum Haupt- stollen etwa 0,18 m mächtig, rechts davon aber ausgekeilt und nur als

Streifen feinkörnigen Sandsteins mit Kohlenresten und Pyritkugeln an-

gedeutet.

5. Sandstein hellgelb bis weiß, grobkörnig, zum Teil weich und leicht verwitternd, dickbankig, mit Pyritknollen und wagrecht liegenden ver- kohlten Baumstämmen, 2,5 m zirka. In ihm zwei horizontale Stollen, der rechte nur wenige Meter lang, der linke mit Seitenstollen versehene noch 27 m weit bis zur Mündung des Schachtes (Silberloch) gangbar.

6. Sandstein gelb und gelbbraun, grob, leicht verwitternd, 0,6. m.

7. Mergel weißgrau, sandig, in eckige Brocken verwitternd, mindestens 0,30 m mächtig.

In Schicht 4 befanden sich an kleinen bestimmbaren Pflanzenresten: Brachyphyllum Münsteri Schenk (? Taxodineae) und Laccopteris Münsteri Schenk (? Marsiliaceae) nicht selten, Laccopteris Göpperti Schenk und ö Andriana baruthina Braun (Filices) in je einem, Equisetum Münsteri Stern- ° berg (Equisetaceae) in drei Stück.

“= Im Teufelsgraben befindet sich oben als Terrassenrand im Bach weit vorspringend brauner, sehr harter Liassandstein, feinkörnig, unten grob, 0,50 m und darunter zurückweichend:

1. Sandstein weiß, feinkörnig, ganz unten gelb, grobkörniger und leichter verwitternd, mit wagrecht liegenden, verkohlten Baumstämmen, 1,6 m. Unten in-ihm ein niederer horizontaler Stollen. E 2. Mergel grau, glatt, dünnschieferig, unten graubraun und rau und hier mit weißen Glimmerblättchen, voll verkohlter Pflanzenreste,

0,30 m, links und wohl auch rechts nach wenigen Metern auskeilend.

3. Sandstein, gelblich, mittelkörnig, 1,5 m mindestens, an der Sohle BE der Schlucht. .

Die Pflanzenreste der Schicht 2 sind selten schön erhalten, lösen | sich größtenteils leicht vom Gestein ab und lassen sich so von beiden Seiten her untersuchen. Leider zerfällt aber der von Feuchtigkeit a

ar | neh:

Schiefer meistens beim Austrocknen in ziemlich kleine Stücke, a ich fast nie größere zusammenhängende Reste erhielt. 5 Gut bestimmbar sind: Brachyphyllum Münsteri Schenk massenhaft und, vr wohl als Frucht dazu gehörend, Cheirolepis Schenk häufig, Palyssia Braunii Endt. ein Stück (Taxodineae); Zamites distans Schenk nicht selten, Podo- zamites distans Press. var. longifolia mehrere, Nilssonia polymorpha Schenk mehrere, N. acuminata Göppert, Pterophyllum Münsteri Schenk und Pt. Blasii Schenk wenige Reste (Cycadeae); Thinnfeldia rhomboidalis Ettingh. nicht selten, Th. decurrens Schenk, Sagenopteris rhoifolia Schenk und S. rhoifolia var. elongata wenige Reste, Acrostychites princeps Schenk und S. | Folia filicum circinnatum Schenk je ein Stück (Filices), Equisetum Münsteri Sternberg mehrere (Equisetaceae), Calamites Gümbeli Schenk zwei Stück (Calamariae), Laccopteris Münsteri Schenk ein Stück (? Marsiliaceae), a2 sowie endlich der scharfe Abdruck eines Schabenflügels Pedinoblatta Stro- E meri Handlirsch. a. Den Pflanzenschiefer fand ich, allerdings ohne brauchbare Reste, : auch in einem alten Bausandsteinbruche am Südhange des Schwarzach- tales westlich des Schwarzachsteges, der von Grünsberg nach Westhaid führt, etwa 2 m unter dem braunen Liassandstein lokal anstehend. Daß der Rhätsandstein der Gegend, dessen Charakter übrigens auf kurze Strecken wechselt, indem er z. B. lokal teilweise durch Mergel oder Ton ersetzt ist, eine ausgesprochene Süßwasserbildung ist, dürfte nicht zu bezweifeln sein. Obwohl ich falsche Schichtung oder Kiesstreifen, wie ich sie in ihm bei Taxöldern im Bodenwöhrer Becken fand, hier nirgends sah, hat er sich En. wohl in fließendem Wasser abgelagert, das Treibholzstämme mitbrachte, : 5 die als schwarze Braunkohle mit sehr deutlicher Holzfaserstruktur erhalten Sind, und in dem sich, wo lokal die Strömung schwach war, in ganz seichten Lachen feiner Schlamm absetzte. In ihm konnten sich Reste der offenbar | zum Teil in nächster Nähe einst vorhandenen Vegetation erhalten. Das | Liasmeer brachte aber dann ganz andere Verhältnisse, als es in die wohl ziemlich flache Landschaft von Südwesten vordrang; erst in seinen A Ablagerungen finden wir wieder verkohlte Treibholzstämme. |

an der Wolfshöhe bei Schnaittach und der Jägersburg bei Forchheim und den berühmteren oberfränkischen Fundpunkten. Die Vegetation war im Sanzen anscheinend nicht arm und ziemlich gleichartig, nur das Verhältnis = der Häufigkeit der einzelnen Formen wechselt natürlich ziemlich. Hier herrscht weitaus das zierliche Brachyphylium vor, auch Cycadeen und Farne sind nicht selten, Sumpfbewohner wie Schachtelhalme und Marsi-

liaceae aber treten im Teufelsgraben im Gegensatz zur Teufelskirche sehr zurück. Das Klima war wohl warm und nicht trocken, und wir sollten erwarten, entsprechend der einst reichlich vorhandenen Pflanzennahrung, eine nicht allzu arme Fauna vor allem von Insekten nachweisen zu können.

| Leider ist dem nicht so, denn Braun beschrieb 1860 aus Ober- - franken nur wenige dürftige Reste: eine Muschel, die zwei von Dr. Hand-

iirsch im folgenden besprochenen Insektenreste und einen Limulus, der also damals im Gegensatz zu seinen jetzigen nahen Verwandten im Süß- . wasser lebte, und ich konnte trotz eifrigen Suchens nur den einen Schaben- flügel in Schicht 2 des Teufelsgrabens finden. Bei dem großen Jnteresse, das Süßwasser- und landbewohnende Tiere der Trias verdienen, und da . es noch keineswegs gelungen ist, durch glückliche Funde zusammenhängen- vs _ der Reste, die auch Fortpflanzungsorgane zeigen, die systematische Stellung - aller obigen, sonst so trefflich erhaltenen Pflanzen einwandfrei festzustellen, = dürfte es sich wohl verlohnen, mit größeren Mitteln die genannten Fund- orte auszubeuten.

Über Insektenreste aus der Trias Frankens.

Von

ANTON HANDLIRSCH-Wien.

a a

ES A N En re

Über Insektenreste aus der Trias Frankens. Von Anton Handlirsch-Wien. Karbon, Perm und Lias haben uns bereits ein stattliches Material

an fossilen Insekten geliefert, so daß wir schon in der Lage sind, wenigstens sin annähernd richtiges Bild des damaligen Insektenlebens zu rekonstruieren.

Wir sehen, daß die frühjurassische Fauna von jener des Palaeozoikums wesent-

lich verschieden ist, und müssen auf die Existenz vermittelnder Formen in der Trias schließen. Leider hat uns aber diese letztere Formation bisher nur sehr spärliche Reste ausgeliefert, so daß jedem neuen Funde großes Interesse entgegengebracht werden muß. Ich freue mich daher, der An- regung Dr. Stromers folgend, hier einige Worte über neue und über alte vergessene Funde aus der Trias Frankens anbringen zu können, um- somehr, als diese Funde wieder einige Lücken in Er Entwicklungsreihe auszufüllen geeignet sind.

Dr. Stromer fandim Rhät des Teufelsgrabens bei Rasch (bei Altdorf) in Mittelfranken den Gegendruck eines gut erhaltenen linken Vorderflügels einer Blattoide, die er nach flüchtiger Untersuchung der liassischen Gattung Schambeloblattina Handl. (Mesoblattinidae) zuweisen zu können ver- meinte. Eine nähere Untersuchung zeigte ihm jedoch bald, daß es sich

um eine, wenn auch verwandte, so doch generisch verschiedene Form handle, =

für welche ich den Namen

Pedinoblattan. Fa vorschlage.

Das Original wurde mir mit Bewilligung des Herrn Professor Roth-

pletz freundlichst zur Untersuchung und Beschreibung überlassen. EE

läßt keinen Zweifel an der Zugehörigkeit zu der Familie der Mesoblatti- niden, obwohl noch ein kleines Ästchen der sonst in typischer Weise redu-

zierten Subcosta erhalten ist. Der Umriß des relativ großen Flügels ist

etwas nierenförmig, die Subcosta kurz, der Radius sanft S-förmig ge- schwungen, mit einer mäßigen Zahl schief gegen den Vorderrand gerich- teter, schwach verzweigter Äste. Die Medialis schmiegt sich im ersten

Drittel ihrer Länge eng an den Radius und entsendet nur wenige, horizontal

Rz Y = a h TEL M Ka a a Aa 4 2 el a FE EB u De Ba a la BERN RN E EN ER AT 2

AAN N vie j 2 N en 80

gegen den Spitzenrand orientierte, nach vorne abzweigende Äste. Der Cubitus ist relativ weit von der Medialis abgerückt und zieht in starkem Schwung zum Spitzenrand. Er bildet einen proximalen, stärker verzweigten Ast, dessen Zweige schief gegen den Hinterrand ziehen, während die Zweige der folgenden Äste bereits gegen den Spitzenrand orientiert erscheinen. Das Analfeld ist relativ groß und seine Adern münden alle in den Hinter- rand.. Zwischen allen Adern sind Schaltadern zu sehen, dagegen scheinen Queradern nicht vorhanden zu sein.

on den mir bekannten Gattungen steht Hongaya m. aus der Trias von Tonking der vorliegenden Form entschieden am nächsten, doch unter scheidet sie sich durch einen in anderer Weise verzweigten Cubitus, welcher übrigens auch der Medialis viel näher gerückt ist. Verwandt sind ferner die Gattungen Rhipidoblattina aus dem Lias, deren Umriß aber viel mehr Is elliptisch ist, dann Caloblattina*) aus dem Lias, deren Cubitus viel reicher Se verzweigt ist. Auch Elisama zeigt noch manche Übereinstimmung.

Pedinoblatta Stromeri n. sp.

Der 17 mm lange Basalteil eines etwa 20 mm langen und 7,5 mm ee breiten linken Vorderflügels von etwas nierenförmigem Umriß. Das Sub- Be costalfeld erreicht !/s der Flügellänge und ist spitz lanzettförmig. Ein Ast der Subcosta ist deutlich zu sehen, ein zweiter ange- deutet. DerRadiusistdeut- lich, aber nicht sehr stark S-förmig geschwungen, reicht aber nicht bis zur halben Flügelbreite herunter und entsendetschiefgegen den Vorderrand zuerst 6 einfache Äste, dann 2 mit langen Gabeln, dann 2 mit : kurzen Endgabeln und zuletzt noch ein kurzes einfaches Ästchen. Die Medialis ist stärker geschwungen und schmiegt sich im 1. Drittel sehr eng an den Radius. Sie sendet 3 Äste nach vorne aus, von denen der erste deutlich . ' vor der Mitte entspringt und in 3 Zweige zerfällt. Alle Zweige und Äste der Medialis ziehen fast horizontal zum Spitzenrande, von dem sie nur die mittlere Partie ausfüllen. Der Cubitus zieht fast parallel mit der | Medialis, von der er aber relativ weit abgerückt ist, und reicht mit seinen letzten, fast horizontal gerichteten Ästen auf den Spitzenrand hinauf. Im ganzen unterscheide ich 3 Hauptäste, von denen der erste proximale nur

*) C. Mathildae Gein. betrachte ich als Typus dieser Ga RT. E wahrscheinlich in ein anderes Genus. EN r Gattung. C: liasiana Giebel

schwach der Horizontallage zustrebt und 3 Zweige nach hinten entsendet. Der zweite bildet eine lange Gabel, deren eine Zinke wieder in 3 Zweige zerfällt, die schon fast horizontal liegen, ebenso wie der dritte (letzte) Ast, 2 der sich nicht weiter verzweigt. Zwischen allen Adern sind deutliche Schaltadern vorhanden. Das Analfeld erreicht ?/, der Flügellänge, ist etwas mehr wie doppelt so lang als breit; seine Adern sind stark geschwungen und münden alle in den Hinterrand. Ich unterscheide deren drei einfache, dann 2 gegabelte und weiterhin noch 4 einfache. Auch im Analfelde sind einige Schaltadern entwickelt. Queradern sehe ich keine.

Im vergangenen Jahre beschrieb Herr Dr. O. M. Reis in den Ab- handlungen der Kgl. Bayer. Akademie (Il. Kl. XXIII. Bd. Ill. Abt.) einen sehr interessanten Insektenrest aus dem Schaumkalk von Münnerstadt in Franken und erwies mir die Ehre, dieses Fossil mit dem Namen Hand- lirschia Gelasii zu belegen. Nachdem dieser Genusname schon vergriffen ist, schlage ich dafür den Namen Reisia m. vor. ;

Den überaus gründlichen Ausführungen des Herrn Dr. Reis kann ich nichts beifügen und schließe mich vollkommen seiner Ansicht an, wo- 0 nach das Fossil in die Gruppe der Protodonaten gehört. Es ist ein böser Zufall, daß gerade die interessantesten Partien des Flügels fehlen, aus denen man hätte entnehmen können, ob eine Kreuzung des Sector Rn radii mit der Medialis schon vorhanden war, ob ein Nodus und Pterostigma er

dieser Forscher noch weiter geht und allen Protodonaten diesen Charakter zuschreibt.

Daß Reisia Gelasii wenigstens in Bezug auf Medialis und Cubitus noch sehr ursprüngliche Verhältnisse aufweist, Verhältnisse, die noch leb- haft an Palaeodictyopteren erinnern, scheint mir wohl einen Schluß auf die Ursprünglichkeit des gesamten Flügelbaues zu gestatten, und ich bin überzeugt, daß neue Funde diese Ansicht bestätigen werden.

kalk ist um so interessanter, als ja bekanntlich schon im Lias viele relativ hoch spezialisierte echte Odonaten auftreten, : aus denen man auf ein msn

eine Reliktform der Protodonaten zu handeln, die vermutlich noch neben echten Odonaten fortvegetierte.

a TER ann Sa N a ET BE ha —— Ps

In einer von Scudder und von mir übersehenen, aus dem Jahre 1860 stammenden Arbeit C. F. W. Braun’s (über die Tiere in den Pflanzenschiefern von Bayreuth), auf welche mich Herr Dr. Stromer aufmerksam machte, werden zwei Insektenreste aus dem Rhät von Veit- lahm bei Kulmbach erwähnt: „Coleopterites curculionoides” und „Campopsis tenthredinoides“, deren Originale ich leider nicht bekommen konnte. Soviel aus den Abbildungen und Beschreibungen zu schließen ist, handelt es sich in der erstgenannten Form um eine etwa 8 mm lange, mit 10 Punktreihen versehene Flügeldecke eines Coleopteron, deren Zuweisung zu einer rezenten Familie, wie bei allen älteren meso- zoischen Käfern nicht möglich ist. Daß es keine Curculionide war, ist wohl ziemlich sicher. „Campopsis“ isteine Larve mit gut entwickeltem Kopf, an dem aber offenbar weder Augen noch Fühler, noch Mandibeln

deutlich zu sehen sind. Die 3 Thorakalsegmente tragen kurze Beinchen;

an den Hinterleibsringen dagegen ist von Extremitäten nichts zu sehen; auch Cerci scheinen nicht kenntlich zu sein. Nach diesem Befunde scheint es sich wohl eher um die Larve eines Käfers zu handeln, als um eine Ten- thredinidenraupe.

Es ergibt sich somit aus den bisherigen Insektenfunden kein sicherer Anhaltspunkt zu weiteren Schlüssen über das spezielle Alter der betreffen- den Schichten, denn Mesoblattiniden kommen vom Carbon bis zum Jura vor und manches Blattoidengenus ist durch längere Perioden zu verfolgen; Reisia gehört einer bisher nur aus dem Carbon und Perm bekannten Gruppe an und kann ebensogut noch bis zuı oberen Trias gelebt haben wie in der unteren; Coleopterites und Campopsis sagen gar nichts, weil die älteren mesozoischen Coleopteren bisher noch nicht genügend bearbeitet werden konnten.

Die schalentragenden Mollusken E im fränkischen Jura.

Von

D. GEYER-Stuttgart.

Einleitung.

Untersuchungen über die Verbreitung der Spalten- und Quellfauna, wie ich sie seit einer Reihe von Jahren im württembergischen Jura- und Muschelkalkgebiet ausgeführt hatte, verschafften mir von Seiten des Vor- Standes des Stuttgarter Kgl. Naturalienkabinetts, Herrn Oberstudienrat Dr. K.Lampert, und von Seiten des Direktors der Nürnberger Natur- historischen Gesellschaft, Herrn Dr. Bernett, den Auftrag, meine Untersuchungen auch über den Jura im nördlichen Bayern auszudehnen. Der Auftrag kam einem Wunsche meinerseits entgegen und wurde während der Sommerferien 1905 ausgeführt.

Von Nördlingen ausgehend nahm ich das erste Standquartier in Bi Pappenheim, dann in Eichstätt, Kelheim, Regensburg und Neumarkt i. O. Es waren Tage fortlaufender Enttäuschungen, da sich die gesuchten Höhlen, Spalten- und Quellbewohner mit einer einmaligen Ausnahme nirgends ak finden ließen. Auch das Suchen nach Landschnecken, die gesammelt werden sollten, um für alle Fälle einen Ertrag von der Exkursion sich zu Sichern, hatte infolge der Sterilität des besuchten Gebietes nicht den Er- folg, wie ich ihn erhofft hatte. Das Langenaltheimer Tal, die Felsen von: ö Weltenburg und Kehlheim und die an eigenartigen Mollusken reiche Donau vermochten nur zum Teil Ersatz für die Mühe zu bieten, die das vergeb- liche Durchsuchen der Quellen auf der Linie Eichstätt- Beilngries- -Neumarkt oder die Untersuchungen um Pappenheim oder Velburg verursachten.

Von Nürnberg aus nahm ich den Weg durchs Pegnitztal aufwärts, rechts und links die Quellen besuchend, und bog dann über Pottenstein in die fränkische Schweiz ein. In den Quellen und Höhlen überall ie selbe Öde und Einförmigkeit; aber dafür wurde es in der Landfauna leben- diger. Um kein Gebiet zu vernachlässigen, wanderte ich nordwärts über Hollfeid nach Weismain, zum Staffelberg, nach Scheßlitz und zu den Quellen der Wiesent und Aufseß und kehrte durch das Tal der Leinleiter Zur fränkischen Schweiz zurück. Den Abschluß bildete die Wanderung von Ebermannstadt südwärts über Gräfenberg nach Erlangen. Der A flug nahm insgesamt 6 Wochen in Anspruch.

RTAR TEE ED an 0 he = ee a a rt a ET j ET a tell. R 86

Das Ergebnis war in Bezug auf die Fauna subterranea ein negatives; niemand hätte es im Hinblick auf den Höhlen- und Quellreich- tum der fränkischen Schweiz und des Pegnitztales erwartet. Es gehört zu den interessantesten Aufgaben der Zoogeographie, die Gründe anzu- geben, warum blinde Schnecken, Flohkrebse und Strudelwürmer wohl im schwäbischen Jura allgemein verbreitet sind, im fränkischen aber fehlen (s. Bemerkungen zu Lartetia). Um sichere Angaben machen zu können, war ich genötigt, soweit es meine Zeit zuließ, alle in Betracht kommenden Quellgebiete zu besuchen und mich nicht von der Rücksicht auf Beute davon abhalten zu lassen, das angefangene Thema zu Ende zu führen.

TEE EFIEREEREE x

Die Ausbeute von Landschnecken konnte einiger- maßen für den Ausfall von Dunkeltieren entschädigen. Es wurde manches Neue festgestellt. Die Nürnberger Naturhistorische Gesellschaft ist Eigen- tümerin derselben geworden und hat damit eine wertvolle Sammlung ein- heimischer Mollusken erhalten. Selbstverständlich wäre der Sammel- ertrag reicher geworden, wenn nicht durch die Berücksichtigung der Quellen die zu besuchenden Örtlichkeiten bestimmt gewesen und für ihre Unter-

suchung ein wesentlicher Teil der Zeit in Anspruch genommen worden wäre.

\

Für die nachstehende Zusammenstellung der schalentragenden Mollusken des fränkischen Jura wurde ich in entgegenkommender und selbstloser Weise unterstützt von Herrn Seminarlehrer A. Brückner in Coburg, der in früheren Jahren am Nordrand (Cordigast, Klein- Ziegenfelder Tal) und in der fränkischen Schweiz (Behringersmühle) ge- sammelt hat und in seltener Opferwilligkeit seine Ausbeute mir überließ. Des weiteren hatte Herr Dr. Enslin, Augenarzt in Fürthi.B. die ‚Güte, mir ein Verzeichnis der von ihm im Gebiet gesammelten Mollusken, welche er der Nürnberger Sammlung überwiesen hat, zur Benützung zu übergeben, und Herr Erich Spandel in Nürnberg gestattete . mir eine Einsichtnahme seiner Molluskensammlung, die auch Funde aus dem Jura enthält. Endlich konnte ich auch in der Sammlung des [ Altmeisters Clessin, die in Stuttgart liegt, einige fränkische Funde 4 entdecken. = Die Bestimmung zweiteihatter Funde besorgte in gewohnter Liebens- 3 würdigkeit und Gründlichkeit Herr Professor Dr. ©. Boet tger in Frankfurt a.M. Allen Herren, von denen meine Arbeit eine Förderung erhalten hat, sei auch an dieser Stelle Dank gesagt.

RT ATE

Literatur. ®

Fürnrohr, Topographie von Regensburg 1838 (Pupa sterri v. Voith. Forster F. Animalia Mollusca in Naturhistor. Topographie von Regensburg, III. Band, 1840. KüsterH.C., Systematisches Verzeichnis der in der Umgegend Era 5 3, beobachteten Tiere; Erlangen 1840; Weichtiere 1. Heft pag. 9 “7 bis 41. (Helix monodon Fer. irrtümlich aufgenommen.) £ Lochner G. W. K., Nürnbergs Vorzeit und Gegenwart, 1845, Bei- Be i lage IV pag. 365. . 5 Küster Dr. H. C., Die Binnenmollusken der Umgegend Bambergs in „Über das Bestehen und Wirken des naturf. Ver. zu Bamberg“, erster Bericht 1852 pag. 45—53. (Fundortsangaben fehlen vier fach; der Jura ist kaum berücksichtigt.) i Derselbe, Nachträge und Berichtigungen zu dem Verzeichnis der Binnene Ä mollusken Bambergs; ebenda 1856 pag. 73—78. (Clausilia festiva Küst. „in der Bamberger Gegend“ 2 Exemplare gefunden; Pupa aridula Held 4 Exemplar ohne Fundort.) Derselbe, Zweiter Nachtrag zu dem Verzeichnis der Binnenmollusken Bambergs; ebenda, fünfter Bericht 1861 pag. 15—18. (Hydrobia acicula Held, 2 Exemplare im Sediment der Regnitz, vermutlich n die spätere Vitrella turrita Clessin.) JaeckelA. J., Die Tierwelt des fränkischen Gesamtgebietes in Bevarleı Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, 1865, 3. auge: 1. Abt. pag. 135. Clessin S., Deutsche Exkursions-Mollusken-Fauna, 2. Aufl. 1884. Mollusken-Fauna Österreich-Ungarns und der Schweiz, 1887. 5% Schedel J., Verzeichnis der Land- und Süßwassermollusken Bamberg; Nachrichtsblatt der Deutschen mal. Ges. 1886 pag. a = (Keine ‚alien FUUEIOETSRORAN.},

Koch Dr. L., Verzeichnis der bis jetzt in der Umgegend von Nürnberd = beobachteten Mollusken; Abhandl. der naturh. Ges. zu Nürnberg, XII. Band 1899, pag. 83—98. (Bezieht sich auf die Nürnberger Umgebung, den südlichen Abhang des Jura gegen das Pegnitz- i tal, Pommelsbrunn, Rupprechtstegen.) Brückner A,, Erster Bericht über die Tätigkeit des Tier- und Pflanzen- : schutz-Vereins für das Herzogtum Coburg, 1888; Mollusken pag. 76-81. (Helix cingulata vom Staffelberg.) Bin dinger Dr. L., Verzeichnis der in und um Erlangen beobachteten | Mollusken; Abhandl. der naturh. Ges. zu Nürnberg, XV. Band 1903, 2. Heft pag. 1—19. (Beschränkt sich auf die nächste Um- gebung Erlangens und gibt vereinzelte Angaben aus re Gebiet.)

a ee

Zur Orientierung benützte ich: ar Gümbel v. Dr. €. W., Erläuterungen zu der geognostischen Karte des | Königreichs Bayern, Blatt Nördlingen, Ingolstadt etc., 1889. KöhnDr. Ed,, Beiträge zur Kenntnis der Wässer des fränkischen Jura, Inaugural-Dissertation, Erlangen (Heilbronn) 1889. h (ig Blos Dr. W., Die Quellen der fränkischen Schweiz, Inaugural-Disser- E tation, Erlangen 1903. En eischl Dr. A., Die Höhlen der fränkischen Schweiz, Nürnberg 1904. Enslin Dr. E., Die Höhlenfauna des fränkischen Jura; Abhandl. der naturh. Ges. zu Nürnberg, XV. Band, 1. Heft, 1906.

| Obwohl ich mir bewußt bin, daß mein ersammeltes Material mit den ES: aus der Literatur zusammen nicht hinreicht, eine erschöpfende

ich doch den Versuch wagen zu dürfen, das bis jetzt Bekannte für das anze Geniet zusammenzufassen, da das Gebirge nun doch einmal in

Das aus Dogger, Lias und, Keuper Keinde a 3 aber wa Pegnitz, Regnitz und der Hochfläche habe ich, soweit An

gaben von Koch, Lindinger und Küster aus demselben vorliegen, mit ein- bezogen, weil es keine selbständige Zone ist, sondern, schon durch die Flüsse, unter dem Einflusse des Gebirges steht.

Wenn die großen Flüsse an den Seiten des Gebirgszuges ausgeschlossen werden, verbleiben für die Wassermollusken nur diejenigen Arten, die in den Tälern aufgestiegen sind und die Gebirgsgrenze überschritten haben.

Für eine Beobachtung der Nacktschnecken war die mir zur Ver- fügung stehende Sammelzeit nicht geeignet; die Angaben bei Koch und Lindinger beziehen sich auf das Vorland. Bi

Um eine Übersicht über die Fundorte zu ermöglichen, habe ich ie selben in folgende 9 Gruppen zusammengefaßt:

Nd. Nördlingen, zwar nicht geologisch aber faunistisch zum Jura gehörend.

Pp. Pappenheim, am Eintritt der Altmühl in den Jura.

Es. Eichstätt an der Altmühl.

Rg. Regensburg, Donaudurchbruch durch den Jura von Weltenburg bis Regensburg: \

Nb. Nürnberg (großenteils nach Koch), die Südabhänge gegen das. untere Pegnitztal (Hersbrucker Schweiz).

Pg. Pegnitztal, das obere vom Städtchen Pegnitz bis zur Umbiesung? des Flusses nach Wes

f. S. fränkische Schwale i im weiteren Sinne, mittleres Wiesenttal den Seitentälern. Mg. ae Nordrand des Höhenzuges.

Stützt wurde, habe ich es durch nachstehende Abkürzungen Auge K. Koch s. Literatur. Ld. Lindinger s. Literatuur.

Küst. Küster s. Literatur.

Cl. Clessin s. Literatur.

Br. Brückner, Seminarlehrer in Coburg. E. Enslin Dr., Augenarzt in Fürth. Sp. Spandel E., in Nürnberg.

turalienkabinett befindliche Sammlung.

Neckar aber plötzlich steil abbricht und auf dieser Kante die ro

Allgemeines.

Der fränkische Jura,d. h. der durch das nördliche Bayern ziehende Teil des süddeutschen Jurazuges bildet die Fortsetzung des schwä-

bischen Jura (Alb), von welchem er durch das Tal der Wörnitz geschieden

ist. In seiner südlichen Hälfte behält er die Richtung der Schwabenalb bei und zieht sich, gleichlaufend mit der Donau, in nordöstlicher Richtung bis Regensburg, wo er plötzlich nach Norden umbiegt, um an dem oberen Main sein Ende zu erreichen.

Enge Täler durchfurchen den Gebirgszug und zerschneiden ihn in einzelne Bergplatten, die eine durchschnittliche Höhe von 500—550 m erreichen und sich ungefähr 100 m über die Sohlen der Täler erheben, von welchen sie durchschnitten werden.

An dem Aufbau des Gebirges sind die 3 bekannten Juraschichten Lias, Dogger und Malm beteiligt in der Weise, daß die beiden

ersten das Vorland und die Vorstufe, der Malm dagegen den eigentlichen . Gebirgskörper zusammensetzen. Für unsere Zwecke kommt hauptsäch-

lich der letztere in Betracht, aus dessen reicher Gliederung die Impressa- mergel, der Werkkalk, der Schwammkalk und die bis zu 200 m mäch- tigen Dolomite hervorzuheben sind.

Auf der Grenze vom Dogger zum Malm entspringen wasserreiche Quellen; ein zweiter, weniger ergiebiger Quellhorizont liegt zwischen den Werk- und Schwammkalken.

Als ein ausgesprochenes Kalkgebirge wäre der Jura für eine Besiedelung durch Schnecken in hervorragender Weise geeignet, wenn ef

2 nicht, auf seiner Hochfläche wenigstens, zugleich durch große Wasser armut charakterisiert wäre. Sie ist hervorgerufen 'einesteils durch eine

im Vergleich zu den übrigen Teilen Bayerns geringe Dieders CHEN VER

= andernteils durch die große Wasserdurchlässigkeit des Bodens.

Der schwäbische Jura bildet im Gegensatz zum fränkischen ein geschlossenes Plateau, das gegen die Donau sich langsam senkt, gegen den

te . Van ar,

Wasserscheide trägt, auf welcher eine Menge Quellen hervorbricht, die ihr Wasser nordwärts in tief erodierten, engen, feuchten und kühlen Schluchten ins Vorland hinausrinnen lassen. Solche Einschnitte in die Gebirgsplatten sind im Frankenjura weit seltener (Langenaltheimer Tal bei Pappenheim, Schauertal bei Streitberg); aber eben solche Örtlichkeiten sind die be- vorzugten Wohnplätze der Mollusken.

Auf der Südseite der Schwabenalb bewegen sich die ufervollen

Flüßchen in langsamem Laufe durch gewundene, aber quellenarme Täler der Donau zu, und zwischen den Tälern liegen wasserarme Hochflächen. Wer aufmerksam der Wasserscheide nordostwärts folgt, wird bemerken, daß mit dem Überschreiten des Kocher- und Brenztales zwischen Aalen und Heidenheim der Charakter der Alb sich allmählich ändert: der

Schluchtenreichtum der Nordseite verschwindet, der Charakter der Donau- seite tritt an den Nordrand heran, die Wörnitz durchnagt das Gebirge

erstmals, die Wasserscheide wendet sich vom Jura ab, und der Charakter der Südseite (wasserarme Hochflächen, tief eingeschnittene, quellenarme Täler) beherrscht nun das Gebirge auf beiden Seiten. Das Altmühltal ist SO quellenarm wie das eines schwäbischen Albflüßchens der Donauseite, das in gerader Richtung, der Neigung der Schichten folgend, dem Sammel- kanale zueilt. |

In der ganzen Südhälfte des fränkischen Jura treten neben die

- trockenen Bergplatten auch quellenarme Täler. In der Nordhälfte behält die Hochfläche den trockenen Charakter auch bei; aber im Pegnitztale Re treten starke Quellen zu Tage, und in der fränkischen Schweiz ist wenigstens. Ze | das Zentrum reich an Quellen und unterscheidet sich darin von den wasser

armen Tälern der oberen Wiesent und der Aufseß.

Bei der Trockenheit des Gebirges ist im Sommer eine bedeutende en Wärmeentwicklung möglich, die an den kurzrasigen Abhängen

und unbewaldeten Felsgruppen einen hohen Grad erreicht. Im besonderen

Maße ist das im Altmühltal und an der Donau bei Kelheim und Regen

burg möglich, wogegen im Norden gegen das Regnitz- und Maintal die West-

Winde ungehinderten Zutritt zu den Kanten des Gebirges haben und sich

an ihnen brechen.

Den geognostischen und klimatischen Verhältnissen entsprechend ist die Molluskenfauna des bayerischen Jurazuges gekennzeichnet durch eine gewisse Armut, durch ungleiche Verteilung, durch ein relatives Hervortreten der Wärme und Trockenheit liebenden und ein Zurücktreten feuch ligkeitsbedürftiger Arten.

Se ae SE ee

a a FE Fe a re a FE AN ! ER RR ONE

u a

2

A

le Sa

Die Armut ist selbstverständlich nur für das Kalkgebirge auffallend, eben weil die feuchten Abhänge und Schluchten fehlen; aber ersichtlich wird sie für jeden, der etwa die Täler um Urach in Württemberg oder die der Kalkalpen in Nordtirol damit vergleicht. Ich gestehe, daß ich nach einer 14tägigen Wanderung durch den südlichen Gebirgszug Nördlingen- Regensburg-Nürnberg geradezu niedergeschlagen war infolge der mir zu gering erscheinenden Sammelergebnisse. Ich hatte eine solche Dürftigkeit nicht erwartet. Sie ist größer als auf dem südlichen Rücken der Alb, der sich, wie schon bemerkt, auch durch Trockenheit auszeichnet. 5 Wo Feuchtigkeit herrscht, belebt sich das Bild mit einem Schlage (Langenaltheimer Tal, linker Talhang bei Muggendorf), und wo die Wärme zum Kalk und zur Feuchtigkeit tritt, entstehen wahre Schnecken-Oasen, - die in einem überraschenden Gegensatz zur Einförmigkeit der Umgebung stehen (Weltenburg, Kelheim). | In welcher Weise sich die klimatischen Verhältnisse in der Verbreitung der Mollusken geltend machen, kann mitunter auf kleinem Raume beobachtet werden, wo sich mehrere Arten zusammenfinden und zusammendrängen. Friedlich haben sie sich nach ihren Ansprüchen in den Raum geteilt; die , | Trockenheits- und Wärmefreunde nehmen die Sonnenseite, die feuchtig- keitsliebenden und wärmescheuen Arten die Schattenseite in Anspruch. % So sitzen beispielsweise am Wilibaldsberg Helix ericetorum, obvia, Buli- ü minus detritus, Pupa frumentum und sterri an der Südwest- und West- ' seite, Helix hortensis, fruticum und arbustorum aber am unbesonnten Ostabhang, und bei Weltenburg scheidet eine gegen die Donau vorspringende Felskante die Schnecken des gesamten Felsblockes in zwei, durch ihre An- Sprüche an die Sonne sich unterscheidende Gruppen.

| Was die Feuchtigkeit allein hervorzaubern kann, läßt sich an dm Felsen beobachten, auf welchem die Feste Niederhaus bei Passau, im Winkel der Donau und der Ilz sitzt. Die gegen die Stadt gerichtete, besonnte Seite war am 4. August gänzlich unbelebt, die Pflanzen schlaff und welk; aber auf der Schattenseite gegen die Ilz wimmelte es auf einer kleinen Gra$- fläche von Clausilia biplicata, und das von den Gebäuden auf der Höhe j herabführende Ablaufrohr, dessen Inhalt den Grasboden durchfeuchtet, ' war um und um besetzt mit stattlichen Exemplaren der Helix arbustorum. Wie trostlos öde aber waren manche Felsen im Altmühltal und, trotz eines halbtägigen Regens, auf der Hochfläche bei Velburg!

Selbst in der Lebensweise der Schnecken äußerte sich der ; Trockenheitseinfluß. Sie saßen an regenfreien Tagen dichtgedrängt neben- und aufeinander am Fuße der Felsen, beschützt vom kurzen Grase (Claı

ee a a En

\ Süden zugleich an.

‚silia biplicata am Wallerstein, Pomatias septemspiralis bei Kelheim). Am Staffelberg liegen die leeren Schalen mehrerer Generationen in den entsprechenden Verwitterungsstadien aufeinander, eingeklemmt zwischen Gras und Fels, und das derzeitige lebende Geschlecht hatte sich zu den ee Toten geflüchtet, dem Tode zu entfliehen, der ihnen von der Trocken- e: heit drohte. = In einem Kalkland sind zunächst die kalkstäten Arten zu erwarten; zu ihnen gesellen sich de wärmeliebenden. Als \ solche treten uns entgegen: Helix sericea, strigella (zugleich kalkhold) ur ericetorum, obvia, Buliminus detritus, Pupa frumentum und sterri, Cionella ir lubrica var. minima. Mit Ausnahme von Helix sericea sind diese Arten ® auch im höher gelegenen schwäbischen Jura zu Hause, doch treten Penn & strigella und Buliminus detritus dort in den Hintergrund. Im Frankenjura lassen sich überdies Anpassungsersc h. er sn nungen an Wärme und Trockenheit bei solchen Arten wahrnehmen, Be die Wärme und Trockenheit meiden, wenn sie nicht genötigt werden, sich n denselben auszusetzen. Dahin rechne ich die bei Helix lapicida und pomatia, BEN Clausilia laminata, dubia und parvula berührten Vorkommnisse. Klein heit, Dickschaligkeit, dunklere Färbung mit dem bläulichgrauen Anflug, = wie er bei echten Sonnenkindern der Felsen (Pupa avenacea, Clausilia par- vula und den felsenbewohnenden osteuropäischen Clausilien) erscheint, sind neben dem Standort die Wahrnehmungen, auf welche sich meine Meinung gründet. . u den feuchtigkeitsliebenden, bezw. wärme. Scheuen Arten, welche im fränkischen Jura, zumeist im Gegensatz zum schwäbischen, eine spärliche Verbreitung haben, zähle ich Helix his pida, striolata, striata (in Schwaben selten, in Franken nicht nachgewiesen), Clausilia orthostoma, plicatula, cruciata und cana. Die seltenen Arten, solche, welche im fränkischen Jura die Grenze ihres Verbreitungsgebietes erreichen oder sporadisch auftreten, lassen sich in drei Gruppen trennen, in eine osteuropäische, eine südeuro- päische und eine alpine einschließlich der Glacialrelikte. i ur osteuropäischen Gruppe sind in erster Linie vier Clausilien zu en varians, cana, vetusta, filograna, ferner Hyalinia glabra und Helix obvi Von Re detritus, Pupa frumentum, secale, avenacea und Pomatias septemspiralis liegt das Verbreitungszentrum am Südfuße der Alpen; auch Pupa sterri von Voith dürfte in diese | Gruppe gehören. Helix sericea und candidula gehören dem Osten und

Be ea Se ee a ee BE ar a a Se Ä ge x —— %

In den Alpen und den höheren Gebirgen beheimatet

sind: Hyalinia villae var. plana, subrimata, Helix holoserica, unidentata, umbrosa; Pupa substriata ist ein echtes Glacialrelikt.

Eingeschleppt ist Helix cingulata.

So groß auch die Ähnlichkeit zwischen dem schwäbischen und frän- kischen Jura in geologischer und soweit es die Südseite des schwäbischen Teiles betrifft auch in klimatischer Beziehung ist, so hat doch jeder Teil besondere Arten, die dem anderen fehlen. Die Schwabenalb be- herbergt 40 Arten, welche dem Frankenjura fehlen: Vitrea- andreaei

Helix edentula, villosa, concinna. striata, Buliminus tridens, Cionella columna, Pupa dolium, doliolum, Clausilia corynodes.

Im fränkischen Jura wurden gefunden: Daude-

bardia rufa, Hyalinia glabra, villae var. plana, Helix holoserica, sericea,

= umbrosa, Clausilia varians, vetusta, forsteriana. Sie fehlen dem rn bergischen Juraanteil.

Da der fränkische Jura vielfach von Flüssen durchschnitten ist,

hat er mehr Wassermolusken als sein schwäbischer Bruder; dafür ist er

arm an Spalten- und Quellbewohnern, durch welche jener sich auszeichnet.

| |

Molluskenverzeichnis.

A. Klasse Gastropoda Cuvier, Schnecken.

Gattung Daudebardia Hartm. D. rufa Drap. Pg. Düsselbach; Griesmühle. f. S. Schlehenmühle; Sachsenmühle. Im nassen Moose am Rande der Quellen in Gesellschaft der Vitrina diaphana Drap.; bei der Sachsenmühle lebend im August, sonst leer. Neu für das Gebiet. Gattung Vitrina Drap. A V. pelucida Müll. E, Nd. Wallerstein. Nb. Von 5 Orten nachgewiesen K. Erl. Von 3 Orten aufgezählt Ld., Atzelsberg E. Mg. Staffelstein. V. diaphana Drap. Nb. Pommelsbrunn K. ze Düsselbach. f. S. Sachsenmühle; Espershöhle E Pottenstein. V. elongata Drap. Pg. Düsselbach; Ankatal bei Rupprechtstegen K. Erl. Ziegelhütten Ld

Gattung Conulus Fitz.

C. tulvus Müll. Nb. Von 3 Orten bekannt K. , f. S. Behringersmühle angespült Br.

Erl. Burgberg Ld.

.H. glabra Stud. £ 2 f. S. Eberhardstein; Schlehenmühle; Birkenreuther Brunnen; Neu- deck; Streitberg; Sachsenmühle; Espershöhle; Behringers-

& mühle E.; Moggaster Höhle E.

Mg. am Sendelbach bei Bamberg Küst. 1861.

HH. villae var. plana Cless. ae Rg. Am Fuße der Felsen bei Kelheim; selten. HH. cellaria Müll. en Nd. Wallerstein. Es. Wilibaldsberg; Pappenheim coll. Cless. Rg. Kelheim; Regensburg coll. Cless. Nb. Pommelsbrunn und Nordabhang des Schmausenbucks K. Pg. Düsselbach; Vorra; Rupprechtstegen K Erl. Ratsberg und Burgberg Ld. f. S. Sachsenmühle; Rosenmüllers und Espershöhle E. Mg. Würgau; Staffelberg. _H. nitens Müll. Pp. Ruine; Langenaltheimer Tal. Es. Wilibaldsberg. Rg. Kelheim; Regensburg coll. Cless.

Er DE Een en uns Al = m. 0 > a een

f. S. Streitberg; Sachsen- und Behringersmühle; Pottenstein; Neu- mühle E.

Mg. Friesener Warte; Sanspareil Br.

Er Von Koch als selten bezeichnet, was für den trockenen Sandboden

= . der Nürnberger Gegend zutreffen mag; in schattigen, feuchten und steinigen © Winkeln des Kalklandes jedoch ist nitens eine gewöhnliche Erscheinung. H. lenticula Held (sonst als pura Alder aufgeführt).

-..m. GizK .

Pg. Rupprechtstegen K.

H. hammonis Ström (= radiatula Ald.).

Nb. Von 2 Punkten angegeben K.

Mg. Sanspareil und Staffelstein Br.

H. petronella Charp.

Nb. Pommelsbrunn K.

Mg. Am Sendelbach bei Bamberg Küst. 1861.

H. subrimata O0. Rhdt. Nb. Pommelsbrunn K. f. S. Sachsenmühle; BRRSROHR BE Mg. Ruine Niesten.

H. crystallina Müll.

Rg. Abbach und. Regensburg coll. Cless. Nb. An 4 Orten gefunden K. Erl. Im Schwabachgeniste.

7. S. Sachsenmühle; Neumühle E.

Gattung Zonitoides Lehmann. Z. nitida Müll. Geht in den Tälern durchs ganze Gebiet; an Grabenrändern.

Gattung Punctum Morse. P. pygmaeum Drap. Nb. Gritz K. Erl. Ratsberg und Burgberg Ld. f. S. Behringersmühle angesp. Br. Scheint selten zu sein. Gattung Patula Held. P. rotundata Müll. Eine der gemeinsten Schnecken des ganzen Gebietes. P. rupestris Stud. Es. Wilibaldsberg. Rg. Weltenburg; Regensburg coll. Cless. Pg. Rupprechtstegen. f. S. Ehrenbürg; Muggendorf und Ruine Rabenstein coll. Cless. Mg. „Häufig an Kalkfelsen“ Br.

Gattung Helix L. __H. (Acanthinula) aculeata Müll.

f. S. Behringersmühle angespült Br.; Schwalbenstein bei Neumühle :

lebend E. Neu für das Gebiet. H. (Vallonia) pulchella Müll. Rg. Weltenburg selten; Regensburg RR Cless. b. häufig.

ee

f. S. Schlehenmühle; Behringersmühle angesp. Br. Mg. Ruine Niesten; am Staffelberg selten; bei Staffelstein bräunliche

Exemplare Br. |

Der Typus ist an Felsen durch die var. petricola Cless. vertreten.

(Vallonia) costata Müll.

Es. Am Wilibaldsberg.

Nb. Allgemein verbreitet.

Rg. Weltenburg selten.

f. S. Schlehenmühle; Ehrenbürg; Behringersmühle angespült Br. Mg. Ruine Niesten; Staffelberg.

m

Lebt gerne mit pulchella zusammen im Felsenmulme, ist dann meist glashell bis weiß, selten hornbraun, und geht vielfach über in die var. helvetica Sterki, die sich mit den übrigen Vallonien zusammen an den Felsen von Weltenburg Rg. und der Ehrenbürg f. S. findet. Die Schalen sind immer glashell bis milchweiß. Vall. helvetica dürfte eine echte Felsen- schnecke sein.

H. (Vallonia) adela Wstld. = declivis Sterki (seither irrtümlicherweise als tenuilabris Braun in den Verzeichnissen aufgeführt) scheint dem frän- kischen Jura zwar nicht zu fehlen, aber seltener zu sein als im schwä- bischen; angespült von der Donau bei Regensburg und dem Main bei: Aschaffenburg coll. Cless.

|

i

|

H. (Trigonostoma) obvoluta Müll. i

Allgemein verbreitet.

var. dentata Wstld. Pappenheim Cl. |

H. (Trigonostoma) holoserica Stud. Rg. bei Kelheim von Study gesammelt nach Mitteilung von Br.

Pg. An einem Felsen im Veldensteiner Forst bei Michelfeld vom ver

fasser gefunden.

Die Schnecke gehört zu den seltensten Vorkommnissen und ist neu für das Gebiet. 3 |

.H. (Triodopsis) personata Lm. :

So zahlreich wie H. obvoluta Müll. H. (Petasia) bidens Chemn. | i

Fehlt dem Jura, geht aber im Main- und Regnitztale, an der Nord- und Westgrenze des Höhenzuges südwärts bis Bruck Erl.

-

H. (Fruticicola) unidentata Drap. Pp. Langenaltheimer Tal zugleich mit mut. albina. Auch bei Passau.

Neu für das Gebiet. Küster gibt die Art irrtümlicher- weise auch von Erlangen an (H. monodon FE£r.). was A. J. Jäckel in einer handschriftlichen Notiz in seinem Exemplare der Küster’schen Arbeit berichtigte.

H. (Fruticicola) sericea Drap. Es. Wilibaldsberg. Nb. 3mal angegeben von K. f. S. In den Tälern: Muggendorf E., Neumühle E., Pottenstein. Erl. In Gärten und am Ratsberg Ld.; Hetzles. Mg. Sanspareil Br.; Staffelberg. ' var. liberta Wstld. Erl. Burgberg und Ratsberg Ld. H. (Fruticicola) hispida L. Donauwörth; Regensburg coll. Cless. Nb. nicht selten K Mg. Ziegenfelder Tal Br. Ist in Franken seltener als in den Tälern des schwäbischen Jura, wo scricea fehlt. var. concinna Jeffr. 2 Nb. Förrenbach s. Sammlung Spandel. B| Im Donautale bei Passau (am Fuße von Niederhaus). ur

H. (Fruticicola) striolata C. Pf. rufescens Cless. Nb. Hansgörgl bei Hersbruck, selten Ld. ; Die Art soll nach Clessin!) im „bayerischen Jura von Bamberg bis Regensburg“ vorkommen; aber in der großen Clessin’schen Sammlung = ist die Schnecke aus dem bayerischen Jura nicht vera treten, auch nicht aus Bayern nördlich der Donau. Koch fand sie nicht in der Nürnberger Gegend, und ich selbst bin der Schnecke nirgends be- gegnet, weder im südlichen noch im nördlichen Jurazuge. Der von Ir dinger angegebene Fundort dürfte bis heute der einzige im Gebiet sein.”) ie Art wird hier durch H. umbrosa vertreten. Im schwäbischen Jura ist striolata häufig, und umbrosa fehlt.

Ne nn 1) Deutsche Exk. Moll. 2. Aufl. S. 159. er 2) Nach neueren Publikationen Clessins scheint die Art im Donautale bis

Regensburg zu reichen und auch im Laabertale vorzukommen. x Bi

271 N TE FE 7 1 Br ST aan pe IE ne ap 2 | Flirt . BE A Ba A RE N PER MET PB } En N N EEE IE N Ne x " E ; Wr

0

Küster zählt H. circinnata Stud. (= striolata) unter den Bamberger 4

Mollusken auf; der von ihm bezeichnete Fundort liegt aber links der Regnitz.

H. (Fruticicola) umbrosa Partsch. Rg. Kelheim häufig. Nb. Pommelsbrunn K.; Utzmannsbach E.; Reichenschwand Sp.; Hersbruck und Hansgörgl Ld. Erl. Walkersbrunn. f. S. Ruine Neudeck; Sachsenmühle; Neumühle E. Mg. Banz rechts des Mains Br.

H. (Fruticicola) strigella Drap. Es. Wilibaldsberg; Kinding. Rg. Kelheim; Regensburg coll. Cless. Nb. Pommelsbrunn K. Erl. Hetzles Ld. f. S. Oberweilersbach Ld. Mg. Ruine Niesten; Staffelberg; Friesener Warte Br. Kaider (ziem- lich flach, groß, 15 mm Durchmesser); Würgau Sp.; Friesener Warte. H. (Eulota) fruticum Müll.

Pp. Überall, auch weiß mit Band. Es. Wilibaldsberg, weiß und rot.

Nb. nicht selten, immer ungebändert, meist rötlich, rein weiß bei

Gibitzenhof K Pg. Artelshofen, weiß und rot. f. S. Überall, weiß und rot. Nach Weinland?) ist die Art im schwäbischen Jura nur weiß und nie gebändert; ich selbst habe dort nur einmal ein rötliches Exemplar gefunden.

H. (Fruticicola) incarnata Müll.

Allgemein verbreitet. Im Langenaltheimer Tal Pp. ziemlich Klein, :

bis 11 mm Durchmesser herabgehend, hell horngelb, Lippe bis weiß werdend.

Die Farbe der Juraexemplare ist im allgemeinen heller als die der Keupef

exemplare, und mit der Grundfarbe geht die Färbung der Lippe parallel. Nach Koch sind die Exemplare aus dem Jura auffallend größer als die der Nürnberger Umgebung.

‚Naturk. in Württ. 1

3) Nachrichtsblatt d. deutsch. mal. Ges. 1876; ferner Jahresh. d. V.f. ut 1876. :

Bir pe

H. (Campylaea) eingulata Stud.

„Diese durchaus alpine Art hat Dr. Funk aus Bamberg im Jahre 1877 am Staffelberge Mg. angesiedelt. Gesammelt am Monte Cristallo ' im Ampezzotale setzte er am Staffelberg 9 lebende Tiere aus, welche eine Nachkommenschaft von mehreren Hundert Exemplaren erzeugten‘*). Trotzdem der Kolonie von Sammlern zum Teil schon hart zugesetzt wurde, hat sie sich bis jetzt gut gehalten. Herr Brückner hat die Art auch in das Ziegenfelder Tal Mg versetzt, wie er mir mündlich mitteilte. Außerdem traf ich einige Exemplare an den Felsen der Ehrenbürg f. S., wohin die Schnecke wahrscheinlich auch von einem Liebhaber gebracht wurde.

H. (Chilotrema) lapieida L.

Allgemein verbreitet. Normal sollen die Schalen gelblich hornfarben und oben mit unregelmäßigen rostbraunen Flecken besprenkelt sein. Im Jura ist die Grundfarbe jedoch meist dunkler, und die braunen Flecken fließen zusammen, dem Gehäuse eine dunkelbraune Farbe gebend. Zu- weilen tritt an Felsen (Ehrenbürg, Staffelberg) noch ein grauer, ja bläu- licher Ton hinzu. Am Staffelberg werden die Schalen kleiner als sonst und gehen bis zu 13,5 mm Durchmesser herab.

mut. albina bei Burggrub f. S.

H. (Arianta) arbustorum L.

Allgemein verbreitet; bei Michelfeld Pg. kleine, dunkle Formen, bei Weismain Mg. strohgelbe. Nach Lindinger sind die Gehäuse vom Jura kleiner und dickschalig.. Das trifft jedoch nur hinsichtlich der Berg- bewohner zu, die unter dem Einfluß der Trockenheit kleiner bleiben als ? die Talschnecken. In den Tälern der f. S. sind die Schalen ziemlich groß und hoch

var. trochoidalis Roffiaen Es. Wilibaldsberg. var. depressa Held Rg. Donaustauf.

Die kleine, der var. alpicola Fer. nahekommende Form trockener, hochgelegener Abhänge und Wiesen, welche in der Schwabenalb ziemlich” häufig vorkommt, habe ich im Frankenjura nicht gesehen. |

H. (Xerophila) eriestorum Müll. Pp. Ruine Pappenheim; Papiermühle, getrennt von obvia; Treucht- lingen mit obvia gemischt; Mühlheim. Es. Wilibaldsberg, zahlreicher als obvia; Kinding. Rg. Kelheim; Regensburg coll. Cless.

4) Br.a.a.©. S, 81.

a a ee 102

Nb. am Rotenberg -bei Schnaittach K. f. S. Eberhardstein; Streitberg. Ng. Weismain coll. Cless.; Ziegenfelder Tal Br.; Stublang. H. ericetorum und obvia sind, wenn sie Heideplätze bewohnen, wo beide Arten spärlich vertreten sind, gerne gemischt; an Böschungen traf ich obvia gewöhnlich allein und immer von ericetorum getrennt. An einer Straßenböschung von Donauwörth ist ericetorum zumeist klein, aber er- wachsen; der Durchmesser steigt bis zu 10 mm herab.

H. (Xerophila) obvia Hartm. = candicans Ziegl.

INd. Marienhöhe (Bänderung tief braunschwarz); Wallerstein.

Pp. Papiermühle, getrennt von ericetorum; Treuchtlingen mit erice- torum gemischt, ebenso bei Mühlheim. 4

Es. Wilibaldsberg, tritt gegen ericetorum zurück; Kinding; Biberach | bei Beilngries.

Rg. Regensburg coll. Cless.

Nb. Schnaittach K.; Velburg, Kolonie junger Exemplare an der Landstraße nach Ransolden; Ruine Wolfenstein bei Neumarkt i.O.

Pg. Artelshofen.

Erl. Hetzles 1Ld.

H. obvia tritt meist in geschlossenen, ziemlich eng begrenzten, volk- reichen Kolonien auf, ein Verhalten, das auf eine zufällige Verschleppung und Ansiedelung zurückzuführen sein dürfte. An der oben genannten Straßenböschung von Donauwörth liegt eine Kolonie der obvia neben einer solchen der ericetorum, ohne daß sich die Arten gemischt hätten. Während aber ericetorum klein bleibt, entwickelt sich obvia zu großen, schönen Exemplaren.

Im südlichen Jurazug ist obvia anscheinend häufiger als im nördlichen. H. (Xerophila) candidula Stud.

Es. Straße nach Pfünz. Nb. Lichtenstein und zwischen Schnaittach und Neunkirchen K-; Lauf Sp.; Altenheim bei Altdorf Sp.; Deckersberg Sp. Erl. Hetzles Ld. f. 5. Oberweilersbach Ld., Neudeck coll. Cless.; Hohenpölz. Mg. Würgau Sp.; Staffelberg; Cordigast Br.; Niesten. H. (Tachea) hortensis Müll.

Gemein. Am Wilibaldsberg Es. ist die Normalform mit 5 Bändern weitaus in der Mehrzahl var. fusco-labiata Kregl. Mg. Staffelberg.

od

103

H. (Tachea) nemoralis L.

Allgemein verbreitet, aber seltener als hortensis. H. (Heiicogena) pomatia L

Allgemein verbreitet. An den trockenen und warmen Abhängen des Gehrener Trles Pp. und des Wilibaldsberges Es. kommen mittelgroße bis kleine Exemplare mit starker Streifung und kräftiger Bänderung vor, wie ich sie an der schwäbischen Alb noch nicht gesehen habe (Trockenheitsform).

Gattung Buliminus Ehrenberg. B. detritus Müll.

Es. am Bahnhof Eichstätt gelblichbraun gestreift, Streifung ungleich sich auflösend, auf dem letzten Umgang in breite Flecken zu- sammenfließend; Wilibaldsberg; Kinding.

.Rg. Kelheim.

Erl. Hetzles Ld. :

f. S. Streitberg bis 23 mm hoch bei 9 mm Durchmesser var. ob- longus Bl. neben der Normalform und durch Übergänge mit ihr verbunden; Burggrub. i

Mg. Staffelberg; Rosdach bei Scheßlitz (kurz, gedrungen, bauchig, 47 mm hoch bei 9 mm Durchmesser, einzelne Exemplare gestreift); Niesten; Arnstein (kräftig gestreift).

. montanus Drap.

Allgemein verbreitet. mut. albina bei Burggrub f. öx obscurus Müll. Pp. Langenaltheimer Tal. i Nb. Lichtenstein K. >. Erl. Hetzles Ld., Ratsberg Ld. a f. S. Eberhardstein; Pottenstein; Kirchahorn; St. Moritz; Burggrub. = Mg. Stublang; Friesener Warte. ®

u

&

Gattung Pupa Drap. - (Torquilla) trumentum Drap. Es. Wilibaldsberg. Rg. Weltenburg und Kelheim mit mut. albina. Nb. Trockene Berghänge nicht selten K. Mg. Cordigast (horngelb, Neigung zum Albinismus) Br.; Staffelberg,; Stublang.

N TT— 4a) Nach brieflichen nn we von Herrn G. Bertram in Dinkelsbühl kommt B. tridens Müll bei Regensburg vor

ja)

. (Torquilla) secale Drap. Pp. Ruine Pappenheim. Rg. Kelheim; Weltenburg mit mut. albina. Nb. Pommelsbrunn K. Pg. Eschenbach E. f. S. Schlehenmühle; Ehrenbürg; Eberhardstein; Neudeck coll. Cless.; Streitberg. Mg. Friesener Warte; Ruine Niesten.

Kg

. (Modicella) avenacea Brug. Pp. Ruine Pappenheim. Rg. Weltenburg; Kelheim; Regensburg coll. Cless. Nb. Arzlohe bei Hersbruck E. Pg. Eschenbach E.; Rupprechtstegen K. f. S. Eberhardstein; Schlehenmühle; Ehrenbürg; Streitberg; Muggen-

orf Sp. Mg. Würgau Sp.; Ruine Niesten. Merkwürdig ist das Verhalten der 3 bisher genannten Pupen gegen- über dem Albinismus: frumentum fällt ihm am ehesten zum Opfer, seltener

secale, avenacea gar nicht. Die letzgenannte Art dürfte auch im sichersten

ee

Besitze der Felsen sein, wogegen secale sich auch gerne an Bäume hält im württembergischen Jura fast ausschließlich und frumentum die kurz- rasigen, mit Steinen besäten Abhänge bevorzugt. Um so bemerkenswerter ist ihr Zusammentreffen am warmen Felsen von Weltenburg; es ist aber dabei zu beachten, daß frumentum auch an den Felsen ihrem Charakter einer Bodenschnecke treu bleibt, insofern sie sich hier im Mulm und zwischen den Gräsern der Absätze versteckt, wogegen avenacea die nackte Felswand

besetzt. Das leicht verwitternde und abbröckelnde Gestein des fränkischen

Jura bietet secale und frumentum günstigere Bedingungen als avenacea. P. (Pupilla) muscorum L.

Nd. Wallerstein.

Pp. Dollnstein coll. Cless.

Es. An der Straße nach Pfünz.

Rg. Weltenburg; Kelheim; Regensburg coll. Cless.

Nb. Sehr verbreitet in Wiesen und an Waldrändern K. Erl. Marloffstein und Schwabachgeniste Ld.

f. S. Ehrenbürg; Behringersmühle angesp. Br.

Mg. Ruine Niesten; Cordigast Br.; Staffelberg.

mut. albina Eichstätt; Weltenburg; me Cordigast Staffelberg; Ruine Niesten.

vn tue IN

105

var. madida Gredler Rupprechtstegen K. var. elongata Cless. Regensburg coll. Cless.

Eine Bewohnerin der Wiesen und der kurzrasigen Gehänge tritt muscorum an den Jurafelsen vereinzelt auf im Mulme der Absätze, wobei sie dann gerne dem Albinismus zum Opfer fällt; sie überläßt darum das Feld der nachfolgenden Art, die den Felsen zu Hunderten besetzen kann, wenn muscorum es kaum zu einem halben Dutzend Individuen neben ihr bringt.

P. (Pupilla) sterri v. Voith = cupa Jan einschließlich aridula Held. Es. Wilibaldsberg. Rg. Weltenburg; Abbach und Regensburg Cl. f. S. Ehrenbürg; Streitberg. Mg. Staffelberg; Ruine Niesten.

Die Schnecke ist charakteristisch für die bewachsenen, mit Mulm belegten Absätze verwitternder Felsen, die sie in engbegrenzten, aber volk- reichen Kolonien besetzt hält, wobei sie die geschützten Stellen der nach Süden und Westen gerichteten Felsen sich ausgesucht hat. An der Ehrenbürg befinden sich unter den braunroten, seidenglänzenden Individuen vereinzelte weiße (mut. albina); am Staffelberg sind ‘die braunroten gleich- mäßig mit durchscheinend horngelben und weißen gemischt, und am

Weltenburger Felsen bilden die gelblichen und weißen Gehäuse die Mehrzahl.

Wegen der Feststellung der Art wandte ich mich an Herrn Professor Dr. ©. Boettger in Frankfurt a. M., welcher die Freundlichkeit hatte, mir

nachstehendes mitzuteilen: „Ich bitte zu beachten, daß der Name noch = schwankend ist, daß es aber sicher erscheint, daß P. sterri = cupa Jan ist. a V. Voith soll in Fürnrohrs Natürl. Topographie von Regensburg 1838,

Pag. 469 die P. sterri publiziert haben, während Jan in seiner Mantissa P. cupa schon 1832 gebracht hat. Es fragt sich eben, ob wir die zahnlose

Form (als solche hat Jan seine cupa beschrieben) als Typus annehmen dürfen, oder ob wir besser die bezeichnete Form als Typus (stegi) setzen. Ich für meinen Teil habe mich für den Jan’schen Namen entschieden; Westerlund, der wenig von diesen Formen gehabt haben dürfte, plädiert Noch 1887 für sterri Voith. Während meine Originale aus Clessins Hand

fast alle wenigstens den Gaumenzahn der echten sterri zeigen, fehlt dieser allen mir gesandten Proben. Sie müssen demnach die bayerischen Formen

als cupa var. aridula Held bezeichnen, die typisch nur den Parietalzahn =

besitzen soll.‘

Daß Herr Professor Boettger nur solche Stücke von mir erhielt, |

Welchen der charakteristische Zahn auf der Mündungswand fehlt, ist ein

ER ee EEE, hen

ER

Zufall. Ich fand nämlich bei einer eingehenden Durchsicht meiner Funde |

neben solchen Exemplaren, denen jeder Zahn fehlte, und neben einzähnigen, zahlreiche Stücke mit 2 Zähnchen, je eines auf der Mündungs- und eines auf der Gaumenwand, letzteres zuweilen weiß durchschimmernd.

Von Fürnrohr und Clessin ist die Art aus dem südlichen Jurazuge bekannt geworden (Eichstätt, Abbach, Regensburg); aus dem nördlichen gibt sie Küster 1856 von Bamberg an. Er hat ein Exemplar von P. aridula Held in der hinterlassenen Sammlung eines in jugendlichem Alter in Bam- berg verstorbenen Handwerkers gefunden. Sonst war über die Herkunft des Stückes nichts zu ermitteln.”) Clessin nahm aber den Fundort in seine

deutsche Fauna auf.°) Später jedoch scheinen ihm Bedenken bezüglich einer derartig ungenügend begründeten Fundortsangabe gekommen zu ‚sein; denn in der Moll. F.Österreich-Ungarns’) redet er nur von „einem Teile des südlichsten Jurazuges in Bayern“.

Ich lernte die Schnecke zuerst bei Weltenburg kennen. Vom nörd- lichen Jurazuge wußte niemand einen Standort anzugeben; Herr Kollege Brückner aber ermahnte mich, keine Zeit und Mühe für eine genaue Durch- musterung der Ehrenbürg zu sparen; dort sei nach seinem Dafürhalten das Ding am ehesten zu erwarten. Er hatte richtig vermutet; am zweiten Tage entdeckte ich die kleine Felsgruppe, wo die Tierchen in großer Anzahl in Moos und Mulm saßen.

P. (Sphyradium) edentula Drap. Nb. Gritz K f. S. Behringersmühle angesp. Br. P. (Isthmia) minutissima Hartm. Es. Wilibaldsberg. Rg. Weltenburg; Regensburg coll. Cless. Pg. Rupprechtstegen K Erl. er. Ld. f. S. Schlehenmühle; Ehrenbürg; Muggendorf Sp.; Behringersmühle a Br.; Rabenstein coll. Cless. Mg. Staffelberg; Ruine Niesten. Zahlreich im Mulm der Felsabsätze, in Gesellschaft der P. sterri.

5) Jäckels Angabe, wonach P. sterri „von Küster entdeckt“ worden sei, ist

demnach unrichtig; übrigens führt er neben P. sterri noch P. aridula besonders au.

6) A.a. 0. S. 247. 7) S. 258,

ee

Kan a ERS RE Be

AO

P. (Vertigo) pygmaea Drap. Es. Wilibaldsberg. Rg. Regensburg coll. Cless. Nb. Gritz K f. S. Ehrenbürg; Behringersmühle angesp. Br. Mg. Staffelberg. P. (Vertigo) substriata Jeffr. Nb. Unterbürg K Das Schneckchen ist ein Eiszeitrelikt und hat sich im schwäbischen Jura, wo die Bedingungen noch günstiger für dasselbe sein dürften, an mehreren Punkten der Uracher Umgebung erhalten.° : P. (Vertigo) antivertigo Drap. A Nb. Unterbürg K. Pg. Rupprechtstegen K. Erl. Schleifmühle Ld. f. S. Behringersmühle angesp. Br. Mg. Hochstadt angesp. Br. P. (Vertigo) heldi Cless. Donauauswurf bei Günzburg und Regensburg. P. (Vertigo) pusilla Müll. f. S. Ehrenbürg; Behringersmühle angesp. Br. Mg. Staffelberg; Cordigast Br.; Ruine Niesten. P. pygmaea und pusilla, Bewohner feuchter ‚Orte, kommen im Felsen- mulm nur spärlich vor und verschwinden neben muscorum. P. (Vertigo) angustior Jeffr. Pg. Rupprechtstegen K. f. S. Behringersmühle angesp. Br. Mg. Hochstadt angesp. Br.; Staffelberg Br.

Ne De a a A ae Ana

Gattung Balea Prideaux.

B. perversa L.

Rg. Parsberg Cless.; Weltenburg.

f. S. Ehrenbürg.

Mg. Staffelberg, zahlreich am Fuß der Felsen. Außerdem an der Ruine

Hals bei Passau. Ten 8) Näheres über die Verbreitung d. P. substriata siehe Ehrmann P., Beiträge

zur Kenntnis De Moll. F. des Königreichs Sachsen, Ber. d. naturf. Ges. zu Leipzig,

Jahrgang 189

BE GE FT a EEE RER Fe ES ne cn en

Be a 1 A A ea a... Me

Gattung Clausilia Drap. Cl. (Clausiliastra) laminata Mont.

Allgemein verbreitet; bei Sanspareil Mg. gelbrötlich, mehr oder \

weniger dickschalig. var. granatina Ziegl.

Felsen der rechten Seite im Eberhardsteiner Tal bei Wichsenstein f. S. und bei Streitberg f. S.

Die Gehäuse sind festschalig, schwer, schlanker als der Typus, dunkel rotbraun mit schwachem Glanze, Lippe und Lamellen blendend weiß. Die Form macht den Eindruck einer Anpassung an die warmen und trockenen Felsen, und es ist im Eberhardsteiner Tal die Beobachtung zu machen, daß auf der rechten Talseite an den der Sonne ausgesetzten Felsen aus-

schließlich granatina sitzt, während kaum 20 Schritte gegenüber, am be- schatteten und feuchten linken Abhang die typische Form in derselben Ausschließlichkeit vorkommt. Ru Herr Professor Dr. Boettger schrieb mir übrigens: „Ich lege auf diese Unterscheidung (der granatina von laminata) keinen Wert, da ich Übergänge zwischen ihr und den Stammort kenne, und sie (granatina) überhaupt nicht die Rolle einer geographischen Varietät spielt.‘ Cl. (Clausiliastra) orthostoma Mke. Nb. Pommelsbrunn K. Erl. Hetzles; Walkersbrunn; Eggolsheim Küst. f. S. Schottersmühle E.; Burggrub; Tiefenhöchstadt. Mg. Friesener Warte (dunkelbraun wie granatina s. vor. Art). : Nirgends häufig, da die kühlen, feuchten Abhänge und Schluchten } - fehlen, die sie liebt; meist etwas klein und schmächtig; bei Tiefenhöchstadt an einem nach Osten gelegenen Abhang am zahlreichsten. Cl. (Fusulus) varians 2gl. Nb. Pommelsbrunn 1 Expl. K. Pg. im Ankatale bei Rupprechtstegen 4 Expl. K. zugleich mit der rein R alpinen Käferart Chrysomela rufa Duft. Cl. (Alinda) biplicata Mont. Rn Gemein, an 28 Orten gesammelt. Abweichende Formen nicht selten: Nd. am Wallerstein bis auf 12 mm herabgehend, gedrungen, Mündung ohne Halsverengung dem Bauche aufsitzend, normale Gehäuse ganz selten. Pp. am Bahnhof schlank, bis zu 20 mm hoch und 4 mm Durchmesser. Rg. am Felsen von Weltenburg klein, hell hornfarben bis vollständig weiß (mut. albina) und zur var. forsteriana Cless. übergehend-

18

f. S. Schlehenmühle 18 mm hoch, schlank; Tiefenhöchstadt stattlichste Entwicklung, bis 19 mm hoch bei 4!’ mm Durchmesser (s. bei orthostoma). Niederhaus bei Passau teils mit rundlicher Mündung (wie eine ventricosa), teils mit birnförmiger, einzelne Exemplare mit 3 Gaumenfalten, Größe zwischen 14 und 17 mmsich bewegend. var. forsteriana Cless. Rg. Kelheim und Regensburg, in mit Mulm gefüllten Spalten Cl. Herr Professor Dr. Boettger hatte die Güte, mir mitzuteilen, daß er auch die Wallersteiner Exemplare zu dieser Varietät rechnen würde. Cl. (Alinda) plicata Drap.

Nb. Velburg coll. Cless.; Heimburg bei Altdorf Sp.; Pommelsbrunn K.

Erl. Ratsberg Ld. Mg. Würgau Sp.; Sanspareil Br. Cl. (Strigillaria) vetusta var. festiva Küst. Mg. Niesten; Friesener Warte zahlreich; lebt an den heißesten und trockensten, der Sonne und den Winden ausgesetzten Stellen der Felsen, sich tief im Getrümmer verbergend, bei Regen zum Vor- schein kommend. In der fränkischen Schweiz, aus welcher sie Clessin angibt, ist die Art selten, Brückner fand nur ein einziges Exemplar dort; ihre Hauptverbreitung ist am Nord- u. Westrand. Cl. (Strigillaria) cana Held. Pp. Langenaltheimer Tal zahlreich. Pg. Krottensee spärlich. f. S. Burggrub, „die kleinste deutsche Form dieser Art“ nach freund- licher Mitteilung von Prof. Dr. Boettger. Neu für das Gebiet.

Cl. (Kuzmicia) parvula Stud. se

Die gemeinste Art im Jura, eigentliche Leitschnecke für das Ge biet. An der Ehrenbürg f. S. mattglänzend mit bläulichem Anflug, am Wallerstein Nd. rotbraun. Bei Eichstätt erreicht die größte Form 10 mm, die kleinste 7 mm; bei Weltenburg Rg. mut. albina eine große Seltenheit. Cl. (Kuzmicia) dubia Drap. ;

Allgemein verbreitet, an feuchten, kühlen und schattigen Standorten dunkelbraun mit vielen weißen Strichelchen besetzt, an warmen und trockenen Standorten, z.B. an den Felsen der Ehrenbürg etwas größer | und fester, dickschalig, ohne Strichelchen, dunkelbraun mit bläulichem Anflug, mattglänzend, wie es bei corynodes und parvula vorkommt, wenn iese an warmen Felsen sitzen (Wärmeanpassung).

Er a EEE ENTER TR ET ET en u °

Se

Cl. (Kuzmicia) eruciata Stud. Pp. Langenaltheimer Tal zahlreich. Es. Kinding spärlich. Pg. Krottensee spärlich; Exkursionsweg nach Sackdilling E. Mg. Ziegenfelder Tal Br. Neu für das Gebiet. Cl. pumila Ziegl. und Cl. bidentata Ström. kommen im Jura nicht vor, nähern sich aber denselben im nördlichen Vorlande ne Coburg und Bamberg (pumila coll. Cless.).

Cl. (Pirostoma) ventricosa Drap.

Nb. Pommelsbrunn K.

Pg. Vorra; Rupprechtstegen K.

Erl. Schwabachgenist; Langemeile; Ratsberg; alle 3 nach Ld. f. S. Burggailenreuth Br.; Kirchahorn; St. Moritz; Tiefenhöchstadt. Mg. Würgau; Banz rechts des Maines.

Cl. (Pirostoma) lineolata Held. Pp. Weißenburg coll. Cless. Pg. Vorra. Erl. Ratsberg Ld. Mg. Banz rechts des Maines. var. subcruda Bttg., 12,5 mm hoch die Stammform bei Vorra hat 16 mm —, bauchig, rasch sich zuspitzend, weitläufiger gerippt. Erl. Walkersbrunn. f. S. St. Moritz südlich der Ehrenbürg. An beiden Orten nur diese Form, welche von Herrn Professor Boettger bestimmt wurde.

Neu für das Gebiet, wahrscheinlich für ganz Deutschland.

Cl. (Pirostoma) plicatula Drap. Nb. Pommelsbrunn K.; am Moritzberg E.; Hohenstein coll. Cless- Erl. An mehreren Punkten in der Nähe der Stadt Ld.; Ratsberg Ld. Mg. am Sendelbach bei Bamberg Küst. 1861.

2 Nach Koch selten, was ich bestätigen muß; im schwäbischen Jura ist die Art eine gewöhnliche Erscheinung. Die Erlanger Fundorte entfallen

zumeist auf die Ebene.

Cl. (Graciliaria) filograna Ziegl. Nb. Pommelsbrunn, sehr selten K.

I

Gattung Cionella Jeffr. C. lubrica Müll.

Nb. sehr häufig K.

f. S. Streitberg; Neumühle E.; gemein in der f. S. nach Br.

. Mg. Lichtenfels Br

var. minima Siem. (= exigua Mke.)

Es. Straße nach Pfünz.

Pg. Rupprechtstegen. E. f. S. Ehrenbürg.

Mg. Staffelberg.

Die Varietät im Mulme warmer und trockener Felsen; bei Welten-

burg Rg. mut. albina. i C. tridens Pult. (= Azeca menkeana C. Pf.) findet sich im Jura 5 nicht, tritt aber sofort dem Nordrand gegenüber auf dem rechten Main- ufer bei Schney auf Br. Das von der Marienhöhe Nd. stammende Exem- plar der Nürnberger Sammlung ist wahrscheinlich durch irgend eine Ver- wechslung zu dieser Ursprungsbezeichnung gekommen. Ich bemühte mich vergeblich, die Schnecke am bezeichneten Orte zu finden und glaube auch nicht, daß sie auf dem trockenen und windigen Höhenzuge vor- kommen kann.

Gattung Caecilianella Bgt.

C. acicula Müll. ; Es. Wilibaldsberg. Rg.Weltenburg zahlreich im Mulm des warmen Felsens. i Nb. Lichtenstein K

Erl. Burgberg Ld.

t. S. Behringersmühle angesp. Br.; Schlehenmühle.

Mg. Staffelberg; Ruine Niesten.

Im Mulme der Felsen, gewöhnlich vereinzelt.

Gattung Succinea Drap. S. putris L. Allgemein verbreitet. Bei der Schlehenmühle f. S. fand ich die Sonst nur am Wasser lebende Art auch an Felsen aufgekrochen und ver- trocknet. Sie kam mit den Pupen und Clausilien in mein Sieb. var. drouätia Mog. Tand. Streitberg coll. Cless. var. charpentieri Dum. et Mort. Streitberg Cless.”)

en TEEN 9) A.a. ©: S. 341.

PE Auhn

u

pfeifferi Rssm. . Pp. Altwasserufer. Nb. seltener als putris. Pg. Vorra; Velden. f. S. Pottenstein. . elegans Risso. Pp. Am Rande eines Altwassers der Altmühl; Offingen a.D. Cl. Neu für den Jura. . oblonga Drap. Nb. Engeltal K. Erl. Marloffstein und Ratsberg Ld. "Mg. Staffelstein. Scheint im Bergland selten zu sein.

un

un

Gattung Carychium Müll. C. minimum Müll.

Im Bergland selten; gehört den Tälern an und scheint auch dort selten zu sein, da Koch sie nicht aufzählt. Bei Erlangen an Gräben und Ufern häufig Ld. f. S. Behringersmühle angesp. Br.; Regensburg coll. Cless.

Gattung Limnaea Lm.

L. stagnalis L.

Bei Fischstein Pg. innerhalb des Jura, sonst in den das Gebirge um-

gebenden Tälern.

Erl. Weiher bei Bubenreut E. L. auricularia L.

Pp. Altwasser der Altmühl.

Erl. Weiher bei Bubenreuth E.

f. S. Schulmühle.

L. ampla Hartm. ist innerhalb des Gebirges noch nicht gefunden worden. 4 L. ovata Drap. ist eine charakteristische Quellschnecke im frän kischen Jura, zahlreich in den langsam abfließenden Quellen an Steinen

sitzend, meist klein und zart, da nicht der Kalkgehalt, sondern die Str mung und Bewegung des Wassers zur Bildung dickerer Schalen reizt, $- var. fluminensis Cless. in der Donau bei Regensburg. In einer stehenden, In den Fels gehauenen Quelle von Schirradorf bei Hollfeld Mg. fanden sich große, zartbeschalte Individuen, ähnlich in der großen, alsbald versumpfen den Quelle am Seeberg, rechts unterhalb Michelfeld an der Pegnitz und

elle Eis ET EEK EN [A H BE er RE dh KR 5 113 .— .

in einem langsam fließenden Graben bei Vorra Pg. Als eine Folge der Kalkarmut dürften die kleinen, bräunlichen, zarten Schalen mit ab- vn springender Epidermis aufzufassen sein, welche ein kleiner Bach beherbergt, der aus dem Sande von Neumarkt i. ©. kommt. h Im württembergischen Jura, wo die Quellen mit stärkerem Gefäll abziehen, ist L. ovata seltener und fast nur auf der Donauseite zu suchen. L. peregra Müll. a ' Es. Beilngries. 3 Erl. Hetzles E.; Uttenreuth E. f f. S. Pottenstein. ee L. peregra und palustris, in der Größe wechselnd und nur kümmerlich an fortkommend, sind in den Gräben der Juratäler an der Grenze ihres Ver- # breitungsgebietes angekommen, finden sich darum auch ziemlich selten L. palustris Müll. Pg. Neuhaus; Fischstein. f. S. Schulmühle, kleine Grabenformen. L. truncatula Müll. Nb. Pommelsbrunn K. f. S. Gosberg E. Mg. Weismain. Ziemlich selten.

Gattung Physa Drap. Ph. fontinalis L.

Pg. Im Pegnitztale nicht selten.

f..S. Behringersmühle angesp. Br. Die Art hält sich nicht immer an frische und reine Quellen, sondern f gedeiht auch in stehenden Gewässern (im Dutzendteich Nb.) und i | _ . Sumpfigen Quellen (unterhalb Neuhaus), wo sie sogar eine beträchtliche Größe erreicht. \

. Gattung Aplexa Flem. A. hypnorum L. Im Jura nicht gefunden; bei Nürnberg selten K.

| Gattung Planorbis Guett. = ‚Pl. carinatus Müll. Pp. Altwasser der Altmühl. x ‚Pl. umbilicatus Müll. * A Drap.) innerhalb des Gebirges : beobachtet.

»

"

Pp. Altwasser der Altmühl. Mg. Niesten in einem Teiche Br.

. spirorbis L. „in wenigen Exemplaren bei Lichtenfels“ Br. . leucostoma Mill. (= rotundatus aut. s. Clessin).

Erl. Atzelsberg Ld.; Schwabachgeniste Ld. f

S. Gosberg E.; Behringersmühle angesp. Br.; . contortus L.

Nb. Unterbürg und Pommelsbrunn K. Pg. Rupprechtstegen K.; Neuhaus; Fischstein.

. albus Müll.

Nb. Unterbürg und Pommelsbrunn K. Erl. Atzelsberg Ld. f. S. Neumühle E.

. glaber Jeffr.

Erl. Atzelsberg Ld.

. complanatus L.

Erl. Atzelsberg Ld.

Gattung Ancylus Geoffroy.

ine fluviatilis Müll.

Es. Biberach bei Beilngries. Nb. Pommelsbrunn K. Pg. In der Pegnitz bei Velden.

f. S. Eberhardstein; Birkenreuther Brunnen; Behringersmühle in einer Quelle; Pottenstein; Kirchahorn in der ER ne:

Mg. Schirradorf; Weismain.

In der Donau bei Ingolstadt und Kelheim in Gesellschaft der Neritinen.

var. gibbosum 2 Pp. bei der Grafenmühle. Rg. Neuessing coll. Cless.

f. S. Zwei Quellen bei Baumfurt (Muggendorf.)

var. rubicola Boube&e.,

f. S. Heroldsmühle in großer Zahl.

Neu für das Gebiet. var. cornu Cless

E38. Streitberg. im Schangstal: ‚Urspring; Burggrub; in der Pütt-

lach Br. .

Pottenstein.

Eee A aan bin Ania u re ne a

Die Napfschnecke findet sich in den fränkischen Juraquellen fast ebenso häufig als Limnaea ovata. Sie besetzt manchmal die Steine in großer Menge, aber nicht unmittelbar in der Quellöffnung, sondern eine kurze Strecke unterhalb derselben und hört dann ebenso plötzlich wieder auf. = Anc. lacustris L. Re Nb. Unterbürg K. = var. moquinianus Bgt. Regensburg coll. Cless. @ Gattung Pomatias. = P. septemspiralis Raz.

Re. Weltenburg und Kelheim zahlreich an Felsen.

Gattung Acme Hartm.

\ A. polita Hartm.

E Regensburg coll. Cless. vermutlich angespült. f. S. Behringersmühle BU: Br.

29 A

. lineata Drap. Regensburg coll. Cless. vermutlich angespült und: dann ebensogut aus der bayerischen Hochebene stammend.

23 Gattung Vivipara Lm. (Paludina Lm.) Er V. contecta Mill. |

=D Eichstätt coll. Cless. Donauwörth. ir Gattung Bythinia Leach. . tentaculata L. Nd. In der Wörnitz. Pp. Altwasser der Altmühl. Es. In der Altmühl bei Kinding; im Kanal bei Beilngries. In den Tälern der nördlichen Hälfte nicht gefunden. Gattung Lartetia Bgt. (= Vitrella Cless.) L. sandbergeri Flach, Mal. Blätt. N. F. VIII, 1885 pag. 162 Taf. 9 Fig. 1; a Westerlund Fauna Band VI pag. 43. Bei Muggendorf. Ich vermute, daß es dieselbe Art ist, von welcher Lindinger‘°) berichtet „aus dr ' Muschelquelle bei Streitberg, Sandberger’sche Sammlung. Subfossil? de “e L. senefelderie Geyer, Jahreshefte des Ver. f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1907 S. 407. In der großen Quelle von Mühlheim bei Solnhofen Neu für das Gebiet. L. turrita Cless. aus dem Auswurf der Regnitz bei Erlangen, vermutlich aus dem Jura stammend.

tJ

Fi 10) A.a.O. S.9.

| Bei der Suche nach Lartetien hatte ich meine Hoffnung hauptsäch- Jich auf die Muschelquelle von Streitberg gesetzt. Mündliche Berichte von Besuchern der fränkischen Schweiz, Lindingers Notiz und die Angaben des Reiseführers „Die fränkische Schweiz usw.“ der Th. Blaesing’schen Universitätsbuchhandlung in Erlangen'') stimmten darin überein, daß in dieser Quelle Schnecken und Muscheln ausgeworfen werden. Ich fand bei dreimaligem Besuch nichts, auch nicht eine Spur, und Herr Brückner teilte mir mündlich mit, daß er seit 1887, wo er auf Veranlassung Clessins erst- mals dort nach Lartetien gesucht habe, die Quelle kenne und wiederholt besucht, aber nie die gesuchten Schnecklein gefunden habe.'”) Es ist zwar nicht anzunehmen, daß obige Angaben nur auf einer Täuschung be- ruhen; aber es müßte sich nicht gerade um. Lartetien handeln. Denn be- kanntlich werden in vielen Quellen Schnecken und Schneckenschalen- _ trümmer in Menge aufgewirbelt, wenn sie entweder von außen eingeflößt . werden oder (subfossil) aus dem Boden stammen (wie es in Quellen im Torfmoor häufig vorkommt). Da ein Teil der Quelle heutzutage gefaßt - ist, ist auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sie früher, bevor in den Ausfluß beengend eingegriffen wurde, Schneckenschalen auswarf, und zwar können es sogar Spaltenbewohner gewesen sein, denn die Quelle fördert heute noch Bohnerz zutage, ein Umstand, der für die Herkunft des Wassers aus Spalten spricht. Eine dritte Möglichkeit endlich ist die, daß die Lartetien der Sandberger’schen Sammlung in Erlangen gar nicht von der Muschelquelle stammen, sondern aus einem diluvialen Lager bei Streit- berg, wo viele Schnecken gefunden werden, die zwar nicht mehr in Franken, aber sonstwo in Europa noch leben. Es ist nämlich nicht erwiesen, daß Sandberger die betreffenden Lartetien selbst gesammelt hat, sie können ebensogut von einem Liebhaber zusammengelesen und später, weil von ' Streitberg stammend, der Muschelquelle unterschoben worden sein.

ii

ie

Bei dem geringen Ergebnis meiner Exkursion in Bezug auf die Lar-

tetien ist zu beachten, daß ich während der 6 Wochen zwar einige Hundert Quellen untersuchte, dennoch aber manche noch übergangen werden mußten, und daß, wenn die untersuchten im Juli und im August keine Beute lieferten,

11) 5. Aufl. S.26. 12) Herr Tierarzt A. Ade in Weismain, der in früheren Jahren viel sich mit dem Sammeln von Mollusken, zum Teil gemeinsam mit Clessin, befaßt hat, schreibt

meine Limnaeen und ähnliches; hingegen nach Bythinella und Vitrella habe ich die hiesigen Quellen alle umsonst durchsucht.“

Enslin hat dieselben Erfahrungen in der fränkischen Schweiz gemacht, s. a. O. Seite 52, 2 ni

"Wasser des im Dolomit entspringenden Trubaches aber hat 68,04 Proz.

sie es möglicherweise im Frühjahr nach starken Niederschlägen tun können. Ich richtete mein Augenmerk auf solche Quellen, die nach den Erfahrungen, wie ich sie in Württemberg gemacht hatte, auf ein Ergebnis hoffen ließen und bin in Franken ebenso verfahren wie in Schwaben, berücksichtigte auch alle Horizonte und Quelltypen (Spaltenausflüsse, Schuttquellen, Pseudo- quellen etc.), und trotzdem fand ich innerhalb der bayerischen Grenze bis jetzt nur 3mal Lartetien (Staufen und Zöschingen bei Dillingen s. Jahresh. des Ver. f. vaterl. Naturk. in Württ. 1907 S. 407 und bei Mühlheim-Soln- hofen) und im württembergischen Juraanteil 129 mal. Die überraschende Differenz ist selbstverständlich nicht auf Zufälligkeiten, wie das Sammeln zur trockensten Jahreszeit oder den bloß einmaligen Besuch der Quellen zurückzuführen. Wenn die Lartetien im fränkischen Jura ebenso ver- ® breitet wären wie im schwäbischen, hätte ich unter den allerungünstigsten _ äußeren Bedingungen doch im: Sommer 1905 mindestens 40 Lartetien = führende Quellen finden müssen. Ich fand aber nur eine; die von Staufen | und Zöschingen entfallen auf den September 1906. a

Es dürfte sich lohnen, nach Gründen für die Beschränkung der Lar- = tetien auf dem schwäbischen Jura und für ihr Fehlen jenseits der Altmühl- linie zu suchen.

Wenn ich einen Geologen um seine Meinung frage, dann weist er auf den Dolomit hin, der in Franken so mächtig entwickelt ist. Nach Blos'®) hat eine Quelle von Hetzles im Werkkalke in 100 Teilen Trocken- rückstand 92,17 Proz. Calciumkarbonat und nur 7,83 Proz. Magnesia; das =

kohlensauren Kalk und 31,96 Proz. Magnesia. Die Unterschiede sind also

aber auch keine. /

Nach den Mitteilungen von Gümpel, Blos und Neischl kommen i Höhlungen und unterirdische Wasserläufe im Dolomit in wesentlich anderer Weise zustande als in den geschichteten Kalken. Das atmosphärische Wasser dringt langsam durch den porösen Dolomit, löst denselben, höhlt ihn aus und fließt tropfenweise nach unten ab. Es bildet auf diese Weise Corrosionshöhlen, in denen es weiterfließen kann. Neischl sagt zwar aus- 6. drücklich, die Bildung der Höhlen der fränkischen Schweiz sei mittelbar auf tektonische Vorgänge zurückzuführen'‘); aber er meint damit offenbar Hi

[s

13) A.a. 0. S, 39, 4)Aa0.87

DR a a ER Ze Se

we

nicht die großen Verwerfungsspalten, sondern feine Risse und Klüfte, welche

das Wasser zum Abfließen benützt und dabei erweitert. Es kommen auf solche Weise unterirdische Wasserkanäle zustande, die nach der Abfluß- seite zwar offen, nach oben aber, nach der Seite des Wassereinflusses so gut wie verschlossen sind. Dann kann von der organischen Welt nichts in einen unterirdischen Wasserlauf eingeschwemmt werden, und den Tieren, die darin hausen sollten, können keine Nahrungsstoffe zugeführt werden. Enslin sagt geradezu,'?) es gehören alle Höhlen der fränkischen Schweiz zur Gruppe der Sickerwasserhöhlen, die Flußwasserhöhlen fehlen gänzlich, es müsse daher eine Lartetia in der fränkischen Schweiz fehlen, weil diese an fließendes Quellwasser gebunden sei.

Dann ist das Fehlen der Lartetien im Dolomit verständlich, noch nicht aber im geschichteten Kalk. Enslin nennt aus dieser Schichte die Binghöhle bei Streitberg,'*) welche früher einen unterirdischen Bachlauf gebildet habe. Sollte es heutzutage keine solchen mehr geben? Das ist doch nicht anzunehmen. Außerdem kennen wir da und dort die bekannten Erdfälle, wo die Tagwasser verschwinden, um unterirdisch einer Quelle zuzufließen. Solche Kanäle in der Tiefe sind wenigstens im württem- bergischen Muschelkalk von Lartetien besetzt. Im fränkischen Jura ist aber auch da nichts zu holen.

Eine Beobachtung, die ich im Sommer 1906 machte, legt mir folgende Erklärung nahe.

Die Lartetien sind ein sehr altes Schneckengeschlecht; es beweist das ihre Anpassung an die niedere Temperatur der Spaltengewässer, ihre An- passung an die Finsternis, ihr Besitzergreifen von den denkbar ungeeignetsten Örtlichkeiten, vor allem aber ihre nahe Verwandtschaft nicht mit den ihnen ‚äußerlich nahestehenden Bythinellen der oberbayerischen Quellen, sondern mit den Hydrobien des Brackwassers der Nord- und Ostsee und des Salzigen Mansfelder Sees. Sie hatten von den Quellen und Spaltengewässern des Jura Besitz ergriffen, bevor die Erosion die Spalten zu den heutigen Tälern und Höhlen erweitert hatte. Der Jura im heutigen Bayern aber wurde in der Folge von fremden Gewässern von Osten und Nordwesten angegriffen, nach und nach durchsägt und überwunden, während der württembergische

; Teil Stand hielt und wie eine Felsenmauer stehen blieb. Die durchfließen- den fremden Urgebirgs- und Keuperbäche haben im fränkischen Jura die

= Spalten ausgewaschen und die Spaltenbewohner vernichtet.

19.A.=0: 5; 51: 16) A.a. O. S. 51.

119

Für diese Ansicht kann ich wenigstens auf eine Tatsache im Süd- osten des schwäbischen Jura hinweisen. Er hat eine gleichmäßig verteilte Lartetienfauna durch die Spalten des Nord- und Südrandes bis nach Tutt- lingen. Dort hört sie mit einemmale im Zusammenhang auf eben an der Stelle, wo das erste Flußbett den Albkörper durchschneidet, das Bett, in welchem einst die vom Schwarzwald kommende Eschach durch das heutige Prim- und Faulenbachtal zur Donau floß. Alle von hier in der Richtung auf Donaueschingen links herkommenden Zuflüsse der Donau durchschneiden den Jura, zu dessen Kindern sie nicht mehr gezählt werden können, und in diesem Dreieck traf ich nur- einmal wenige, dürftige Lartetien an, die

sich an die übrigen im württembergischen Jura nicht anschließen lassen. Erst im Randen bilden die Lartetien (L. sterkiana Cless.) wieder eine aus mehreren Punkten «bestehende Verbreitungsinsel. Der Randen ist aber

auch nicht überwunden worden, weder von der stürmischen Wutach noch ;

vom gewaltigen Rheintalgletscher.

Gattung Valvata Müll. V. piseinalis Müll. Es. Kanal bei Beilngries. Mg. Weismain Br. V. eristata Müll. Pp. Teich bei der Grafenmühle. f. S. Behringersmühle angesp. Br.

Gattung Neritina Lm. Innerhalb des Berglandes nicht beobachtet.

. transversalis Ziegl. geht in der Donau aufwärts bis Ingolstadt, wo sie an Steinen unterhalb der Brücke sitzt. Bi

B. Klasse Acephala Cuvier, Muscheln.

Gattung Unio Phil. U. batavus Lm. x Es. Wörnitz; Altmühl; zwischen Kinding und Beilngries finden sich

- in der Altmühl äußerst kleine, kümmerliche Formen. f. S. Ailsbach E.

U. pietorum var. limosus Nilss.

Es. Wörnitz; Altmühl bei Kirchanhausen.

A. piscinalis Nilss. Wörnitz.

.

Sphaerium und Calyculina wurden innerhalb des Gebirgszuges icht beobachtet.

noch

Gattung iebdium rer . amnicum Müll.

f. S. Behringersmühle angesp. Br.

tontinale C. Pf. (= fossarium Cless.).

RS: Pottenstein. obtusale 6 Pf

Nicht im Bergland gefunden, aber im Dutzendteich bei Nürnberg, mas a nicht angibt.

um Gm.

A

NATU RHISTORI SCHEN GESELLSCHAFT

| NÜRNBERG. | er

ee Band.

I. Schi )Heit.

a

NÜRNBERG 1912.

Druck von LE Stick

Die Verfasser sind für Inhalt und Form ihrer Arbeit verantwortlich.

Inhaltsübersicht des XVIIT. Bandes,

Seite Zum Gedächtnis an Dr. August es en von Wilhelm Rüdel, mit Bild. . Die Kultur als > der Notar. Von Dr. Auen Heerwagen

Ein Fund aus den Bahekten. Von Dr. $S. von Forster. . .

Über Erdpyramiden. Von Dr. Wilhelm Graf zu Leiningen .

Über Fossilfunde im Rhät und im unteren Lias bei Altdorf in Mittelfranken. Von Dr. Ernst Stromer . . .

‚Über Insektenreste aus der Trias Frankens. Von Anton Handlirsch-Wien . .

Die re Mollusken si aka: Tai Ya s

D. Geyer-Stuttgart 8

Flora der ek von Nosabasp- Poland n. m. Teil: For. setzung und se Von August Friedrich Schwarz . 121

Phanerogamen- und Gefässkrypfogamen- Flora

der Umgegend von Nürnberg-Erlangen des angrenzenden a des Fränkischen Jura Freistadt, Neumarkt, Kerr Muggendorf, Hollfeld i August on Schwarz,

. b. Korpsstabsveterinär,

Konservator der er und Obmann der botanischen Sektion der naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg, Ehrenmitglied des Botani- schen Vereines daselbst, Bezirksobmann für VIIb in der Berger

i natur-

s für des Naturwissenschaftlichen vormals botanischen Vereines zu dshut, Stawärkigun Ebsegı- ae der Kgl. botanischen snari ger zu Regensburg, d üringischen botanischen Vere zu Wei

® VI. Teil. \ Fortsetzungen und Nachträge.

Nürnberg 1912.

Druck von J.L. Stich.

S 61.

Nachtrag zu er III: Die floristische Literatur ber die Gefäßpflanzen

Hoppe »_ Taschenbuch: p. 157 Carex cype- roides bei Weißendorf.

1803. Schkahr, Botanisches Handbuch, III. Teil, Wittenberg. p. 342.

1806. Schleis von Loewenfeld, Bezirksarzt, Dr. med. ac phil. Medizinische Topographie vom Land- ee virk Sulzbach, enthält ein Pilenzenvarischan

n 680 Phanerogamen und 125 Cryptogamen.

1821. Zuecarini in Flora bezeichnet Galinsogaea parviflora als Flüchtling aus dem Erlanger botanischen

en.

1823. Heinritz, J. @. Versuch einer (reschichte der k. Kreis-Hauptstadt Baireuth, aus Urkunden, eignem Forschen und ana Der. Erfahrung. Baireuth, oktav, p. 76 einiges über Pflanzen um Bayreut

1830— 1833. Reichenbach, Ludovicus. Flora

nica excursoria. Lipsiae, duodez, enthält einige Berislannden aus der Erlanger Flora. ;

18: De Candolle, Prodromus, erwähnt das Hieracium auf der Ehrenbür Tg.

1852. Grisebach, A. Revisio specierum in Europa sponte crescentium. Göttingen, benennt das Hieracium von der Ehrenbürg als era und betrachtet es als Varietät von H. rupicolum Frie

1882. Nürnberg, naturhist. Gesltschaft, Bericht

4

über die botanisch. Sammlungen P- 1 ultheiß, Fr. Die Thätigkeit der phaeno-

logischen Station Nürnberg (Jahrgang 1882-85). Ab- handlungen d. naturhist. Giesellsch. Nürnbg. VIII. Band P- 48,

29— 1887. Wörls Reisehandbücher, Führer durch Bam-

berg und Umgebung. m. rg und Wien. Aus der . beigegebenen Karte ist er Umfang der re und B0 opfengärten ersic Sich,

124 1066 _

Herrmann, dr Bernhard. Mögeldorf sonst und jetzt. Nürnberg b. Kugler, oktav, enthält p. 9 einige Hloristische Angaben.

Schrüfer, Dr. Theodor, k. L a ee Das Keuper- und Liasgebiet östlich von Bam erg. Geo- mostisch-oroplastisch Skizze mit Rücksicht = die Vege- tationsverhältnisse. Bamberg, D. Siebenkees. 64 Seiten.

1888. Haring-Braun. Floristische Funde aus der Umgebung von Stockerau in Niederösterreich. II. Mentha und Rosa, bearbeitet von H. Braun, bespricht Schrebersche Menthen.

1889. Schultheiß, Fr. ee Bericht 1887—1880. Abh. naturh. Ges. VII. Bd. 8.

1390. Friedrich, Dr. P., Oberlehrer. Ai Sträucher und Bäume unserer öffentlichen Anlagen, insbesondere der Wälle. Einladung des Katharineums zu Lübeck. II. Teil, spricht p. 42 über den Zedernwald bei Stein.

Schwertschlager, Dr. Joseph, Professor der Natur- wissenschaften am Bischöflichen Lyzeum Eichstätt. Der botanische Garten der Fürstbischöfe von Eichstätt. Eine

Fichstätt,

: VIII und

112 Seiten, oktav; enthält in der Vorrede er rei Angaben aus der Neumarkter Gegend.

Ds 1392. Schultheiß, Fr. ee a der

phaenologischen Station Nürnberg aus den Jahren 1882

= rar (3 re Abhandl. d. naturh. Ges. Nbg.

ne Fr. a relgee und Klimatologie. Fränkischer Kurier N. 130. 1894. Blocki, Br., Professor in Lemberg. .Be- merkungen über einige kritische ee e Formen aus der Gattung Hieracium und Potentilla. Deutsche botan. Monatsschrift von Leimbach, ae XII, p.6 bis 10, bespricht Potentilla thuringiaca bei Windsheim. 1896. Ament, Wilhelm. Bambergs Flora im Früh- ling. Unterhaltungsbl. d. Bamb. Tageblattes N. 9-12: Ascherson räbner. Synopsis der mitteleuro- püischen Flora. Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann. Ihne, Dr. E., in Friedberg (Hessen). Phaenologische Beobachtungen, Er 1894. x“. Bericht der ober-

1067 ; 125

Be Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Gießen. p- 76—99 ebenso Jahrgang 1895, ebenda p. 119—154. eucker, A. Bei mern zu den Carices exsic- catae. Allgemeine bot. Zeitg., Karlsruhe. Mummenhoff, Ernst, Stadtarchivar. Die Bande "Geschiehtlicher Führer für Einheimische und Fremde. Nürnberg, Verlag von J. L. Sch

eitung der Potentilla on Bernh. Allgem. bat. Zeitschrift p. 833—85, 38—100.

Schultheiß, Fr. Phaenologische Mitteilungen. General- anzeiger 143, 272 2: Schw vertschlager, Dr. Jos. Die Rosenflorula von stätt. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesell- So München, IV. Bd. p. 22—25.

Ss 62. NE. 2 Literaturverzeichnisses n 1897 —1911.

Zur Rau Ins und um namentlich bei der Biknolagischen Literatur eine oftmalige Wiederholung der gleichen Namen zu vermeiden, führe ich dieselbe in alphabetischer Reihenfolge der Verfasser auf.

e, A., in Weismain, Ledum palustre, eine für Bayern verschollene Pflanze. Mitteilungen der Bayer. Bot. Ges. 1908 II. Bd. N. 9 p. 141—143.

aenitz, Dr. ©., Breslau. Ueber seltene und neue

Rubi und Rubus-Hybriden. Onsterreighiehe bot. Zeit- schrift a p. 22—29. ‚„L. C. Der Dutgendteich in Natur-, Orts- und Industriegeschichflächer Beziehung. 1898. Folio.

Becker, Wilhelm. Familie der Violaceae; Vor- arbeiten zu ger Flora von Bayern. 1902. Berichte der Bayer. Bot. Ges. VIII Bd. p. 247-281. Syste- matische Behandlung der Viola en: s. I. auf

age unserer logenetischen ; tilungen des Harn ee Vereins XIX. Heft p. a: |

Binz, 4. Magnin, Ant te sur U’ Epipactis sesitfelic Dean: 1002. "Archives. de la flore juras- nne N. 26 p. 41-43,

Brückner, Karl, Lehrer in Gößweinstein. Führer durch die fränkische und Hersbrucker Schweiz. Wunsiedel 1904. p. 4.

Dörfler, J. Herbarium ei male. Schedae ad Üent. XLIV: Vindobonae 1902—1903 zu XLV 1904 zu XLVI Be zu XLVI.

Eigner, @. Ueber den Schutz der ge denkmäler. 1904. Be: ’d. Bayer. Bot. Ges. IX p. 1—

Fischer, Dr. @. Professor u. Be Bamberg. Ueber eine Aa nn yern neue Varietät des Kst: ysanthemum inodorum L. 1900. Mitteil. Bayer. Ex, p. 129— 151. Beiträge zur Kenntnis Ye bayerischen Potamogetoneen, 1901—1905, ebenda Nr. 19. 20. 27. 31. 32. 37. Die bayerischen Potamogetonen und ee lien. 1907. XI. Ber. Bayer. nn (zes. p. 20

Garcke, Dr. Aug. Illustr. Flora von a Berlin, Paul Parey; 120, Aufoe 1903. 20. Auflage von Niedenzu E OS.

Gelert Kopenhagen. Die Rubus-Hybriden des Herrn Dr. ich und die Rubus-Lieferung in Ü. Baenitz Herbarium Europaeum 1897 u. 1898. Oesterreich. botan. rege XLVIIH. Wien "1898 p- 127—130.

ück, Professor Dr. Hugo, Heidelberg. Biologische nn ee Untersuchungen über Wasser- und

Sumpfgewächse. I. Teil. Die Lebensgeschichte der euro- isch Alismaceen. Jena bei Gustav Fischer. 1905, großoktav, 312 Seiten, n Tafeln. I/II. Teil. Unter- suchungen über die mitteleuropäischen ÜUtrieularia- Arten, über die Turionenbildung bei Wasserpflanzen, sowie über Ceratophyllum, ebenda 1906. 256 Seiten, 6 Tafeln.

Goldschmidt, M., in Geis Vorstudien über die Den: Bay Niilungen A. Be Bot. Ges. 1907 . . N 31—: .

Gradman »„ Dr. Robert. Das Pflanzenleben der schwäbischen vn mit ig der er Gebiete Süddeutschlands. Tüb Kommissionsverlag rn Schnürlein. 1900. > Bände, Mn Auflage, mit 50 Tafeln,

Eee ri rieben’s Reiseführer Bd. 120. Die fränkische Schweiz, 1909, 10. Angaben über 2 Orchideen.

Bir: Ä u Er Ai A ei En} ER RX, Be. Be E: h Br; Sk

OR 127

Groß, L. Würzburg, gr Notizen aus Mittel- franken. 1903, a t. Z. p. 160-161. Gugler, W., Neuburg a. D. Zur Systematik der Bentaureengr uppe de 1004. "Mitteil. Bayer. Bot. Ges. 33. Hanemann, Pfarrer in Lonnerstadt. Neue Standorte anzen für den Bezirk er > £ Steigerwald). 1902. Mitteil. Bayer. Bot. Ges. N. 23 Zur Flora des Aischgebietes. 1907, ebenda 11. Be N. DR arz, Dr. Kurt, Professor, Bamberg. Flora der Gefäßpflanzen von Kulmbach und den angrenzenden Ge- bietsteilen des Fichtelgebirges, Frankenwaldes und Franken-

Juras. 1907. 25. Bericht der Naturforschenden Gesellschaft

Bamberg p. 1—250. Cor: a en Smith + cava Schwggr. Körte, ebenda p. 251

Hegi, Dr. Gustav. Malen rane e Einstrahlungen in Bayern. 1904. Abhandl. des Bot. Vereins der Provinz Brandenburg XLVI p. 1—60. Beiträ äge zur Pflanzen- geographie der hen Be ee 1905. X. Bericht d. Bayer. Bot Dr Illustrierte Flora von intern, 7 "1906, Pr 1508, II 1910.

Heller, S{., Nürnberg. Trichophorum erctg r (L.) Pers. in fränkischen teens 1910. Mitteil. d. Bayer. Bot. Ges. I. Bd. N. 14 p. 237

He B. Bericht über die Frühjahrs- Haupt- versammlung in. Koburg. 1900. Mitteil. d. thüring. bot. Vereins XV. Heft p. 7.

Hierl, J. @., Bares in en, Der Zr

u. seine Vergangenheit. Eine Studie a zirke. Sulzbach :. Opf: J. E. v. Seidelsche ee 1907.

Dr. L. Bericht über die Thätigkeit dr

iltne ee Anstalt. 1907. Höck, F. Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mittel- europas während des letzten halben Jahrhunderts. 1 bis 1904. Beihefte z. bot. Centralblatt, IX XV, Cassel.

i ei Bayern. 1904. IX. Bericht d. Bayer. Bot. Ges. p. 1—18; enthält bei obovata leider mehrere falsche Zitate. bayerischen Polygalaceen, Vorarbeiten ete. wie vorstehend, icht p. 1—30.

X. Berich

Thne, E., Darmstadt. Phaenologisches. Jahrgang 1596. Bericht d. oberhess. Ges. f. Natur- und Heilkunde. Gießen 1899 p. 26. Phaenologische Mitteilungen, Jahrgang 1897, ebenso p. 122. Phaenologische Mit- teilungen, er Abhandl. naturhist. Ges. N 1902 Bd. 14 p. 1—36. 1903 Bd. 15 p. 1904 B. 15 p. 107—136. 1905 Bd.15 p.

1906 Bd. 16 p.162— 188. 1907 Bd.17 p. ;

Das pflanzenphaenologische Verhalten des Jahres 1908; Schultheiß, yphaenologischer Kalender von Nürnberg p. 10-19 der Berichte über Landwirtschaft, Heft 18,

Hessische Landwirtschaftliche Zeitschrift Darmstadt. Quart.

Kanngießer, Dr.Fr., und Dr. W. Graf zu Leiningen. Ueber Alter und Dickenzuwachs von Kleinsträuchern. 1910. Bericht Bayer. Bot. Ges. XII. Bd. 2. Heft p. 104—111.

Kaulfuß, Pteridophyten, 1899 (in der Flora bei

53 bereits als Anmerkung aufgeführt).

Kellermann, Dr. Christoph, Rektor der k. Kreis- realschule IT Nürnberg. ee ie are Besonder- heiten a keiekirne und der Oberpfalz. 1907. Ab- handl. naturhist. Ges. a 37..D: ar

Kn erkungen zu den (Gramimeae

neucker, A. exsiccatae, I. «. LI. ee, 1904, Allgem. bot. Zeitschr. HE ;

Pp-

1901, ebenda 2. 192—195. zu den

1901 p- 7, 8. zu den Gramineae exs. 1902 p. 28 u.f. zu den Oyperaceae et Juncaceae exs. 1903 p. 96—101. zu den Gramineae exs. 1903 p. 31—36. zu den Gramineae exs. p- 19— 22.

Kollmann, Dr. Fritz. Die Verbreitung der Eibe in Deutschland. Naturwissenschaftliche Zeitschrift für Forst- und Landwirtschaft von Tubeuf, Jahrgang 1909, Heft 4 p. 217—247.

Kükenthal, Georg. Das Pfiabsenreich Regni vege-

ee ‚conspectus. Im Auftrage der Königl. preuss. Akade- 3 .

e der Wissenschaften herausgegeben von A. Engler. T Y. 20. Oyperaceae-Caricoideae mit 981 Einzelbildern in 128 Figuren. Ausgegeben am 18. - 1909. Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann.

Lederer, M., Professor, Amberg. DR zur

—, 171 >>

Flora der Oberpfalz. 1906. Mitteil. d. Bayer. Bot. Ges. N. 39 p. 515—518. Flora der Umgebung von Amber oder Aufzählung der in diesem Gebiete wildwachsenden Blütenpflanzen und Gefüßkryptogamen, sowie der häufig- sten Zierpflanzen. Programm der k. Realschule Amberg für das Schuljahr 1906/07.

Lindinger, Dr. L., Erlangen, Hamburg. Bemerk- ungen über heimische Orchideen. 1902. Mitteil. Bayer. Bot. Ges. Nr. 23 p. 241. Heleocharis triangularis Reinsch n. sp. ebenda N. 27 p. 308. Bemerkungen zur Erlanger Orchideenflora. 1905. Ba X. Bayer. Bot. Ges. p. 1-7. Verbreitung der Corydalis solida durch Ameisen. 1906. Mitteil. Bayer. Bot. Ges. N. 39 p. 518. Cephalanthera grandiflora im ee Reichswald. 1907. ee naturhist. Ges . N.3 p. 24.

Magnin, Dr. Antoine. Distribution geographique des Pulsatilla Ei garis, Hepatica t dans le Jura sonabo-franconien. flore jurassienne, II N conien. - 1903, ebenda UN Thesium jurassiens. 1904, BE N. 47, 48 mit einer 'afel.

- * Berlin. II. Beitrag zur Pilzflora von A . Nbg. Bd. 11

. Beitra IV. Beitrag, 1906, ebenda Bd. 16 p. 189— 293: Mayer, Anton. Die Weiden Regensburgs, eine Be- schreibung der im Gebiete vorkommenden Arten, Formen und Bastarde. 1900. Ber. d. naturwiss. Ver. in Regens- burg. Heft V. 99 Seiten, 5 Tafeln München, Bayerische Beinnseche Gesellschaft. Fort- setzung der zur Erforschung der heimischen Flora heraus- . gegebenen Vorarbeiten zu einer Flora von Bayern. amilien der Berberideen, Nymphaeaceen, Papaveraceen, Fumariaceen, Cruciferen I. 1897. Berichte Bd. V

pP. 77—198. Berichte über Vesseiniegin. Mitteil. 1902

N. 22 p.221; 1904 N. 32 A: en 1905 N. 36 p. 466. von Equisetum